https://www.faz.net/-gv6-7ldmb

Genussrechte : Verbraucherschützer gehen gegen Prokon vor

  • Aktualisiert am

Prokon kämpft ums Überleben Bild: dpa

Der angeschlagene Windkraftspezialist Prokon hat seinen Anlegern mit der Insolvenz gedroht, sollten sie weiter Kapital abziehen. Verbraucherschützer gehen jetzt gerichtlich dagegen vor: Es werde „in unangemessener Weise“ Druck ausgeübt.

          1 Min.

          Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) geht gerichtlich gegen den angeschlagenen Windparkfinanzierer Prokon vor. Dem Unternehmen solle per einstweiliger Verfügung untersagt werden, auf Genussscheininhaber „in unangemessener Weise“ Druck auszuüben, teilte der vzbv am Donnerstag in Berlin mit.

          Die Verbraucherschützer beziehen sich auf ein Schreiben vom 10. Januar, in dem Prokon Besitzer von Genussrechten vor einer drohenden Pleite warnt, sollten sie ihre Anteile kündigen. Der Brief enthält zudem ein bereits vorformuliertes Antwortschreiben, in dem Anleger durch einfaches Ankreuzen einwilligen können, ihre Genussrechte beizubehalten oder ihre Anteile sogar zu erhöhen.

          Einstweilige Verfügung gegen Prokon beantragt

          „Wir sehen in diesem Verhalten einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und lassen daher die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen“, sagte Lars Gatschke, Referent im Team Finanzen beim vzbv. Es dürfe nicht unnötig mit der Angst der Verbraucher gespielt werden, die bei Prokon investiert haben. Auf sie werde durch die gesamte Aufmachung des Schreibens und die Gestaltung der Rückantwort in unzulässiger Weise Druck ausgeübt.

          Das Unternehmen hat etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Kleinanlegern eingesammelt. Sie müssen nun um ihr Geld bangen. Anlegerschützer warnen schon seit längerem vor Genussrechten, weil Investoren im Fall einer Insolvenz meistens nur nachrangig ausgezahlt werden und ihr Kapital daher in der Regel verlieren. Der Fall Prokon hat deshalb auch eine neuerliche Debatte über einen besseren Schutz von Anlegern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgelöst.

          Der Verbraucherzentralen-Verband forderte Prokon nach eigenen Angaben am Dienstag auf, sein Schreiben zu berichtigen. Außerdem sollte das Unternehmen eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben. Weil es nicht reagiert habe, sei beim zuständigen Landgericht in Itzehoe nun eine einstweilige Verfügung beantragt worden, erklärte der vzbv.

          Weitere Themen

          Italiener streiten über den Euro

          Staatsanleihen : Italiener streiten über den Euro

          Der Risikozuschlag für italienische Staatstitel ist zuletzt wieder deutlich gestiegen. Wie ernst meint es Oppositionsführer Salvini mit seiner Euro-Kritik?

          Topmeldungen

          Nächtliche Pressekonferenz: Selenskyj, Merkel, Macron und Putin im Elysée-Palast

          Ukraine-Gipfel : Bewegung in einen versteinerten Prozess

          Der Stillstand sei überwunden, versichern Merkel und Macron nach neun Stunden Verhandlungen. Putin wittert Tauwetter. Doch Selenskyj ist skeptisch: „Mir ist das viel zu wenig.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.