https://www.faz.net/-gv6-78bn6

Griechenland : Die Privatisierungswelle rollt an

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der griechische Pferdewettsport kommt unter den Hammer. An diesem Freitag endet die Frist, innerhalb derer sich Investoren an einer Ausschreibung beteiligen können,um 20 Jahre lang das Wettgeschäft auf Pferderennen betreiben zu können.

          Ernstes Interesse haben daran die französische Wettgesellschaft PMU gezeigt, die südafrikanische Wettgesellschaft Phumelela und die beiden griechischen Unternehmen Intralot und Avenir. Jede Woche kommen derzeit neue Ausschreibungen des griechischen Privatisierungsfonds, des Hellenic Republic Asset Development Funds (HRADF), auf den Markt.

          Zwar ist das ursprüngliche Privatisierungsvolumen von 50 Milliarden Euro nach internem Streit, Widerstand und immer wieder neuen Korruptionsskandalen auf realistischere 11 Milliarden Euro zusammengestrichen worden. Aber die Welle der Privatisierung von Schnellstraßen, Häfen, Flughäfen, Gas- und Wasserwerken, Wettgesellschaften, Hotelgruppen und Beteiligungen an der Post, Energiegesellschaften und anderen Infrastrukturprojekten rollt langsam an.

          Angst ist mittlerweile verflogen

          Die Angst so mancher Investoren ist mittlerweile verflogen, dass Griechenland kurzfristig die Währungsunion verlassen könnte und Investitionen drastisch abgewertet werden würden. Immer mehr Privat-Equity-Gesellschaften und Hedgefonds wollen von dem potentiellen Aufschwung Griechenlands profitieren und greifen zu.

          Nach den amerikanischen Fonds Oaktree Capital Group und der Fortress Investment Group hat der New Yorker Hedgefonds Third Point einen „Hellenic Recovery Fund“ gegründet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Third Point den Anlegern seiner Fonds mitgeteilt, dass dieser die günstigen Anlagebewertungen in Griechenland nutzen wolle. Der Fonds sammelt bei Investoren von Third Point und bei außenstehenden Anlegern Kapital ein, um dies bei Gelegenheit in Hellas investieren zu können.

          Die Geschäftsführung des Fonds von Daniel Loeb ist von dem Reformeifer der Regierung in Athen überzeugt, nachdem das Management von Third Point im vergangenen Jahr intensive Gespräche in Athen geführt hatte. Loebs Offshore Fund hat 2012 einen Gewinn von 21 Prozent abgeworfen, nachdem der Hedgefonds kräftig in griechische Staatsanleihen investiert und vom Schuldenrückkauf profitiert hatte.

          Wenn nicht direkt, dann indirekt investiert...

          Wenn Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften nicht direkt in Griechenland investieren, beteiligen sie sich - wie der Toscafund, Fortress, Blackrock oder Fir Tree Partners - an Investoren wie Dolphin Capital Investors Ltd. Der Großinvestor entwickelt Bau- und Ferienobjekte in Griechenland und auf Zypern. Gerade diese Investoren hat der griechische Privatisierungsfonds im Blick, als er Ende März die erste Ausschreibung für die Privatisierung von Touristenhäfen und Marinas von Hydra, Poros und Nea Epidaurus bekanntgab. In der zweiten Jahreshälfte folgt die Privatisierung der Touristenhäfen von Pylos, Chios und Aretsou. Die Privatisierungen dauern lange, da die Ausschreibungen bis zum Endvertrag fast neun Monate in Anspruch nehmen.

          Der Fonds hat Ende März zudem zwei Ausschreibungen von jeweils 10 Inselflughäfen angekündigt. Ende Januar erhielt der amerikanische Investitionsfonds NCH vom griechischen Privatisierungsfonds den Zuschlag, 100 Millionen Euro in die Entwicklung eines Gebietes auf Korfu zu stecken. NCH ist ein Investor, der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sehr schnell im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion investierte. Katar bietet derweil für den Hellenikon Flughafen in der Nähe von Athen. Der Emir von Katar selbst hat unterdessen von einem Privatinvestor sechs griechische Inseln gekauft.

          Häfen, Wettgesellschaften, Flughäfen und Straßen - Investoren finden in Griechenland viele Objekte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.