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Geldspritzen der Notenbanken : Die Zeiten werden nicht besser

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In Notenbankkreisen war von einer noch nie dagewesenen gemeinsamen Aktion diesen Ausmaßes die Rede, mit der die Zentralbanken der angespannten Lage an den Märkten Herr werden wollten. In Kreisen der Bundesbank wurde betont, dass eigentlich genug Geld im System sei - angesichts des Vertrauensverlustes der Geschäftsbanken untereinander würden diese das Geld aber für den Jahresultimo horten.

Banken voll des Lobes

Die Notenbanken in den Vereinigten Staaten und Europa hatten den Markt bereits in den vergangenen Monaten mit Liquiditätsspritzen versorgt. Dabei konnten sie einen Anstieg der Geldmarktzinsen aber immer nur für wenige Tage unterbinden.

Banken-Volkswirte bewerten die Aktion größtenteils positiv. Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater lobte die Notenbanken: „Die Märkte brauchen dringend Liquidität, daher ist die Maßnahme genau richtig. Der Euribor liegt derzeit rund 90 Basis-Punkte über dem Satz der EZB und ist damit ungewöhnlich hoch. Normal ist ein Abstand von 20 bis 30 Punkten. Dies ist Ausdruck des Misstrauens, das die Banken untereinander hegen.“

Julian Cessop von Capital Economics sieht eine doppelte Wirkung: „Erstens sieht das immer gut aus. Zweitens stellen die Banken zusätzliche Liquidität gleich auf mehreren Wegen bereit. Das könnte das Risiko senken, dass Volkswirtschaften durch eine Kreditklemme in die Rezession abgleiten.“

Stephan Rieke von der BHF-Bank sieht in der konzertierten Aktion ein tiefergehende Aktion: „Viele Adressen in Europa brauchen Dollar-Liquiditäten in größerem Umfang und nicht nur tageweise. Das lässt sich nur mühsam über die Devisenmärkte beschaffen. Hier wird ein einfacherer Zugang zu Liquidität erschlossen.“

„Stigma“ des Diskontsatzes

Das sekundiert auch Kornelius Purps von der Unicredit: „Das Problem war, dass die Banken auch Funds von fremden Währungen benötigten und weil sämtliche Interbankenmärkte blockiert waren, war dies doppelt so schwer. Jetzt gibt es endlich Devisen-Swaps. Das ermöglicht jetzt den europäischen Geschäftsbanken, kurzfristig Dollar aufzunehmen. Es ist eine Maßnahmen, die erstmal hilft. Ob das genug ist wird sich zeigen.“

T.J. Marta, Rentenanalyst der Raiffeisen Centrobank erklärt, warum nicht der Diskontsatz gesenkt wurde: „Das Problem bei der Inanspruchnahme des Fed-Diskontsatzes ist das damit verbundene Stigma. Keine Bank will den Eindruck erwecken, möglicherweise Finanzierungsprobleme zu haben. Das Problem bei den bisherigen Offenmarkt-Operationen war, dass die von der Fed an die entsprechenden Banken geleitete Liquidität nicht durch das gesamte Finanzsystem zirkulierte, weil die Banken einander nicht genug trauen, um sich untereinander Geld zu leihen. Eine Auktion scheint diese beiden Probleme zu lösen.“

Anleihen unter Druck

Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt erläutert die Auswirkungen auf die Märkte: „Die Maßnahme zielt darauf ab, die Anspannung an den Geldmärkten zu reduzieren. Das wird von den Märkten positiv interpretiert und hat dementsprechend den Aktienmarkt anziehen lassen. Dadurch hat sich der Druck auf die Rentenmärkte spürbar verstärkt.“

Dort ging es zunächst kräftig nach unten. Der März-Kontrakt des richtungweisenden Bund-Futures brach um bis zu 109 Basispunkte auf 112,92 Prozent ein, bevor er sich weider stabilisieren konnte.

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