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Geldpolitik : Fed kommt den Börsen mit starker Zinssenkung entgegen

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Schürt Hoffnungen auf sinkende Zinsen: Notenbank-Chef Ben Bernanke Bild: AP

Die Zinswette der Börsen ist aufgegangen. Amerikas Notenbank lockert die Geldpolitik deutlich, um Rezessionssorgen zu zerstreuen. Europas Währungshüter mahnen nur zur Besonnenheit. Japans Notenbank will sogar die Zinsen erhöhen.

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          Die Geldpolitik rückt an den Finanzmärkten wieder in den Mittelpunkt. Spekulationen auf eine schnelle Zinssenkung der amerikanischen Notenbank sorgten am Dienstag bereits für eine Erholung an den Aktienmärkten in Europa. Kurz nach 14 Uhr kam dann tatsächlich die ersehnte Meldung, was die Kurserholung noch mal verstärkte. Gegen 14.30 Uhr lag der Dax nur noch leicht im Minus. Zeitweise hatte er mehr als fünf Prozent verloren.

          Der Zielsatz für Tagesgeld werde um 0,75 Prozentpunkte auf 3,50 Prozent reduziert, teilte die Federal Reserve (Fed) am Dienstag in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem Zinsschritt nach unten zwar gerechnet, allerdings erst für Ende Januar beim nächsten regulären Treffen des geldpolitischen Ausschusses (FOMC), das in der kommenden Woche stattfinden wird.

          Händler setzen dagegen am Dienstag bereits darauf, dass die Fed sofort handelt, um einen Kurssturz an der Wall Street zu verhindern. Die Akteure wurden in dieser Einschätzung von Volkswirten und Anlagestrategen unterstützt. Die EZB dürfte sich dagegen wohl weiter ruhig verhalten, während die Bank von Japan wohl ihre Leitzinsen hochschrauben wird.

          „Die Überlegungen, dass die amerikanischen Notenbank nun doch die Zügel vor der nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses weiter lockert, werden einen weiteren Schub erhalten“, hieß es seitens der Commerzbank. Zwar stehe die nächste Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC) ohnehin bereits in der kommenden Woche an, und eine Zinssenkung sei schon „beschlossene Sache“.

          „Den Ausverkauf an den Börsen aufhalten“

          Allerdings sei die Gefahr hoch, dass die reine Ankündigung einer Zinssenkung nicht ausreiche, um an der amerikanischen Börse einen Ausverkauf wie an anderen großen Börsen zu verhindern. „Eine unverzügliche Reaktion der amerikanischen Notenbank würde sicher helfen, den Ausverkauf an den weltweiten Börsen aufzuhalten und die Stimmung etwas zu besänftigen“, sagte Susanne Lahmann, Aktienmarktstrategin bei der Bremer Landesbank.

          Gleichwohl seien weitere Korrekturen an den globalen Aktienmärkten nicht auszuschließen, wenngleich das Tempo des Kursverfalls etwas abnehmen sollte. Dämpfend könnte insbesondere eine vergleichsweise moderate Kursreaktion an den amerikanischen Börse am Dienstag wirken, nachdem diese am Montag wegen eines Feiertags geschlossen blieb. „Um die Kurseinbrüche an den anderen großen Börsen nachzuholen, müsste die Wall Street am Dienstag Kursverluste von rund zehn Prozent einfahren, was ich für nicht wahrscheinlich halte“, sagte Lahmann.

          EZB dürfte sich weiter zurückhalten

          Eine unverzügliche Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen Marktbeobachter indes als unwahrscheinlich an. „Der geldpolitische Kurs der EZB ist deutlich verhaltener als derjenige der amerikanischen Notenbank“, sagte Notenbankexperte Michael Schubert von der Commerzbank. Die europäische Notenbank lege einen starken Fokus auf eine mittelfristige Orientierung ihrer Geldpolitik. Daher sei ein Zinsschritt der EZB nach unten erst dann zu erwarten, wenn sich die Fundamentaldaten in der Eurozone weiter deutlich eintrübten.

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