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Geldspritzen der Notenbanken : Die Zeiten werden nicht besser

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„Die Risiko-Aversion der Marktteilnehmer hat sich nach der Notenbanken-Aktion dramatisch geändert“, sagt ein Händler. „Wir sehen hier einen massiven Rückzug aus den Sicherer-Hafen-Vehikeln, wie Regierungsanleihen und besonders kurzfristigen Papieren“.

Zu wenig Feuer, zu viel Rauch?

Indes zeigen die Marktreaktionen ein derzeitiges Grundsatzproblem der Finanzmärkte. Auf den Punkt brachte es bereits am Dienstagabend ein technischer Analyst: „Das ist ein Makromarkt - der wird als ganzes gekauft oder verkauft, und nicht einzelne Unternehmen.“ Beim Abverkauf am Dienstag sei dies an den Umsätzen erkennbar gewesen: Rund 93 Prozent des gesamten Marktumsatzes habe nur in fallenden Aktien stattgefunden.

Anders gewendet hängen die Märkte am Tropf der Notenbanken. Für Geldpolitiker alter Schule ist dies ein Albtraum, da nicht Werte geschaffen werden, sondern strukturelle Probleme durch inflationäre Aufblähung der Liquidität bekämpft werden, die erst durch eine im Übermaß verfügbare Liquidität entstanden sind.

Damit gössen die Banken ständig Öl ins Feuer um dieses nicht ausgehen zu lassen. das kann natürlich nur solange gut gehen, solange noch Öl vorhanden ist beziehungsweise, um im Bild zu bleiben, der Rauch nicht der Volkswirtschaft in Form von einer unkontrollierten Inflation die Luft zum Atmen nimmt.

Stau oder Mangel?

Wann und inwieweit die kurzfristigen Rettungsaktionen die Probleme von morgen schaffen, ist derzeit nicht wirklich abzuschätzen. Dies hängt in hohem maße davon aus, inwieweit es sich um einen Liquiditätsmangel oder aber einen Liquiditätsstau handelt. Im zweiten Fall wird das gehortete Geld früher oder später wieder in den Markt fließen und kann dort neue, vielleicht sogar schlimmere Verwerfungen auslösen.

Handelt es sich um einen echten Liquiditätsmangel, so könnte der Effekt auf die Geldmenge unter Umständen sogar netto kontraktiv sein. Wenn aber aus der Bundesbank zu hören ist, dass eigentlich genug Geld im System sei , so lässt dies eher pessimistisch in die längerfristige Zukunft blicken.

Konrad Hummler, Teilhaber der ältesten Privatbank der Schweiz, Wegelin & Co. sieht die Politik in ein Dilemma führen. Wenn sie kurzfristig funktionierte, riskiere man Konsequenzen, die heute noch gar nicht abschätzbar seien. Es würden ökonomisch höchst fragwürdige Anreize gesetzt. Funktioniere sie dagegen aufgrund einer Überschätzung der Mittel von Zentralbanken und Behörden nicht, stehe man vor der Insolvenz größerer Investmentbanken und einer entsprechend dramatischen Kettenreaktion auf den Finanzmärkten.

Er hofft vor allem auf die Wirkung von Marktkräften. Er sieht eine gute Chance, dass diese Kräfte zur Lösung der Krise beitragen: durch Bankchefs, die ihre Unternehmen einer Fitnesskur unterziehen, durch risikofreudige Investoren, die dem Markt für Hypotheken wieder zu Liquidität verhelfen; und durch finanzkräftige „Weiße Ritter“ aus Fernost, Russland und dem Mittleren Osten, die notleidende Unternehmen mit frischen Finanzmitteln unterstützen.

Die Börsen dagegen zeigen derzeit Eigenschaften einer Drogensucht. Sie reagieren manisch, sobald ihnen eine Dosis verabreicht wird oder diese in Aussicht ist und fallen in die Depression, wenn es den Anschein hat, dass sie ohne diese auskommen müssen. Für Kapitalanleger, die über den Tag hinaus denken sind dies jedenfalls derzeit keine guten Rahmenbedingungen.

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