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Geldpolitik : Schöpfung aus dem Nichts: Wie das Geld in die Welt kommt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Kai

Die Zentralbanken stellen den Geschäftsbanken Liquidität in Milliardenhöhe bereit. Wo kommt dieses Geld her? Wofür benötigen die Geschäftsbanken dieses Geld? Macht dieses Geld jemanden reicher?

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          Geschäftsbanken und Sparkassen können selbst Geld schöpfen, das sogenannte Buchgeld. Das geschieht immer dann, wenn sie einem Kunden einen Kredit gewähren. Sie buchen dann in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein, beispielsweise 100 Millionen Euro; gleichzeitig schreiben sie dem Konto des Kunden - das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird - 100 Millionen Euro gut. Der Kunde bucht spiegelbildlich: Auf seinem Konto hat er 100 Millionen Euro mehr, dafür aber auch auf der Passivseite seiner Bilanz eine Kreditverbindlichkeit von 100 Millionen Euro.

          Der Kunde verfügt nun über ein Sichtguthaben, mit dem er den Kauf von Waren und Dienstleistungen zahlen kann. Auf den ersten Blick könnte man meinen, er sei damit reicher geworden. Doch dem ist nicht so. Denn er hat ja die Pflicht, den erhaltenen Kredit - seine Verbindlichkeit von 100 Millionen Euro - später zu tilgen und zudem fortlaufend Zinsen zu zahlen. Im Zwang zur Zinszahlung liegt ein starker Anreiz, mit dem Kredit produktiv umzugehen, so dass das eingesetzte Geld einen Ertrag abwirft. Die Geldschöpfung kann den Kreditnehmer und die Volkswirtschaft also durchaus reicher machen, allerdings nicht durch den Akt der Geldschöpfung selbst, sondern - angeregt durch den Zins - durch den produktiven Einsatz des Geldes und der mit ihm erstandenen Produktionsmittel.

          Durch Geldschöpfung wird niemand reicher

          Auch die Bank wird durch die Buchgeldschöpfung selbst nicht reicher, ihre Bilanz bleibt ja ausgeglichen. Einen Ertrag erwirtschaftet sie, wenn der Kunde seine Zinsen pünktlich zahlt und den Kredit vollständig tilgt. Von diesem Ertrag muss sie ihre laufenden sowie ihre Refinanzierungskosten bestreiten; wenn dann etwas übrigbleibt, ist das ihr Gewinn. Dieser Aussicht auf Gewinn steht freilich das Risiko gegenüber, dass ein Kunde seinen Kredit nicht zurückbezahlt.

          Banken und Sparkassen dürfen und können nicht unbegrenzt Buchgeld schöpfen. Denn wäre dem so, könnte dies inflationär wirken. Vor allem zwei Faktoren begrenzen die Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken: zum einen ihre Pflicht, auf einem Konto bei der Zentralbank eine Mindestreserve zu unterhalten, zum anderen der Bedarf der Wirtschaft an Bargeld - das nur die Zentralbank drucken und in Umlauf bringen darf.

          Was die Geldschöpfung begrenzt

          Vereinfacht dargestellt, beträgt die Mindestreservepflicht 2 Prozent auf die im Vormonat bei der Bank unterhaltenen Kundenguthaben. Im Beispiel müsste die Bank also für das Kundenguthaben von 100 Millionen Euro bei der Zentralbank 2 Millionen Euro auf dem Konto halten. Die Bank kann dabei allerdings an einem Tag 1,5 Millionen Euro Mindestreserve halten, am nächsten Tag 3 Millionen. Am letzten Tag der Mindestreserveperiode muss sie aber das geforderte Soll von 2 Millionen Euro im Tagesdurchschnitt erreichen, sonst setzt es Strafen. Aus den Mindestreservepflichten der einzelnen Banken ergibt sich ein Gesamtsoll; es ist eine wichtige Komponente des laufenden Bedarfs des Bankensystems insgesamt an Liquidität, genauer: an Zentralbankgeld oder Guthaben bei der Zentralbank.

          Die zweite wichtige Komponente des Liquiditätsbedarfs der Geschäftsbanken ergibt sich daraus, dass die Geschäftsbanken stets einen Bestand an Bargeld vorhalten müssen, um den Bargeldbedarf ihrer Kunden zu decken, die sich ihre Sichtguthaben jederzeit in bar auszahlen lassen können. Schöpfen die Geschäftsbanken über Kreditgewährung zusätzliches Buchgeld, wird davon erfahrungsgemäß ein bestimmter Prozentsatz in bar abgehoben. Das Bankensystem insgesamt kann sich zusätzliches Bargeld aber nur bei der Zentralbank beschaffen. Die Zentralbank kann damit die Buchgeldschöpfung und Kreditgewährung indirekt kontrollieren.

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