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Geldanlage : Bund macht Geldmarktfonds und Tagesgeld Konkurrenz

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Von Juli an tritt eine Tagesanleihe an die Seite der Bundesschatzbriefe und soll mehr Privatkunden anlocken. Sie kann zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Banken werden, weil sie bei täglicher Verfügbarkeit keine Transaktionsgebühren anfallen.

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          Die vor gut einem Jahr ausgerufene Privatkundenoffensive der Finanzagentur des Bundes nimmt konkrete Züge an. Im Juli bringt die mit der Schuldenverwaltung und Kreditaufnahme beauftragte Behörde ein neuartiges Bundeswertpapier auf den Markt, das in seiner Ausgestaltung eine kostengünstige Alternative zu Geldmarktfonds und Tagesgeldkonten darstellt. Vermarktet wird die Sparform unter der Bezeichnung Tagesanleihe. Sparern in Bundesschatzbriefen sind in den vergangenen Tagen erste Informationen zugegangen.

          Die Verzinsung des neuen staatlichen Sparangebots soll sich am Euro-Tagesgeldzinssatz Eonia (Euro Overnight Index Average) orientieren, der sich im Normalfall um den Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt. Aktuell beträgt der Leitzins 4 Prozent, der Eonia lag zuletzt bei 4,02 Prozent. Der Bund wird bei der Tagesanleihe üblicherweise einen Abschlag von 7,5 Prozent auf den Eonia vornehmen, so dass schließlich 92,5 Prozent des Eonia-Zinses bei den Anlegern ankommen. Lediglich in Ausnahmesituationen am Geldmarkt ändert sich dieser Mechanismus. Steigt der Tagesgeldzinssatz etwa auf mehr als 6 Prozent, so beträgt die Verzinsung der Tagesanleihe Eonia abzüglich 0,45 Prozentpunkten; fällt er unter 2 Prozent, werden vom Eonia-Zins 0,15 Prozentpunkte abgezogen - wobei die Verzinsung nie unter 0 Prozent liegen kann.

          Täglich verfügbarer Parkplatz für Liquidität

          Gleichzeitig ist es möglich, die Titel täglich kaufen beziehungsweise verkaufen zu können. Die Bundesrepublik Deutschland tritt somit in direkte Konkurrenz zu Banken und Sparkassen als Anbieter eines täglich verfügbaren Parkplatzes für Liquidität. Stabile Euro-Geldmarktfonds haben über die vergangenen zwölf Monate im Durchschnitt 3 Prozent verdient. Führende Tagesgeldanbieter wie die Direktbank ING-Diba bieten derzeit eine Verzinsung von 3,25 Prozent an. Mit einer Verzinsung von aktuell rund 3,7 Prozent würde die Tagesanleihe im Vergleich recht gut dastehen. Der Wettbewerb mit den etablierten Sparformen ist dabei durchaus gewollt. „Die Tagesanleihe verbindet die tägliche Verfügbarkeit eines Tagesgeldkontos oder Geldmarktfonds mit der Rückzahlungssicherheit einer Bundesanleihe“, heißt es in den Werbeunterlagen der Finanzagentur.

          Zu der Besonderheit, dass das neue Angebot für Privatkunden täglich verfügbar ist, gesellt sich noch der Umstand, dass die Titel über eine unbefristete Laufzeit verfügen. Ansonsten tritt die Tagesanleihe an die Seite der bekannten Bundesschatzbriefe. Das heißt, für den Kauf und Verkauf sowie die Verwahrung über die Finanzagentur fallen keine Gebühren an. Vor diesem Hintergrund dürfte die Tagesanleihe in Zukunft vor allem für Geldmarktfonds eine lästige Konkurrenz werden. Mit ihrer Gebührenstruktur sind die Fonds automatisch im Nachteil.

          Wiederbelebung des Privatkundengeschäfts

          Hinzu kommt, dass ihr Renommee seit dem vergangenen Sommer unter der Krise am Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS) leidet. Einzelne Geldmarktfonds mit einer Spezialisierung auf dieses Marktsegment weisen seither sogar Verluste aus. Um dem risikoscheuen Zielpublikum in der Geldmarktanlage entgegenzukommen, ist für die neue Tagesanleihe wie bei Bundesschatzbriefen das Kursrisiko ausgeschlossen. Zum Jahresende werden die aufgelaufenen Zinsen automatisch in neue Anteile umgewandelt. Der Preis liegt somit zu Beginn jedes Jahres wieder bei 100 Prozent.

          Der Startschuss für das neue Angebot des Bundes an Privatanleger soll am 1. Juli fallen. Die Tagesanleihe spielt dabei eine Schlüsselrolle in der geplanten Wiederbelebung des Privatkundengeschäfts. In den vergangenen Jahren waren Bundeswertpapiere zeitweise nahezu vollständig aus der Wahrnehmung von Privatanlegern verschwunden. Betrug ihr Anteil unter den Gläubigern des Staates zu Beginn der neunziger Jahre noch 15 Prozent, so fiel er zeitweise bis auf 1 Prozent zurück. Mittelfristig soll er wieder 4 bis 5 Prozent betragen.

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