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Geldpolitik : Die EZB ist nun mit einer Zinssenkung dran

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Die Währungshüter zieren sich noch, die Leitzinsen in Europa zu senken. Offensiver sind da viele Volkswirte. Sie erwarten in den nächsten Monaten einen Schritt nach unten. Den könnte EZB-Präsident Trichet am Donnerstag vorbereiten.

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          Die Volkswirte sind mal wieder forsch. Viele erwarten nun, dass die Europäische Zentralbank auf die gedämpften Konjunkturaussichten reagiert und bald auch ihre Leitzinsen senkt. Bisher ist davon bei EZB-Präsident Jean-Claude Trichet jedoch keine Rede, im Gegenteil: Der Notenbankchef und seine Kollegen redeten zuletzt eher von einer Erhöhung.

          Währungshüter mauern

          Auch nach der jüngsten drastischen Zinssenkung in Amerika hatten europäische Währungshüter nichts Eiligeres zu tun, als erst einmal die Erwartungen des Marktes zu dämpfen. Zwei Mitglieder des EZB-Rates und die irische Zentralbank erteilten Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung nach amerikanischen Vorbild eine Absage. Die beiden Notenbankchefs von Griechenland und Österreich, Nicholas Garganas und Klaus Liebscher, stellten in Interviews klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Kampf gegen die Inflation fokussiert sei. Eine ähnliche Formulierung fand sich auch im ebenfalls am Freitag in Dublin veröffentlichten Quartalsbericht der Bank von Irland.

          Nicholas Garganas, Gouverneur der griechischen Notenbank

          Garganas sagte Bloomberg, die hohe Teuerung in der Euro-Zone gebe der EZB Grund zur Sorge. Ein Schritt wie der der Fed, die zuletzt zweimal innerhalb von nur acht Tagen die Zinsen gesenkt und damit der Erwartungshaltung an den Finanzmärkten entsprochen hat, sei in Europa nicht vorstellbar. „Unsere Geldpolitik ist nicht von der Erwartung der Märkte geleitet“, sagte Garganas. Sollte es ein Risiko geben, dass die EZB mittelfristig ihr bei knapp unter zwei Prozent liegendes Ziel für die Inflationsrate nicht erreiche, werde sie vorsorglich und entschlossen handeln.

          Volkswirte erwarten mehrere Zinssenkungen

          Auch Liebscher sagte im Interview mit dem Fernsehsender ORF, die Inflation bleibe der zentrale Fokus der Zentralbank. Die irische Notenbank stellte klar, dass die Geldpolitik der EZB einzig und alleine dadurch bestimmt werde, ob es Risiken für die Stabilität des Geldes gebe oder nicht. Die Teuerung in der Euro-Zone kletterte im Januar nach vorläufigen Angaben mit 3,2 Prozent auf ein Rekordhoch seit Beginn der Messungen für die Währungsunion 1997. Die EZB ist darüber hinaus besorgt, dass die anstehenden Tarifrunden durch zu hohe Abschlüsse eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnten.

          Doch viele Volkswirte glauben diesen Beteuerungen nicht mehr. Immer mehr Ökonomen gehen mittlerweile davon aus, dass die Frankfurter Währungshüter den Leitzins noch in diesem Jahr ebenfalls senken werden, um eine von Amerika und der Kreditkrise ausgehende Konjunkturschwäche abzumildern.

          Nur ganz wenige glauben noch an Anhebung der Zinsen

          So sagt zum Beispiel Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: „EZB-Präsident Trichet wird auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung am Donnerstag mehr Konjunktursorgen durchschimmern lassen. Dennoch wird er wie Anfang Januar vor Inflationsgefahren warnen und betonen, dass die EZB bereit sei zu handeln. Er wird verhindern wollen, die Zinssenkungsspekulationen anzufachen.“

          Bei der monatlichen Zinsumfrage der „Financial Times Deutschland“ unter internationalen Banken prognostizierten inzwischen mehr als 40 Prozent der Ökonomen, dass der Euro-Leitzins schon in der ersten Jahreshälfte sinkt, heißt es in der Zeitung. UBS, Barclays Capital und BayernLB erwarteten dies gar schon für März.

          Dass dies jedoch schon auf der EZB-Sitzung am Donnerstag passieren könnte, glaubt indes niemand. Knapp drei Viertel der Volkswirte gingen aber davon aus, dass der nächste Zinsschritt auf jeden Fall eine Senkung sein werde. Nur zehn Prozent setzten noch auf eine Anhebung - dann allerdings auch erst 2009. Der Rest geht von einem unveränderten Leitzins von 4,0 Prozent für 2008 aus, betont aber mehr denn je, dass der Satz doch sinken könnte.

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