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General Motors : Anleger halten Insolvenz für nahezu sicher

  • -Aktualisiert am

Zentrale von General Motors in Detroit Bild: Reuters

Auf dem Anleihemarkt schwindet die Hoffnung, dass der amerikanische Autohersteller General Motors doch noch mit staatlicher Hilfe die Insolvenz vermeiden kann. Auch deutsche Anleger sind betroffen und müssen mit Verlusten rechnen.

          Noch läuft die Gnadenfrist, die der amerikanische Präsident dem Autohersteller General Motors (GM) gegeben hat. Aber auf den Kreditmärkten gibt kaum noch ein Anleger etwas auf den Konzern, zu dem auch Opel gehört.

          Wer am Mittwoch die 2033 fällige Euro-Anleihe von GM verkaufen wollte, bekam nur 9 Cent je Euro Nennwert. Etwas mehr gab es für die 2013 fälligen Titel, allerdings bei sehr weiten Abständen zwischen An- und Verkaufspreisen.

          Neben Anleihen- sind auch Zertifikateinhaber betroffen

          Wie viele der Euro-Anleihen, die einen Gesamtwert von 2,5 Milliarden Euro haben, in Deutschland liegen, ist nicht bekannt. Das gilt auch für Euro-Titel der Finanzierungsgesellschaft General Motors Acceptance Corporation (GMAC), die einen Nennwert von 6 Milliarden Euro haben. Für die Inhaber dieser Titel ist die Lage etwas weniger trist. Sie werden mit 40 bis 45 Cent je Euro Nennwert gehandelt, weil General Motors nicht mehr größter Aktionär der ehemaligen Tochtergesellschaft ist und eine Insolvenz von GM nicht automatisch auf GMAC übergreifen würde.

          Außer den Inhabern der Anleihen sind in Deutschland noch mehr Anleger betroffen. Manche Banken haben Zertifikate auf Kreditkörbe begeben, die auch GM-Risiken enthalten. Fällt einer der im Zertifikat genannten Schuldner durch eine Insolvenz aus, sind solche Titel weitgehend wertlos. Glücklicherweise haben aber die meisten Banken dieses Geschäft in den vergangenen zwei Jahren deutlich reduziert, sodass viele Titel mit GM-Risiken ausgelaufen sind, ohne Schaden anzurichten. Das gilt zum Beispiel für die DZ-Bank und ihre Cobold-Reihe. Die Commerzbank hat noch eine kleinere Schuldverschreibung mit einem GMAC-Risiko. Die Titel werden derzeit mit erstaunlich hohen Kursen von rund 60 Cent je Euro gehandelt.

          Die Hoffnung auf eine Rettung ist auch nicht ganz verschwunden. Das GM-Management muss bis Ende Mai unter anderem sicherstellen, dass die Inhaber unbesicherter Forderungen auf mindestens zwei Drittel verzichten. Das wären etwa 20 Milliarden Dollar. Dass dies mit einem Tausch Aktie gegen Anleihe gelingen kann, haben bereits GMAC und Ford bewiesen. Doch bei General Motors sind die meisten Beobachter skeptisch - unter anderem wegen des großen Zeitdrucks. Die Ratingagentur Moody's schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer der drei großen Autohersteller in Amerika - GM, Chrysler, Ford - in die Insolvenz gehen wird, auf 75 Prozent. Das klingt pessimistisch.

          Die Stimmung an den Kreditmärkten ist schlecht

          Die Stimmung auf den Kreditmärkten ist aber noch viel schlechter. Die Absicherung einer Forderung gegen GM kostet derzeit etwa 160 Prozent der versicherten Summe im Jahr. Das scheint paradox viel zu sein, erklärt sich aber daraus, dass die Versicherungsprämie nicht zu Beginn gezahlt wird, sondern ein kleinerer Teil sofort und der Rest in vierteljährlichen Abständen. Wer bereit ist, derart hohe Sicherungsprämien zu zahlen, rechnet mit einer Insolvenz innerhalb kurzer Zeit. Vor einigen Wochen wurde die Lage des Konkurrenten Ford ähnlich hoffnungslos eingeschätzt. Inzwischen sind die Risikoprämien spürbar gesunken. Ford-Anleihen werden mit etwa 20 Cent je Dollar gehandelt.

          Moody's hält für die amerikanischen Autohersteller drei Szenarien für möglich. Die Chance auf staatliche Rettung ohne Insolvenz schätzt die Agentur auf 25 Prozent. Mit 70 Prozent bemisst sie die Chance auf eine geordnete Insolvenz, die der Staat mit weiteren Zahlungen unterstützt. Dann könnten die Verluste der Anleihegläubiger weniger als 75 Prozent betragen. Es gebe aber auch das Restrisiko von 5 Prozent einer "Insolvenz im freien Fall", was mit einem Totalverlust für die Anleiheinhaber verbunden sein könnte.

          Für die amerikanischen Banken und den Derivatemarkt sei eine Insolvenz der Autohersteller kein größeres systemisches Risiko. Der lange Niedergang der Branche habe es den Banken erlaubt, sich auf die Situation einzustellen. Auf GM und Ford seien saldiert Kreditausfallversicherungen im Nennwert von 16 Milliarden Dollar abgeschlossen worden.

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