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Geldanlage : Europa im Bann der Todeszinsen

Bild: F.A.Z.

Immer mehr Länder ächzen unter der Schuldenlast. Für manche hat das Zinsniveau ein tödliches Niveau erreicht. Wohin kann der Anleger sein Geld stecken? Die F.A.Z. gibt einen interaktiven Überblick.

          3 Min.

          Eigentlich geht es den Europäern bei all der Retterei gar nicht um Griechenland. Das Land ist pleite, das ist klar. Es geht darum, zu vermeiden, dass die Märkte Italien und Spanien kein Geld mehr zu erträglichen Zinsen geben. Denn diese Länder könnte der Rettungsfonds nur unter enormen Spannungen stützen, der Euro wäre ernsthaft in Gefahr.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Indikator, wie groß dieses Risiko ist, ist die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen. Sind die Märkte misstrauisch, wollen sie für ihr Risiko besser entlohnt werden, die Rendite steigt. In dieser Woche ist das vor allem bei Italien passiert. Die Rendite der Staatsanleihe kletterte am Mittwoch bis auf 7,2 Prozent.

          Durchschnittszins unter zehnjährigem Niveau

          Ab welchem Zinsniveau die Länder die Zinslast nicht mehr tragen können, bemisst sich aber nicht nur an den zehnjährigen Staatsanleihen. Entscheidend ist dafür die durchschnittliche Verzinsung der Staatsschuld. Die besteht auch aus Papieren mit kurzer Laufzeit von ein oder zwei Jahren, deren Zinsen niedriger sind.

          So liegt zum Beispiel die durchschnittliche Laufzeit der italienischen Schulden bei etwa sieben Jahren. Daher ist der durchschnittliche Zinssatz, den Rom bezahlen muss, unter der Rendite von zehnjährigen Papieren, nämlich bei derzeit etwa vier Prozent.

          Das liegt auch daran, dass im aktuellen Schuldenportfolio noch viele alte Anleihen enthalten sind, die vor einigen Jahren zu niedrigen Zinsen begeben wurden. Die Länder müssen ja jedes Jahr nur einen Teil ihrer Schulden refinanzieren - zu jetzt höheren Zinsen. Wenn die Situation so bleibt, wird es kritisch.

          Todeszins wie ein schwarzes Loch

          Ab wann genau das Zinsniveau gefährlich ist, hat der bekannte Vermögensverwalter Flossbach von Storch in einer Simulation ermittelt. Seine Berechnung basiert auf historischen Vergleichswerten, nach denen ein Teil der Staatsschuld in den kommenden zehn Jahren nicht mehr voll bedient werden kann, wenn der Anteil der Zinsausgaben an den Steuereinnahmen 30 Prozent übersteigt.

          Das wäre im Falle Italiens derzeit bei einem durchschnittlichen Zinssatz der gesamten Staatsschuld von etwa sieben Prozent erreicht, hier beginnt die Gefahrenzone. Angenommen wird die aktuelle Staatsverschuldung und Steuerquote, denn über höhere Steuereinnahmen könnte die kritische Schwelle gesenkt werden.

          Allerdings kann die Steuerschraube nicht beliebig angezogen werden. Wäre die Gefahrenzone bei sieben Prozent erreicht, wäre Italien nicht gleich pleite. Aber die Märkte würden die baldige Insolvenz annehmen und mehr Rendite verlangen, sie stiege weiter.

          Problem Euro

          Bei rund neun Prozent würde Italien die Last nicht mehr stemmen können (siehe Interaktiv). Flossbach von Storch nennt das den "Todeszins". Hier überschreitet der Anteil der Zinsausgaben an den Staatseinnahmen 40 Prozent. Dann liegt die Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent, dass die Schulden schon in den kommenden fünf Jahren nicht mehr voll bedient werden können.

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