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Geschenkt ist noch zu teuer : Dreimonats-Geldmarktzins Euribor erstmals negativ

Ein Kredit zum Negativzins? In Spanien hat es Lockangebote gegeben Bild: Reuters

Undenkbar, aber wahr - Banken haben diese Woche erstmals Geld dafür gezahlt, um ihr Geld zu verleihen. Folgen dem negativen Geldmarktzins jetzt auch die Hypothekenzinsen?

          An den Zinsmärkten wird derzeit fast an jedem Tage etwas bisher Undenkbares wahr. Am Dienstag wurde, wenn auch nur kurzzeitig, erstmals der Geldmarktzins Euribor mit einer Laufzeit von drei Monaten mit einer negativen Rendite von minus 0,001 Prozent ermittelt. Der Euribor gibt den Zinssatz an, zu dem sich große Banken untereinander Geld ausleihen. Er beruht auf der Befragung von Kreditinstituten und wird für unterschiedliche Laufzeiten ermittelt, aber traditionell findet die Laufzeit von drei Monaten am meisten Beachtung.

          Marktteilnehmer begründeten den Fall des Euribor mit großen Geldbeständen im Bankensystem. Viele Banken haben in den vergangenen Wochen Staatsanleihen an die Europäische Zentralbank (EZB) verkauft. Für diese Banken lohnt es sich aber nicht, zu viel Geld auf ihren Konten bei der EZB zu halten, da sie dort einen Strafzins von 0,2 Prozent zahlen müssen. Daher sind manche Banken mittlerweile sogar bereit, überschüssige Guthaben bei der EZB anderen Banken zu einem kleinen Negativzins anzubieten.

          Diese Entwicklung ist auch jenseits des Geldhandels unter Banken von Interesse, da in einer Reihe von Ländern die Zinssätze für Hypothekenkredite von Privatpersonen auf der Basis kurzfristiger Geldmarktzinsen errechnet werden. Diese Praxis ist unter anderem in Irland, Spanien, Portugal und Italien verbreitet und in Frankreich zumindest bekannt, wenn auch dort nicht mehr sehr geläufig. In Deutschland bestimmen sich die Hypothekenzinsen traditionell nicht am Geldmarktzins, sondern an den Kosten, zu denen sich Banken Mittel über die Ausgabe mehrjähriger Pfandbriefe besorgen. So beträgt die Rendite fünfjähriger Pfandbriefe derzeit 0,14 Prozent, während sich der Zinssatz für fünfjähriges Baugeld im Durchschnitt bei 1 Prozent bewegt.

          In anderen Ländern ist es gebräuchlicher, eine Hypothek mit einer Zinsbindung von nur einem Jahr aufzunehmen, deren Verzinsung sich an einem Geldmarktzins orientiert, auf den die kreditgebende Bank einen Aufschlag für ihre Kosten und ihren Gewinn vornimmt. Hier erfreuen sich viele Bauherren zunächst eines sehr niedrigen Zinses, aber da die Zinsen jedes Jahr neu angepasst werden, hat der Bauherr eine geringere Kalkulationssicherheit.

          Negativzinsen mit langen Laufzeiten in Dänemark

          In den vergangenen Wochen wurden spektakuläre Einzelfälle bekannt, bei denen in Dänemark einzelne Kunden in Kronen Baugeld mit einem Negativzins für ein Jahr erhalten hatten. Vergleichbares wurde von einigen Kunden aus Spanien berichtet, denen für einen Kredit in Schweizer Franken ein Negativzins angeboten wurde. Allerdings hat sich diese Praxis nicht ausgebreitet – es waren wohl eher Lockvogelangebote, mit denen die Banken Werbung machen wollten.

          Mit dem Rückgang der Geldmarktzinsen im Euroraum dürften in manchen Ländern auch die Hypothekenzinsen weiter zurück gehen. Ob Baugeld in Euro zu einem Negativzins angeboten wird, ist aber nicht sicher. In Spanien ist die Praxis verbreitet, die Verzinsung von Baugeld am Euribor-Geldmarktzins für zwölf Monate auszurichten, der mit 0,17 Prozent noch im positiven Bereich liegt.

          Auf diesen Zins müssen die Kunden einen Aufschlag zahlen, der je nach Bank und finanzieller Solvenz des Kunden schwanken kann. Der Durchschnittszins für Baugeld in Spanien betrug im März knapp über 2 Prozent – bis zur Nulllinie ist somit noch einiger Raum. Zudem kommt es in Spanien vor, dass Banken in den Kreditvertrag eine Untergrenze für den Zins festschreiben, die nicht unterschritten werden darf.

          In Italien ist nach Auskunft des Bankenverbands bei rund drei Viertel aller Baufinanzierungen die Verzinsung am Geldmarktzins Euribor ausgerichtet – und zwar überwiegend am Euribor für drei und sechs Monate Laufzeit. In Frankreich waren im November 2014 nur noch 2,4 Prozent der Immobilienkredite variabel verzinst. Auch hier kommt es vor, dass von Banken für die Verzinsung vertraglich Unter- wie Obergrenzen festgeschrieben werden.

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