https://www.faz.net/-gv6-qg9q

Genusscheine : Genüsse von Bertelsmann sind weiter interessant

  • Aktualisiert am

Auch die Buchclub-Sparte schreibt wieder schwarze Zahlen Bild: dpa

Dass Bertelsmann 2006 ein Rekordjahr verbuchte, zeigt auch eine drastisch höhere Ausschüttung auf den „alten“ Genussschein, der einen Kurssprung verbucht. Auch andere Papiere des Hauses sind vor allem langfristig interessant.

          Bertelsmann und die Finanzmärkte ist schon eine Geschichte für sich. Im vergangenen Mai kaufte Europas größter Medienkonzern den 4,5 Milliarden Euro schweren Anteil des Minderheitsaktionär GBL zurück und verhinderte damit den möglichen Börsengang.

          Das heißt indes nicht, dass Unternehmen und Kapitalmarkt einander nicht freundlich gesonnen wäre. Im Gegenteil gelten die Bertelsmann-Genussscheine aufgrund ihrer hohen Ausschüttungen und des geringen Risikos als attraktive Langzeitanlagen.

          Bündnis mit Finanzinvestoren

          Umgekehrt nutzt Bertelsmann den Kapitalmarkt gerne kreativ, um die eigenen Unternehmensziele zu verwirklichen. Neuster Coup des Unternehmens ist die geplante Auflage eines Beteiligungsfonds, um größere Akquisitionen tätigen zu können, den Vorstandschef Gunter Thielen am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz ankündigte.

          Dabei will Bertelsmann mit den amerikanischen Großbanken Morgan Stanley und Citigroup kooperieren. Einerseits will man so die Kontrolle über das eigenen Unternehmen nicht aus der Hand geben, andererseits ist der Verschuldungsspielraum noch durch den Aktienrückkauf von GBL begrenzt.

          Ziel sei es, sich an Medienunternehmen zu beteiligen, sagte Finanzvorstand Thomas Rabe. Mit dem Fonds soll in den kommenden vier Jahren eine Milliarde Euro investiert werden, wobei die Hälfte von Bertelsmann zur Verfügung gestellt wird.

          Angeblich Gebot für Thomson Learning

          Wegen der im Beteiligungsgeschäft üblichen zusätzlichen hohen Fremdfinanzierungsanteile seien damit auch Beteiligungen an Unternehmen denkbar, deren Gesamtwert im hohen einstelligen Milliardenbereich liege, erläuterte Rabe. Höhere Volumina seien zwar theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Bertelsmann selbst werde dabei zunächst nur Minderheitsanteile übernehmen. Im Erfolgsfall will der Medienkonzern aber später die Anteile der Finanzpartner erwerben und sich so die Kontrolle über das Unternehmen sichern.

          Ein erstes Übernahmeobjekt soll Bertelsmann dabei schon im Auge haben. Nach einem Zeitungsbericht sei der Konzern an der Lehrbuch-Sparte des kanadischen Fachverlags- und Informationskonzerns Thomson interessiert. Der Preis für die Sparte werde auf rund 3,7 Milliarden Euro geschätzt. Thomson hatte die Sparte im Herbst zum Verkauf gestellt, da sie nicht mehr zur Strategie passe.

          Mit dem Fonds will Bertelsmann die nach einem guten Jahr 2006 gestiegenen eigenen Expansionsmöglichkeiten erweitern und von 2008 an jährlich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

          Im laufenden Jahr Schuldenabbau im Vordergrund

          2007 soll indes weiter der Schuldenabbau im Vordergrund stehen, so dass nach Angaben des Finanzchefs eventuelle Zukäufe über Verkäufe finanziert werden müssen. Das macht ein Gebot für Thomson Learning auch etwas weniger wahrscheinlich.

          Das interne Finanzierungsziel des Verhältnisses der wirtschaftlichen Finanzschulden zum operativen Ergebnis (operating Ebitda) beträgt derzeit 2,8, wohingegen das Maximum eigentlich bei 2,3 liegen sollte. Diese Marke will Rabe Ende dieses Jahres wieder erreicht haben. Um die Schulden zu tilgen, will Konzernchef Thielen vor allem den Gewinn weiter steigern. „Wir werden auch 2007 ein gutes Jahr haben, allerdings mit geringeren Zuwächsen“, sagte er.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.