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Griechenland : Der ruhigste Anleihemarkt der Welt

Griechenlands Flagge über der Akropolis Bild: AFP

Die Renditen griechischer Staatsanleihen sind seit zwei Monaten nahezu konstant. Mehr Bewegung zeigen die Kurse der Bankaktien, sie befinden sich seit langer Zeit in einer von gelegentlichen Zwischenerholungen unterbrochenen Baisse.

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          Der griechische Anleihemarkt, vor wenigen Monaten noch das Epizentrum einer schweren Krise, befindet sich seit Ende Juni in einer Art Sommerschlaf. In Athen ist nichts zu spüren von der Hektik, die etwa am amerikanischen Anleihemarkt herrscht; nichts von den Sorgen um eine wirtschaftliche Abkühlung, die in Europa viel Geld in deutsche Bundesanleihen fließen und deren Renditen immer weiter fallen lässt.

          Die Rendite für die zehnjährige griechische Staatsanleihe bewegt sich seit zwei Monaten in einem engen Korridor zwischen 10,2 und 10,9 Prozent bei sehr niedrigen Umsätzen. Im Juli 2010 wurden in Athen nach Angaben der griechischen Zentralbank Staatsanleihen im Gesamtvolumen von nur 1,5 Milliarden Euro gehandelt gegenüber 1,6 MIlliarden Euro im Juni. Das entspricht für den Juli einem Tagesumsatz von nur 66,5 Millionen Euro für alle griechischen Staatsanleihen. Angesichts einer Staatsschuld von 317 Milliarden Euro ist das fast nichts. Zwar können griechische Staatsanleihen zwischen Großanlegern auch in London gehandelt werden, doch sind die Umsätze nach Angaben aus dem Handel auch dort gering. Am Markt für Kreditausfallderivate (CDS) für diese Staatspapiere tut sich ebenfalls wenig.

          Die Befürchtungen haben sich nicht bestätigt

          Die Stabilität der Renditen ist angesichts der Unruhe an den internationalen Finanzmärkten und der tiefgreifenden Veränderungen in Griechenland, deren Ausgang zudem völlig offen erscheint, zunächst erstaunlich. Sie erklärt sich mit der Tatsache, dass die Partnerländer aus dem Euro-Raum und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland durch ihre Hilfen bis Ende 2013 vom Kapitalmarkt genommen haben. Athen muss in dieser Zeit keine neuen Papiere am Markt plazieren. Viele Besitzer griechischer Anleihen wollen offenbar das Ergebnis der Sanierung abwarten und halten ihre Papiere, die sie derzeit ohnehin nur mit spürbaren Kursverlusten verkaufen könnten. Nicht bestätigt haben sich auch Befürchtungen aus dem Mai, die Großanleger würden einen großen Teil ihrer Anleihen an die EZB verkaufen, die sich damals verpflichtet hatte, zur Beseitigung von Marktstörungen europäische Staatsanleihen zu erwerben. Zwar hat die EZB ab Mitte Mai nach Schätzungen griechische Staatspapiere für rund 30 Milliarden Euro erworben. Seit rund sechs Wochen hat die EZB ihre Anleihekäufe allerdings nahezu eingestellt.

          Während umfangreiche Verkäufe griechischer Staatsanleihen ausgeblieben sind, ist es Athen umgekehrt nicht gelungen, zu akzeptablen Konditionen Käufer anzulocken. Ein Versuch, trotz der Hilfskredite kurzlaufende Papiere am Markt zu plazieren, verlief im Juli wenig erfolgreich. Anders als die Peripheriestaaten Spanien, Portugal und Irland haben die griechischen Renditen seit Mai nicht nachgegeben. Sie sind damit mehr als doppelt so hoch wie die Renditen portugiesischer oder irischer Anleihen.

          Darin drückt sich die seit dem Frühjahr unveränderte Ansicht der Marktteilnehmer aus, dass Griechenland auf mittlere Sicht eine Umschuldung kaum vermeiden kann. Der Kurs der zehnjährigen Anleihe, der gegenwärtig bei 74 Prozent liegt, deutet auf die Erwartung eines spürbaren Wertverlustes in der Folge einer Umschuldung. Die Regierung in Athen hat angekündigt, dass sie im kommenden Jahr wieder versuchen will, Wertpapiere am Kapitalmarkt zu verkaufen. Solange das Damoklesschwert einer Umschuldung existiert, bleibt eine solche Plazierung schwierig.

          Mehr Bewegung als die Anleiherenditen zeigen in Griechenland auch in diesem Sommer die Kurse der Bankaktien. Sie befinden sich seit langer Zeit in einer von gelegentlichen Zwischenerholungen unterbrochenen Baisse, die ihre wichtigste Ursache in der Schwäche der griechischen Wirtschaft und der damit verbundenen schlechten Qualität vieler Kredite findet. Die griechischen Banken gelten seit einigen Wochen bei anderen europäischen Banken als kaum mehr kreditwürdig und müssen sich daher hauptsächlich über die EZB refinanzieren.

          Phantasie haben die griechischen Bankaktien zuletzt immer einmal wieder durch Gerüchte über Fusionen und Übernahmen erhalten. Zwischen dem 26. und dem 30. August werden die Banken ihre Quartalsergebnisse vorlegen. Die Analysten der Credit Suisse bleiben für die Branche insgesamt negativ eingestellt und erwarten in naher Zukunft auch keine Konsolidierung der Branche, da es an Banken fehle, die sich als Juniorpartner an Zusammenschlüssen beteiligen wollten. Besser als der Branchendurchschnitt dürfte an der Börse nur die Aktie der "hoch profitablen" Bank of Cyprus abschneiden, heißt es in einer Studie.

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