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Geldpolitik : EZB bleibt zuversichtlich

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Bild: F.A.Z.

Der Rat der Europäischen Zentralbank sieht die Bedingungen für eine konjunkturelle Erholung weiterhin gegeben und hat bei seiner Sitzung den Leitzins weiter auf dem historisch niedrigen Niveau von 2 Prozent gelassen.

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          EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat am Donnerstag überraschend deutlich die am Markt und unter Bankvolkswirten grassierenden Zinssenkungsspekulationen gedämpft. Nach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen bei 2 Prozent zu belassen, präsentierte Trichet einen unverändert zuversichtlichen Ausblick für die Konjunktur des Euroraums und warnte zugleich vor möglichen Inflationsgefahren angesichts der Entwicklung der Rohstoffpreise und steigender Inflationserwartungen.

          Der EZB-Präsident machte deutlich, daß die niedrigen Zinsen zur anhaltenden Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung im Euroraum beitragen würden. Trichet verwies in der Pressekonferenz darauf, daß die Geldpolitik der Notenbank weiterhin vereinbar (“in line“) sei mit der Erzielung von Preisstabilität. Bankvolkswirte wie auch der EZB-Präsident betonten, daß dies keinen semantischen Unterschied gegenüber der bisherigen Formulierung “angemessen“ (“appropriate“) beinhalte. Als Reaktion auf die Trichet-Ausführungen zogen die Sätze am Geldterminmarkt spürbar an.

          Terroranschläge von Madrid ohne Auswirkungen

          Mit Blick auf die kürzerfristige Konjunkturentwicklung verwies Trichet auf zuletzt etwas gegensätzlich ausgefallene Konjunkturindikatoren. Dies habe zu einiger Unsicherheit mit Blick auf die kurze Frist geführt. Auf der anderen Seite betonte Trichet, die Terroranschläge von Madrid hätten nach ersten Indikationen keinen wesentlich negativen Einfluß auf die Stimmungslage im Euroraum gehabt. Vor diesem Hintergrund habe der EZB-Rat die Einschätzung eines anhaltenden, wenngleich auch moderaten Wachstums im gemeinsamen Währungsraum aufrecht erhalten. Zur Zeit geht die EZB davon aus, daß die Wirtschaft des Euroraums in diesem Jahr um 1,6 Prozent wächst.

          Trichet sagte, daß die Bedingungen für eine konjunkturelle Erholung im Euroraum weiterhin gegeben seien und diese Belebung sich im Jahresverlauf verstärken werde. Als Grund hierfür führte er die robuste Weltwirtschaft an, aber auch - vor dem Hintergrund der günstigen Finanzierungsbedingungen - anziehende Investitionen.

          Trichets setzt auf steigenden Konsum

          Zudem äußerte sich Trichet zuversichtlich darüber, daß der private Verbrauch im Euroraum wegen steigender Realeinkommen und Beschäftigung wachsen wird. Zuletzt hatten sich Mitglieder des EZB-Rats, vor allem Trichet selbst, besorgt über die Entwicklung des Konsums geäußert und damit nach Ansicht vieler Beobachter eine Zinssenkung wieder in den Bereich des Möglichen gerückt. Dies hatte entsprechende Spekulationen angeheizt und dürfte nun für einige Kritik an der Kommunikationspolitik der EZB sorgen, da die Notenbank erst einmal zurückgerudert ist.

          Im Zusammenhang mit der Inflationseinschätzung der EZB äußerte Trichet eine gewisse Besorgnis hinsichtlich der Entwicklung der Rohstoffpreise und der langfristigen Inflationserwartungen. Die EZB werde diese beiden Elemente ihrer Analyse genau beobachten, deutete der EZB-Präsident an. Dies gelte auch für das monetäre Wachstum. Wenngleich dieses zuletzt zurückgegangen sei, gebe es immer noch mehr Liquidität als zur Finanzierung eines inflationsfreien Wachstums notwendig sei. Sollte dieser Liquiditätsüberhang anhalten, könnte dies zu inflationärem Druck führen, sagte Trichet.

          EZB-Watcher sagten nach der Pressekonferenz, die von vielen erwartete Zinssenkung im Mai oder Juni sei nun wieder sehr viel unsicherer geworden. Jörg Krämer, Volkswirt bei der Fondsgesellschaft Invesco, betonte, solange sich kein abermaliges Abgleiten in die Rezession abzeichne, sei eine weitere monetäre Lockerung nicht notwendig. Auch bei der DZ Bank hieß es, mit der Presseerklärung nach der EZB-Ratssitzung habe die Notenbank die von ihr selbst geöffnete Hintertür für eine Zinssenkung wieder zugeschlagen. Vor allem habe der Konjunkturausblick nicht den negativen Zusatz bekommen, über den im Vorfeld spekuliert worden sei.

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