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Geldanlage : Die Renditen steigen auf breiter Front

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Bild: FAZ.NET

Während die Aktienkurse und die Rohstoffpreise immer weiter steigen, geraten die Kurse an den Rentenmärkten dagegen deutlich unter Druck. Steigende Renditen jedoch können problematisch werden für hoch verschuldete Staaten.

          Allgemeiner Wirtschaftsoptimismus, Sorgen über die Geldpolitik und die Tendenz von Fondsmanagern, ihre Performance zum Jahresende hin noch einmal zu schönen, treiben die Aktienkurse und die Rohstoffpreise immer weiter nach oben.

          Dagegen geraten die Kurse an den Rentenmärkten deutlich unter Druck, während die Renditen steigen. Der Bund-Future, der Terminkontrakt der deutschen Terminbörse, der die Preisentwicklung deutscher Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wiedergibt, verliert am Dienstag weitere 0,9 Prozent seines Wertes, nachdem er in den vergangenen Wochen schon mehr als fünf Prozent nachgegeben hat. Die Rendite ist von 2,14 Prozent noch Ende August auf zuletzt drei Prozent gestiegen.

          Kursverluste an den Rentenmärkten

          Auch an den anderen Rentemärkten Europas kommt es zu weiteren Kursverlusten, nachdem sich dort in den vergangenen Wochen in weiten Teilen schon die Sorgen über die Schuldenproblematik in Europa negativ bemerkbar gemacht hatten. Selbst in den Vereinigten Staaten geben die Kurse der Rententerminkontrakte im frühen Handel deutlich nach. Kontrakte, die sich auf amerikanische Staatspapiere mit einer Laufzeit von mehr als 20 Jahren beziehen, verlieren 1 21/32 ihres Wertes. Die Rendite ist von 3,62 Prozent Ende August auf zuletzt 4,4 Prozent gestiegen. Futures, die sich auf Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit beziehen, verlieren 0,7 Prozent. Die Papiere rentieren mit 3,34 Prozent, nachdem die Rendite noch Anfang November bei 2,88 Prozent gelegen hatte.

          Der Markt tendiert im aktuellen Umfeld dazu, positiv zu interpretieren was auch nur positiv zu sehen ist. Kurzfristig spiegelt diese Entwicklung den weit verbreiteten Wirtschaftsoptimismus wider, der von der Aussicht auf die Verlängerung der von der Bush-Regierung gewährten Steuererleichterungen in den Vereinigten Staaten noch zusätzlich stimuliert wird. Im Streit um Steuererleichterungen hat sich Präsident Barack Obama mit den oppositionellen Republikanern auf einen Kompromiss geeinigt. Der Vereinbarung müssen noch beide Parlamentskammern zustimmen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß.

          Allerdings hat diese Entscheidung eine Pferdefuss. Denn sie führt in den kommenden beiden Jahren zu Steuerausfällen in einem Volumen von etwa 900 Milliarden Dollar. Auf diese Weise wird die Finanzlage des amerikanischen Staates weiter strapaziert, nachdem die offizielle Verschuldung in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen hat und zuletzt bei 13,6 Billionen Dollar lag. Die amerikanische Regierung erkauft sich mit immer rascher zunehmender Verschuldung immer geringer werdende wirtschaftliche Wachstumsraten. In diesen Zahlen sind weitere Verbindlichkeiten in Form ungedeckter Pensionsversprechen oder Verbindlichkeiten aus dem Kranken- und Pflegeversicherungssystem noch nicht enthalten.

          Steigende Zinsen und Renditen können für hoch verschuldete Staaten problematisch werden

          In diesem Umfeld wären steigende Zinsen und Renditen problematisch, da sie die Refinanzierungskosten der amerikanischen Regierung deutlich steigen lassen würden. Schon bisher ließen sich die Renditen und Zinsen nur mittels der im Vergleich mit der Inflationsrate zu tiefen Leitzinsen und Wertpapierkäufen der Zentralbank im Gegenwert von mehreren Billionen Dollar tief halten. Negative Realzinsen treiben auf der anderen Seite die Kurse und Preise von Aktien und vor allem auch Energie- und Rohstoffkontrakten nach oben.

          Sollten sie so hoch bleiben und möglicherweise sogar weiter steigen, würden sie die Inflationsraten mit einer gewissen Verzögerungen und nach Überwindung bisher noch vorteilhaft wirkender Basiseffekte steigen lassen. Schon jetzt sind entsprechende Effekte in den asiatischen Staaten auszumachen, die sich bisher trotz überdurchschnittlichen Wachstums zu stark an die extreme Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank angekoppelt haben.

          Sollten die Zentralbanken der Welt des kritischen Umfeldes nicht reagieren, könnten Inflationserwartungen rasch außer Kontrolle geraten und die Renditen stärker steigen, als vielfach erwartet. Träten sie dagegen auf die Bremse, so wäre angesichts der spekulativen Überhitzung und der einseitigen Positionierung vieler Marktteilnehmer an den Rohstoffmärkten und an den Börsen ein ähnlicher Rückschlag wie im Jahr 2008 möglich. So zeigt sich an den Rohstoffmärkten möglicherweise die Wasserscheide zwischen inflationärer und deflationärer Entwicklung und indirekt zwischen tief bleibenden oder steigenden Renditen.

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