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Geringe Zinskosten : Europas Banken erhalten günstigere Kredite

Société Générale emittiert wieder Dollar-Anleihen: Zentrale in Paris Bild: AFP

Am Anleihemarkt liegen die Zinskosten für Banken erstmals seit drei Jahren wieder unter denen für Unternehmen. Zudem kommen sie wieder an Dollar.

          Die weiterhin kritische Lage vieler europäischer Banken hat sich in den vergangenen Wochen etwas entspannt. Das trifft vor allem auf den Anleihemarkt zu, wo sich die Institute erstmals seit drei Jahren wieder günstiger finanzieren können als bonitätsstarke Unternehmen. Darauf machen die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley in einem aktuellen Kommentar aufmerksam. Die Entwicklung führen sie auf die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück, die den Banken Liquidität zu günstigen Konditionen bereitstellt und Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern aufkaufen will. Insbesondere diese Ankündigung hat die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen sinken lassen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dadurch haben sich auch in den vergangenen Wochen die Finanzierungsbedingungen für Großbanken aus Italien, Spanien und auch Frankreich spürbar verbessert. Der spanischen Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) gelang jüngst sogar die Plazierung einer dreijährigen Dollar-Anleihe über 2 Milliarden Dollar. Die französische Société Générale begab einen fünfjährigen Titel über 1,25 Milliarden Dollar. Lange Zeit war der amerikanische Anleihemarkt für Banken aus dem Euroraum, erst recht aus Spanien und dem ebenfalls kritisch betrachteten Frankreich, verschlossen. Amerikanische Geldmarktfonds haben ihre Risiken gegenüber Banken aus dem Euroraum deutlich abgebaut.

          Hinweise auf eine für die Banken günstige Entwicklung

          Nach einer Aufstellung von JP Morgan haben Geldmarktfonds ihre überwiegend kurzfristigen Finanzierungen von Euro-banken in den zwölf Monaten bis Ende September um 49 Milliarden auf 193 Milliarden Dollar reduziert. Französischen Banken entzogen sie 19 Milliarden Dollar. Derzeit beträgt das Engagement 75 Milliarden Euro. BNP Paribas, Crédit Agricole und Société Générale mussten ihre Dollar-Geschäfte deutlich abbauen. Doch seit Jahresanfang haben amerikanische Geldmarktfonds Banken aus der Eurozone wieder mehr Geld anvertraut. Laut JP Morgan stiegen die Finanzierungen in den ersten neun Monaten um 40 Milliarden Dollar. Allein französische Banken erhielten 43 Milliarden Dollar.

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          Aber auch im Kerngeschäft hat sich die Situation entschärft. So liegt der Index für auf Euro lautende, unbesicherte Bankanleihen (iBoxx Euro Banks Senior) in der fünfjährigen Laufzeit gegenwärtig bei 115,6 Basispunkten oder 1,156 Prozentpunkten. Diese Zahl gibt den Risikoaufschlag von unbesicherten Anleihen europäischer Banken zu der Swap-Mitte an. Dieser risikolose Marktzins beträgt in der fünfjährigen Laufzeit derzeit 0,933 Prozent. Dagegen müssen europäische Unternehmen aus dem investitionswürdigen Bereich, der ein Rating von mindestens „BBB-“ voraussetzt, an den Anleihemärkten einen Risikoaufschlag von 133,3 Basispunkten (iBoxx Euro Investment Grade Corporates) zahlen. Seit Jahresanfang ist der Risikoaufschlag für Banken um 133,7 Basispunkte gesunken, während dieser für Unternehmen nur um 44,6 Basispunkte zurückgegangen ist.

          Für die Banken bedeutet dies eine Verbesserung ihre Ertragslage. Denn wenn sich Unternehmen am Kapitalmarkt teurer finanzieren, lassen sich in Kreditverhandlungen wieder bessere Konditionen durchsetzen. Zuvor waren die Unternehmen in einer besseren Verhandlungsposition, weil sie jederzeit auf den Anleihemarkt ausweichen konnten, wenn ihnen die Konditionen des Bankkredits zu unattraktiv erschienen. Die Analysten von Morgan Stanley weisen auf eine weitere für die Banken günstige Entwicklung hin. So liegen die durchschnittlichen Risikoaufschläge für fünfjährige Unternehmens- und Hypothekenkredite über denjenigen der Banken.

          Auf die EZB angewiesen

          Jedoch warnen sie vor Euphorie. Denn die Kapitalmärkte seien nur für die großen, systemrelevanten Banken aus den Euro-Krisenländern offen. Kleinere, weniger bedeutende Institute sowie Banken mit hohen Kreditausfallrisiken blieben außen vor und seien auf die EZB angewiesen. Zudem laste die schwache Konjunktur auf den Erträgen ebenso wie der Abbau von Risikopositionen und die künftig schärferen Eigenkapitalanforderungen.

          Die Analysten der britischen Bank Barclays weisen auf die Anhängigkeit der Eurobanken von der EZB hin. Seit dem Jahr 2009 ist der Umlauf an unbesicherten Bankanleihen um 400 Milliarden Euro gesunken, während die Ausleihungen von der EZB um netto 500 Milliarden Euro gestiegen sind. Zwar kam es in den vergangenen Wochen wieder verstärkt zu Neuemissionen von unbesicherten Bankanleihen wie etwa Crédit Agricole oder Intesa Sanpaolo über jeweils 1,25 Milliarden Euro, doch befindet sich das Emissionsvolumen im bisherigen Jahresverlauf mit 197 Milliarden Euro um ein Viertel unter dem des Vorjahreszeitraums.

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