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Griechenland-Anleihen : Lasst endlich mein Geld in Ruhe!

Wahlkampfveranstaltung von Alexis Tsipras in Griechenland Bild: AP

Er glaubte der Politik, wollte helfen, kaufte Griechenland-Anleihen. Aber jetzt fühlt er sich geprellt. Einen F.A.Z.-Redakteur hat der Mut verlassen.

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          Jetzt geht das schon wieder los. Griechenland wählt im Januar neu, und wenn der falsche Mann gewinnt, dann kriegt das Land noch mal einen Schuldenschnitt. Ihr habt wohl nicht mehr alle Euros auf dem Konto? Lasst mich endlich in Ruhe!

          Ich habe doch schon für Griechenland gezahlt. Dabei war ich mal einer von den Guten. Ich habe den Griechen geholfen, damals, als die Krise schon begonnen hatte. Als die Angst wuchs und niemand sonst mehr Griechenland Kredit geben wollte. Damals war ich mutig. Sieben Prozent Rendite versprach die Anleihe damals. Viel war das nicht, eine Anleihe von Heidelberg Cement ist sicherer und brachte mehr Zins. Aber ich habe mein Geld den Griechen gegeben und mitgeholfen, die Zinsen auf Griechenlands Staatsschulden zu drücken. Genau das habe ich getan, was die Politiker von mir wollten – damals. Bis 2013 sei Griechenland sicher, haben sie gesagt. Finanzminister Schäuble hat es versprochen: „Es geht nicht um Umschuldung, das ist kein Thema.“

          Ich habe ihm geglaubt, dem Herrn Schäuble. Habe mich darauf verlassen, dass er Griechenland nicht fallenlassen wird, sondern dass er es rettet. Mit meinem Steuergeld natürlich. Das war der andere Grund für meinen Kauf – die Anleihe war eine Art Versicherung: Wenn Schäuble die Griechen rettet, bekomme ich mein Geld über die Anleihe zurück.

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          Drei Ouzo pro Jahr hätten gereicht

          Aber auf die Politiker ist ja kein Verlass. Das hat damals sogar Martin Blessing gesagt, der Commerzbank-Chef. „Wenn heute noch mal ein Politiker zu mir käme und verlangte, wir sollten unsere Staatsanleihen in den Büchern halten, dann antworte ich: Trau, schau, wem“, hat er gesagt. Und er hat recht. Schäuble hat sein Wort gebrochen. Der Schuldenschnitt kam. Ich habe für Griechenland mit meinen Steuern und mit meinem Geld gezahlt. Und jetzt kommt in Griechenland der nächste Politiker und will schon wieder einen Schuldenschnitt von mir? Ist das fair?

          Bild: F.A.Z.

          Ich hatte gedacht, wir könnten jetzt gut miteinander auskommen. Ein bisschen Geld habe ich ja gekriegt. 150 Euro habe ich schon mal vom europäischen Rettungsfonds zurückbekommen. Und in meinem Depot stehen jetzt 20 Anleihen, für die ich von 2023 bis 2042 jedes Jahr 15 oder 16 Euro bekommen soll. Bis fast zur Rente erinnern sie mich an meine Leichtgläubigkeit.

          In der Zwischenzeit gibt’s jedes Jahr 6,30 Euro Zinsen – den Gegenwert von drei Ouzo. Und vielleicht kommen am Ende noch 300 Euro dazu. Aber die werden nur gezahlt, wenn sich die griechische Wirtschaft schnell genug erholt. Im Moment müsste sie um 15 Prozent wachsen. Wer glaubt daran schon? Egal, dachte ich, jedes Jahr bekomme ich meine drei Ouzo, und dann bin ich zufrieden. Aber jetzt geht der Stress wieder los. Lieber Herr Tsipras, ich glaub, es hackt!

          Die Gebühren sind höher als der Wert der Anleihen

          Ich verstehe ja, dass die Griechen ihre Schulden gerne los wären. Jetzt sieht man deutlich, dass unser Verzicht dem Land überhaupt nichts gebracht hat. Weil es bei seinen Helfern gleich neue Schulden gemacht hat. Wissen Sie was, Herr Tsipras? Holen Sie sich doch das Geld von denen. Kein Land hat so viele öffentliche Gläubiger wie Griechenland. Jetzt sollen die mal zahlen. Dann muss ich wenigstens nur als Steuerzahler bluten. Oder holen Sie sich das Geld von den armen Leuten, die Ihnen im April Geld geliehen haben, damals, als Sie die erste neue Anleihe ausgegeben haben. Holen Sie sich’s von denen, die Ihnen damals vertraut haben. Sorgen Sie ruhig dafür, dass dann niemand mehr Griechenland freiwillig Kredit gibt. Aber lassen Sie mich da raus.

          Wissen Sie: Die Griechen, die kriegen auch schon Angst. Im Dezember haben sie mehr als zwei Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben, weil sie das Geld bei der Bank nicht mehr für sicher halten. Aber ich kann nichts tun. Ich kann nicht mal verkaufen. In meinem Depot liegen 20 Anleihen, und jede ist ungefähr 4,71 Euro wert. Würde ich sie verkaufen, müsste ich pro Anleihe 9,90 Euro Gebühren zahlen. Fünf Euro mehr, als die Anleihen noch wert sind.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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