https://www.faz.net/-gv6-7ll9k

Genussrechte : Windparkbetreiber Prokon meldet Insolvenz an

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Windparkbetreiber Prokon hat am Mittwoch bestätigt, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben. Für die Genussrechtsinhaber bedeutet dies wohl Verluste, deren Höhe noch nicht absehbar ist.

          4 Min.

          Der Windparkbetreiber Prokon hat beim Amtsgericht Itzehoe einen Insolvenzantrag gestellt. „Das bedeutet allerdings keineswegs das Aus für Prokon“, betonte die Firma in einem auf der Internet-Seite veröffentlichten Schreiben an die „lieben Genussrechtsinhaber“. Der Antrag müsse zunächst auf Zulässigkeit geprüft werden, was einige Monate in Anspruch nehmen werde.

          Prokon rechnete zuletzt darauf, dass der Insolvenzantrag nicht angenommen wird, weil Genussrechtsforderungen nachrangig sind. Damit hätten die Inhaber einer Stundung gleichsam zugestimmt. Basis der Rechtsauffassung ist nach Auskunft von Anlegeranwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke ein Beschluss des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2007, wonach Forderungen, deren Gläubiger sich vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mit einer nachrangigen Befriedigung einverstanden erklärt haben, bei der Prüfung der Zahlungsunfähigkeit nicht zu berücksichtigen sind.

          Bei Prokon haben gut 75.000 Anleger insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten angelegt. Als Eigenkapitalgeber müssen sie sich in der Insolvenz hinten anstellen. Obwohl Prokon wenig Verbindlichkeiten außer den Genussrechtsforderungen hat, dürften schmerzliche Verluste anfallen. Die Höhe ist derzeit noch nicht abzusehen. Sie hängt im wesentlichen von der weiteren Entwicklung ab. 

          Am Mittwoch gab sich das Unternehmen optimistisch: „Wir sind nach wie vor operativ gut aufgestellt und sind zuversichtlich, dass wir die aktuellen Schwierigkeiten überstehen werden“, hieß es in dem offenen Brief an die eigenen Anleger. „Parallel werden wir unter Einbeziehung der Anregungen unserer Genussrechtsinhaber das Geschäftsmodell anpassen. (...) Uns ist klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern!“ Diese Formulierung ist offen und kann in der Konsequenz vom Nachschießen von Geld bis zur Abwertung der Genussrechtsforderungen in unbekannter Höhe reichen. Sollte es zur Liquidation kommen, dürften die Verluste für die Genussrechtsinhaber höher ausfallen.

          Anlegerschützer erwarten ein kompliziertes Verfahren. „Die Tatsache, dass die rund 1,4 Milliarden Euro, die das Unternehmen bei Anlegern eingesammelt hat, als Genussscheine mit teilweise recht unterschiedlichen Bedingungen ausgestaltet sind, macht den Prokon-Fall nicht nur einzigartig, sondern auch juristisch äußerst komplex„, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch mit.

          Ursprung der Insolvenz sei die handwerklich fehlerhafte Kombination von langfristigen Projekten, die das Kapital 10 bis 20 Jahre binden, mit der Finanzierung durch höchst kurzfristig kündbares Genussscheinkapital. „Das ist ein trauriger Tag für die betroffenen Anleger. Klar ist aber auch, dass nicht die Anleger an der Misere Schuld sind. Diesen Schuh muss sich schon das Prokon-Management anziehen„, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.
           

          Davor schützt sie auch eine Kündigung nicht. Ein Ultimatum von Firmengründer Carsten Rodbertus an die Anteilseigner, ihr Geld nicht aus dem klammen Unternehmen abzuziehen, war am Montag gescheitert. Knapp zwei Drittel stimmten ab, doch nur 54 Prozent statt der geforderten 95 Prozent der Anleger wollten Prokon zusichern, ihr Geld für weitere Monate investiert zu lassen. Der Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin, der am Mittwoch vom Amtsgericht Itzehoe zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, wollte sich zunächst nicht äußern. Er ist auf erneuerbare Energien spezialisiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Borussia Dortmund : Das Problem hinter dem Haaland-Hype

          Alle reden vor dem Spiel gegen Köln von Erling Haaland. Ohne den Hype um ihn würde der BVB wieder festhängen im Stimmungstief. Denn richtig rund läuft es eigentlich nicht. Die Suche nach Lösungen ist kompliziert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.