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Geldmarkt : Noch weit von der Normalität entfernt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Am Euro-Geldmarkt hat sich die Lage zu Beginn des neuen Jahres leicht entspannt. Doch ist der Strukturwandel noch lange nicht bewältigt.

          Am Euro-Geldmarkt hat sich die Lage am ersten Handelstag im neuen Jahr leicht entspannt. Von einer Normalisierung sei der Markt aber noch weit entfernt, sagten Händler. Bis der Markt ein neues Gleichgewicht finde, das dem Zustand vor Ausbruch der Kreditkrise im Sommer ähnele, dürften noch Monate vergehen. Wie schon in den Tagen zuvor hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken auch am Mittwoch wieder angeboten, überschüssige Liquidität bei ihr für einen Tag anzulegen. Mit diesen kurzfristigen Geschäften zielt die EZB darauf, den Zins für Tagesgeld (overnight) nahe dem Leitzins von 4 Prozent zu halten.

          Wichtige Marktteilnehmer verschwunden

          Händler zeigten sich am Mittwoch erleichtert, dass der Jahresultimo letztlich ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen ist. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass einzelne Banken aufgrund des allgemeinen Misstrauens in bedrohliche Liquiditätsnöte geraten könnten. Um dem vorzubeugen, hatten mehrere Zentralbanken seit Mitte Dezember in einer koordinierten Aktion in großem Stil Liquidität bereitgestellt. Nach Angaben von Händlern wurde in den vergangenen Tagen kein Fall bekannt, dass ein größeres Institut in Liquiditätsnöte geraten wäre.

          Allerdings dürfte es noch lange dauern, bis der Markt zur Normalität zurückfinde, sagten Händler. Denn mit den Zweckgesellschaften „Conduits“ und „Structured Investment Vehicles“ (SIV) seien bislang wichtige Marktteilnehmer weitgehend entfallen. Auf diesen Strukturwandel müssten sich alle Marktteilnehmer erst noch einstellen.

          Zudem seien mit dem Jahresbeginn für alle Banken in Europa die neuen Eigenkapitalregeln (“Basel II“) in Kraft getreten. Auch dies würde die Institute dazu zwingen, auf neue geschäftspolitische Strategien umzuschwenken. Drittens bestehe weiterhin Unsicherheit über den weiteren Fortgang der Krise an den Kreditmärkten. Deshalb dürften Banken weiterhin zögern, anderen Instituten Liquidität für längere Zeiträume zu leihen.

          Anhaltender Liquiditätsüberschuss

          Wie schon in den Tagen zuvor gaben viele Geldmarktzinssätze auch am ersten Handelstag im neuen Jahr leicht nach. Händler berichteten, dass sich der Geldhandel nach dem recht turbulenten Geschäft am Jahresultimo deutlich beruhigt habe. Am Jahresultimo hatte der Zins für Overnight-Geld - also Liquidität, die dem Kreditnehmer noch am 31. Dezember auf seinem Konto bei der Zentralbank gutgeschrieben wurde - heftig geschwankt: Zeitweise war der Zins auf 3,2 Prozent abgesackt, am späten Nachmittag mussten hingegen in der Spitze 4,5 Prozent gezahlt werden.

          Am Mittwoch haben die Geschäftsbanken im Rahmen eines sogenannten Schnelltenders 168,6 Milliarden Euro zum Jahreszins von 4 Prozent für einen Tag bei der EZB angelegt. Trotz dieses „Absaugens“ war der Markt weiterhin von einem Überschuss an kurzfristiger Liquidität geprägt. Der Overnight-Zins schwankte zwischen 3,73 und 4,08 Prozent. Händler erklärten dies damit, dass von insgesamt mehreren Tausenden Banken im Euro-Raum nur 54 Institute an dem Schnelltender teilgenommen hätten; die übrigen Banken müssten überschüssige Liquidität über den Geldmarkt anlegen - was sich in den Zinsschwankungen niederschlage.

          Der Euribor-Zins für Dreimonatsgeld ist zum Jahresauftakt um einen Basispunkt auf 4,68 Prozent gefallen. Am 27. Dezember hatte er noch 4,76 Prozent betragen. Darin spiegele sich, dass nun der Jahresultimo-Effekt entfallen sei, erläuterte Arbalan Gharagozlou, der bei der Deutschen Bank für das Euro-Liquiditätsmanagement zuständig ist. Er spielte damit darauf an, dass viele Banken vor dem Jahreswechsel danach getrachtet hatten, sich Liquidität über den Jahresultimo hinaus zu sichern. Das hatte die Zinsen nach oben getrieben. Da der Jahresultimo nun bewältigt sei, könnten die Zinsen in den kommenden Tagen weiter etwas nachgeben, sagte Gharagozlou.

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