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Geldspritzen der Notenbanken : Die Zeiten werden nicht besser

  • Aktualisiert am

Dollars waren am Geldmarkt dringend gesucht Bild: dpa

Mit einem Kursfeuerwerk begrüßen die Aktienbörsen die konzertierte Aktion der Notenbank, Liquidität in den kriselnden Geldmarkt zu pumpen. Doch eine Lösung ist dies nicht - und die Börsen hängen weiter am Tropf der Zentralbanken.

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          Bisweilen werden die Finanzmärkte gierig. Als die amerikanische Zentralbank am Dienstagabend die Zinsen zwar zum dritten Mal, aber eben nur um 25 Basispunkte senkte, reagierten Aktienanleger mit Verkäufen.

          Die Kurse an der Wall Street gaben ebenso kräftig nach wie in Japan und später in Europa. Die Investoren hatten auf eine stärkere Lockerung der geldpolitischen Zügel gehofft. Zwar deutete die Federal Reserve Bank an, dass weitere Zinssenkungen möglich seien, doch das reichte den Anlegern nicht.

          Nach Enttäuschung über Zinssenkung neue Hoffnungen

          Die Fed begründete die Zinssenkung damit, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsame. Die Immobilienkrise habe sich verschärft und belaste zunehmend Verbraucher und Unternehmen.

          Und so kamen am Mittwoch wieder Hoffnungen auf, die Fed könnte mit alternativen Vehikeln jenseits des altbewährten Zinsinstruments für Liquidität sorgen. Unter anderem berichtet die „Financial Times“, bereits am heutigen Mittwoch könnte die Fed mit einer fundamentalen Überarbeitung ihrer Finanzinstrumente beginnen und dem Geldmarkt Liquidität zuschießen.

          Und sie wurden nicht enttäuscht, viel mehr bekamen sie noch einen Bonus. Nicht die Fed alleine, nein insgesamt fünf Zentralbanken in Nordamerika und Europa kündigten eine gemeinsame Aktion an, um einen für das Jahresende befürchteten Liquiditätsengpass am weltweiten Geldmarkt zu verhindern.

          Vor allem Dollar fehlten

          Neben der Fed und der EZB beteiligen sich auch die Schweizer Nationalbank SNB, die Bank von England und die Bank of Canada an der Aktion, mit der große Mengen zusätzlichen Geldes ab dem kommendem Montag den derzeitigen Engpass überbrücken sollen.

          Zunächst will die Fed den Geschäftsbanken per Auktion Kredite im Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar bereitstellen. Eine weitere Versteigerung gleichen Volumens soll bereits drei Tage später am 20. Dezember stattfinden. Auch im Januar will die Fed dann noch zwei weitere derartige Geldmarktoperationen durchführen. Weitere Aktionen könnten je nach Lage an den Märkten folgen.

          Die EZB plant zwei Auktionen über je zehn Milliarden Dollar, um einen Dollar-Engpass in Europa zu verhindern. Dabei werden ihr die dafür nötigen Dollars von der Fed per so genanntem Devisenswap zur Verfügung gestellt. Die EZB verteilt dieses Geld dann per Auktion an die Geschäftsbanken in Europa. Die SNB will den Schweizer Banken bis zu vier Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Auch sie erhält die Dollars von der Fed. Die Bank of Japan erklärte, sie mache sich keine Sorgen über die Stabilität des heimischen Geldmarktes am Jahresende. Deshalb reichten die bestehenden Geldmarktoperationen aus.

          Sofortwirkung am Geldmarkt

          Die Aktienmärkte reagieren mit deutlichen Kursgewinnen auf die Ankündigung der Zentralbanken. Der Dax kletterte in Frankfurt um bis zu 1,35 Prozent, an der Wall Street legte der Dow Jones zwei Prozent zu. Der Euro sprang kurzzeitig auf knapp 1,4742 Dollar.

          Am europäischen Geldmarkt entspannte sich die Lage nach der Ankündigung des Eingriffs der Notenbanken. „Die Zinssätze für lange Laufzeiten fallen“, sagte ein Disponent. Die Klemme am Geldmarkt war entstanden, weil sich die Geschäftsbanken wegen der von den Vereinigten Staaten ausgehenden Kreditkrise in den vergangenen Wochen nur widerwillig gegenseitig Geld geliehen hatten. Als Folge waren die Zinssätze für Geschäfte mit einer Laufzeit bis ins neue Jahr hinein immer weiter gestiegen (Rekord-Geldmarktzins: Banken fürchten um Liquidität).

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