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Geldpolitik und Börsen : Zinssenkung der Fed verpufft - Dax fällt

  • Aktualisiert am

Hat Sorgen vor einer Rezession: Fed-Chef Ben Bernanke Bild: REUTERS

Amerikas Währungshüter überfluten ihr Land mit billigem Geld. Die Aktienmärkte lässt das kalt. Der Dax reagiert am Donnerstag mit starken Verlusten - allzumal am Morgen ein amerikanischer Anleiheversicherer Verluste in Milliardenhöhe vermeldete.

          Die amerikanische Notenbank hat die Forderungen der Finanzmärkte erfüllt: Sie senkte am Mittwoch den Leitzins für die Vereinigten Staaten wie erwartet um weitere 50 Basispunkte auf drei Prozent. Und sie ließ zudem die Tür für abermalige Zinsschritte nach unten offen, um eine Rezession in Amerika zu vermeiden. Wie die Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte, wird auch der Diskontsatz, zu dem sich die Banken bei der Fed über Nacht Geld besorgen können, im gleichen Umfang auf 3,5 Prozent gekappt.

          An den Börsen sorgte die zweite Zinssenkung der Notenbank innerhalb von nur acht Tagen für ein kurzzeitiges Aufatmen. An der New Yorker Wall Street drehten die wichtigsten Indizes ins Plus, schlossen dann aber doch im Minus. An den Terminmärkten signalisierten die Futures eine weitere Zinssenkung Mitte März. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung um dann 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent wurde mit 62 Prozent taxiert. Einen herben Dämpfer musste deshalb der Dollar hinnehmen. Er fiel zum Euro um rund einen Cent. Der Leitzins in den Vereinigten Staaten liegt nun 100 Basispunkte unter dem der Euro-Zone (4,0 Prozent). Dadurch werden Finanzanlagen im Dollar-Raum unattraktiver als in der Euro-Zone.

          Deutscher Aktienmarkt startet deutlich im Minus

          Auch der Dax ließ sich nach der erneuten Leitzinssenkung nicht inspirieren. Die deutschen Aktienindizes sind am Donnerstag mit leichten Verlusten in den Handel gestartet. Der Leitindex Dax verlor in den ersten Handelsminuten zunächst 0,02 Prozent auf 6874 Punkte. Für den MDax mittelgroßer Werte ging es um 0,04 Prozent auf 8708 Zähler nach unten. Der TecDax sank um 0,08 Prozent auf 790 Punkte. Doch im Laufe der ersten Handelsstunde sackten die Kurse weiter ab. Nach knapp einer Stunde notierte der Dax mehr als ein Prozent tiefer - unter 6800 Punkten.

          Negativ wirkte vor allem, dass der amerikanische Anleihenversicherer MBIA für das vierte Quartal 2007 aufgrund von hohen Abschreibungen einen Nettoverlust von 2,3 Milliarden Dollar ausweist. Das rückt Abstufungen der Bonität durch die Rating-Agenturen in greifbare Nähe. Dann könnten auch Tausende von den Versicherern garantierte Städteanleihen an Wert verlieren. Selbst wenn die Kurse nur um wenige Prozent fallen würden, würden die Investoren - häufig Pensionskassen und Versicherer - viele Milliarden Dollar verlieren.

          Diese Kettenreaktion könnte auf den gesamten Finanzmarkt ausstrahlen, zumal die Anleiheversicherer sich besonders bei ihren riskanteren Geschäften der handelbaren Kreditversicherungen bedient haben, der Credit Default Swaps. Eine Verunsicherung dieses ungleich größeren Marktes könnte die Risikoprämien für Unternehmenskredite weiter in die Höhe treiben.

          Zins niedrig wie seit Juni 2005 nicht mehr

          Der Zielsatz für Tagesgeld, den die Fed als Leitzins benutzt, liegt nun so niedrig wie seit Juni 2005 nicht mehr. Erst vergangene Woche hatten die Währungshüter den Leitzins überraschend um 0,75 Prozentpunkte verringert. Beide Schritte zusammen sind amerikanische Medien zufolge die stärkste Zinssenkung der Fed in einem solch kurzen Zeitraum seit Anfang der 80er Jahre.

          Mit neun zu eins Stimmen fiel die Entscheidung des Offenmarktausschusses allerdings nicht einmütig. Zur Begründung für die neuerliche Zinssenkung hieß, die Risiken für eine weitere Abschwächung des Wachstums in den Vereinigten Staaten blieben wegen der Hypotheken- und Finanzkrise hoch.

          Aussicht auf weitere Zinssenkungen

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