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Niedrigzinsen : EZB-Politik kostet Deutsche 23 Milliarden 

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat deutsche Sparer schwer getroffen. Bild: dapd

Für die Deutschen fällt die Bilanz der dauerhaften Niedrigzinsen ernüchternd aus: Ihre Treue zu sicheren Geldanlagen kostet deutsche Anleger Milliarden. Dagegen entlastet die EZB-Politik die Südeuropäer kräftig.

          Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat zu einer kräftigen Umverteilung innerhalb des Euroraums geführt. Wie aus dem am Dienstag in Frankfurt vorgestellten Weltvermögensbericht der Allianz hervorgeht, hat die Niedrigzinspolitik die Privathaushalte in Deutschland seit dem Jahr 2010 etwa 23 Milliarden Euro gekostet. Die Spanier wurden hingegen um 54 Milliarden Euro entlastet, die Italiener um 39 Milliarden Euro, die Franzosen um 19 Milliarden Euro, die Portugiesen um 16 Milliarden Euro und die Griechen um 13 Milliarden Euro.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das Analyseteam der Allianz um Arne Holzhausen hat dazu das Zinsniveau der Jahre 2003 bis 2008 mit dem seit dem Jahr 2010 verglichen. Profitiert haben von den drastischen Zinssenkungen seither die Schuldner, während die Gläubiger erhebliche Zinseinbußen erlitten haben. Die Zinsersparnis ist in den südeuropäischen Staaten der Analyse zufolge vor allem deshalb so hoch, weil dort der Grad der privaten Verschuldung höher ist. Aber auch die Darlehenszinsen sind dort stärker gefallen. „In vielen Ländern gibt es anders als in Deutschland flexible Zinsen bei Hypothekendarlehen“, sagt Holzhausen. „Wenn der Leitzins sinkt, spüren dies die Schuldner daher schnell, während dies bei den oft sehr langfristigen Hypothekendarlehen in Deutschland nur langsam wirksam wird.“ So betrug der durchschnittliche Jahreszins auf Bankdarlehen in Deutschland Anfang dieses Jahres 4,35 Prozent, in Spanien und Portugal lag er dagegen unter 3 Prozent und in Frankreich und Italien 4 Prozent.

          Gleichzeitig sind die Guthabenzinsen in Deutschland besonders deutlich zurückgegangen, weil die Banken und Sparkassen hierzulande vergleichsweise gut dastehen und weniger um die Einlagen der Kunden werben müssen. Während vor der Finanzkrise die Guthabenzinsen hierzulande sogar leicht über dem Durchschnitt im Euroraum lagen, sind sie mittlerweile gut 0,3 Prozentpunkte unter den Durchschnitt gefallen. In der Spitze lag die Verzinsung von Bankeinlagen im Jahr 2008 bei 2,8 Prozent, mittlerweile sind es nur noch 0,7 Prozent. In Frankreich betragen sie dagegen aktuell 1,4 Prozent, in Spanien 1,2 Prozent und in Griechenland und Portugal sogar 2 Prozent.

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          Besonders belastend wirkt sich dabei auf die deutsche Bilanz das Anlageverhalten aus. Der Anteil der Bankeinlagen am Geldvermögen ist besonders hoch, so dass Zinsrückgänge stärker spürbar sind. „Der entscheidende Faktor für die Zinsverluste ist auf der Einlagenseite zu suchen“, heißt es in der Studie. Während die Zinsgewinne je Kopf in etwa dieselbe Größenordnung erreichten wie in vielen anderen Euroländern, räche sich auf der Einlagenseite die hohe Affinität der Deutschen zu Sichteinlagen bei Banken. In absoluten Zahlen sind die deutschen Privathaushalte damit die größten Verlierer der Geldpolitik in der Finanzkrise. Je Einwohner gerechnet stehen jedoch die Belgier und Slowaken noch schlechter da. In beiden Ländern ist die Verschuldung der privaten Haushalte sehr niedrig, so dass sinkende Zinsen nur zu einer geringen Entlastung führen und von der Belastung auf der Einlagenseite überkompensiert werden.

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