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General Motors : Für eine Handvoll Dollar

  • Aktualisiert am

Bei den GM-Gläubigern ist eher Halbmast angesagt Bild: AP

Am Dienstagmorgen beraten die GM-Gläubiger über ein Umtauschangebot des Konzerns. Dabei bleiben ihnen nicht viel mehr übrig, als die geboten Handvoll Dollar und viele Aktien zu akzeptieren. Ohne eine Einigung könnten die Verluste noch größer ausfallen.

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          Die Aussichten für General-Motors-Gläubiger trüben sich ein. Nachdem schon im vergangenen Jahr die Gläubiger der Finanzierungstochter GMAC gezwungen waren, ihre fälligen Anleihen im Volumen von fast 30 Milliarden Dollar gegen neue einzutauschen - mithin der drittgrößte Zahlungsausfall seit 1920 - sind jetzt die Gläubiger des Mutterkonzerns unter Zugzwang.

          Am Dienstagmorgen beraten diese über einen neuen Plan zum Schuldenabbau. Das Angebot, mit dem sich ein Ausschuss der Anleiheinhaber befassen muss, sieht drastische Einbußen vor, wie eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

          Schlechte Nachrichten für alle Beteiligten

          Pro Dollar Schulden sollen die Gläubiger von GM gerade einmal 8 Cent in bar und 16 Cent in neuen, unbesicherten Schuldverschreibungen bekommen sowie einen Anteil von 90 Prozent am Unternehmen. Das sind auch keine guten Nachrichten für die bisherigen Aktionäre, die damit nahezu gänzlich aus der Firma gedrängt würden.

          Ob es den Gläubigern gefällt oder nicht: Sie müssen sich mit GM einigen. Denn ob sie mehr bekommen, ist ungewiss. Die amerikanische Regierung hat nach Ablehnung des Sanierungsplans die weitere Unterstützung auch von einem Plan zum Abbau der Schulden abhängig gemacht und dafür nur 60 Tage Zeit gewährt.

          Zur Kooperation gezwungen

          GM hat rund 27,5 Milliarden Dollar an Anleihen ausstehen, fast ebenso viel wie GMAC seinerzeit. Die Gläubiger stehen grundsätzlich auf der Seite der Regierung, die am Montag den Sanierungsprozess als zu langsam beurteilte und stärkere Einsparungen verlangt. Das würde den Wert der in Aussicht gestellten Aktien erhöhen.

          Bislang hätten Regierung und Unternehmen nicht mit den Gläubigern gesprochen, ließ der Ausschuss verlauten, der sich darüber sehr enttäuscht zeigte. Man sei daran interessiert, einen Konkursantrag zu vermeiden. Diese Art der Restrukturierung würde wahrscheinlich sehr viel länger dauern und es stehen weitere Marktanteilsverluste zu befürchten.

          Derweil spitzt sich die Krise weiter zu. Nach jüngsten Prognosen werden die Verkaufszahlen im März um 48 Prozent gefallen sein, deutlich stärker als etwa die von Toyota und Honda mit etwas mehr als 40 Prozent.

          Hoffen auf eine bessere Zukunft

          Wie viel die Anleihen der Gläubiger noch wert sein werden, hängt vom Unternehmenswert ab. Die Chancen sind umso besser, wenn die Gewerkschaften die Abfindung der Krankenkassenansprüche der Pensionäre von 20 Milliarden Dollar gegen 10 Milliarden Dollar in bar sowie Vorzugsaktien im Volumen von10 Milliarden Dollar mit einem Kupon von 9 Prozent akzeptiert. Dieses erscheint im Gegensatz zum Angebot an die Anleiheinhaber sehr großzügig.

          Dieses wurde sogar noch verbessert. Die Gläubiger hatten eine Staatsgarantie der neuen Anleihen und eine Reduktion der Aktienquote verlangt, konnten sich aber nur mit dem zweiten Ansinnen durchsetzen. Das Bar- und Umtauschangebot beträgt nun immerhin 24 Prozent der Nominale.

          Anleihenmarkt bewertet GM mit null

          Die Kurse der Anleihen des Unternehmens fielen am Montag größtenteils sehr stark, zum Teil um über 20 Prozent. Das setzt sich am Dienstag fort. Sie notieren derzeit durchweg deutlich unter der Umtauschquote bei meist erheblich weniger als 20 Prozent.

          Die Preise der Kreditversicherungen stiegen auf noch höhere Werte als sie schon bisher erreicht hatten. Mittlerweile erfordert eine Ausfallversicherung von GM-Anleihen im Volumen von 10.000 Dollar über 5 Jahre eine Einmalzahlung von 8.100 Dollar sowie weitere 500 Dollar jährlich.

          Dies zeigt hohe Abschläge hinsichtlich der unsicheren Zukunft, vor allem aber dass der Wert auch eines schuldenfreien Unternehmens GM offenbar praktisch mit null angesetzt wird. Das ist auch insofern nicht falsch, als die Probleme des Unternehmens weit über die Verschuldung hinausgehen. Eine verfehlte Modellpolitik lässt sich besonders in einem depressiven Markt nicht auf die Schnelle korrigieren. Es ist fraglich, ob GM überhaupt das Know-how für eine Wende besitzt.

          Eine Spekulation auf das Umtauschangebot ist insofern weiter höchst riskant. Denn es ist nicht unter Dach und Fach. Ebenso ist unklar, ob GM überhaupt die operative Wende schafft, und ob das Unternehmen seine neue Schulden auf Dauer wird bedienen können.

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