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Gegen Kreditklemme : Bank von England beginnt mit Anleihekauf

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die britische Notenbank nutzt im Kampf gegen Kreditklemme und Deflation ein neues Instrument. Sie beginnt mit dem Kauf von Staatsanleihen und weitet damit die Geldmenge direkt aus. Das senkt das Niveau der langfristigen Zinsen.

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          Die Bank von England hat in dieser Woche als erste große Notenbank mit einer Politik der direkten Ausweitung der Geldmenge (quantitative Lockerung) begonnen. Ihre erste Auktion, in der sie für 2 Milliarden Pfund britische Anleihen (Gilts) von Investoren kaufte, wurde am Markt als voller Erfolg gewertet. So wurden der Bank von England Gilts im Wert von 10,5 Milliarden Pfund offeriert, also weit mehr, als die Notenbank kaufen wollte.

          Gleichzeitig sind die Anleiherenditen britischer Staatspapiere seit Ankündigung der Politik der Mengenlockerung um mehr als einen halben Prozentpunkt gefallen - genau diesen Effekt wollte die Bank von England mit ihren Maßnahmen erreichen. Nach der Auktion lag die Rendite zehnjähriger Gilts mit 3,08 Prozent gleichauf mit der Rendite entsprechender Bundesanleihen (3,07 Prozent).

          Aktive Erhöhung der Geldmenge

          Bei der Politik der quantitativen Lockerung der Geldmenge muss zwischen der passiven und der aktiven Politik der Notenbank unterschieden werden. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 verfolgen die Europäische Zentralbank (EZB), die amerikanische Federal Reserve, die Bank von Japan und die Bank von England eine passive Politik der quantitativen Lockerung der Geldmenge. Alle vier Notenbanken weiteten ihre Programme aus, mit denen sie Geschäftsbanken zusätzliche Liquidität, also Notenbankguthaben, gegen die Einreichung von Sicherheiten anbieten. Diese Maßnahmen werden als „passiv“ bezeichnet, weil es die Entscheidung der Banken ist, ob sie das Angebot der Notenbank annehmen. Die Zentralbank hat bei diesen Maßnahmen daher keine Kontrolle darüber, wie stark sich die Geldmenge ausweitet. Die Banken können das zusätzliche Geld auch horten und nicht an die Wirtschaft weiterleiten.

          Anders ist es hingegen bei der „aktiven“ Erhöhung der Geldmenge. Sie funktioniert folgendermaßen: Die Notenbank kauft im Rahmen einer Auktion Staatspapiere von Investoren oder Banken auf. Sie kann exakt bestimmen, mit welchem Betrag sie agieren will. Ihr Kaufprogramm hat zunächst den Effekt, dass die Renditen der Anleihen, die die Notenbank kauft, sinken. Anders als bei der „normalen“ Zinspolitik, wo die Notenbank nur den kurzfristigen Zins nach unten anpassen kann, senkt die Notenbank mit dem Kauf von mittel- oder langlaufenden Anleihen den mittel- oder langfristigen Zins auf dem Anleihemarkt, was Einfluss auf die Kreditzinsen hat.

          Leichtere Refinanzierung des Kreditgeschäfts

          Da der risikolose Zins von Staatsanleihen maßgeblich andere Kreditzinsen auf dem Markt beeinflusst, übt die quantitative Lockerung auch Druck auf die Renditen zum Beispiel von Unternehmensanleihen aus und beeinflusst die Konditionen auf dem Markt für Hypotheken. Der Effekt dieser Geldmengenpolitik lässt sich in diesen Tagen am britischen Anleihe- und Swapmarkt, auf dem feste gegen variable Zinsen getauscht werden, beobachten. Freilich reagiert der Wechselkurs auf die niedrigeren Renditen eines Währungsraumes. Auch dies lässt sich in diesen Tagen an der deutlichen Abwertung des Pfund ablesen.

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