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Neue Zehnjährige : Bringt eine deutsche Staatsanleihe endlich wieder Zinsen?

Die besten Zeiten für den Schuldner-Bund sind vorbei. Bild: dpa

Fünf Jahre ist es her, dass der Bund die erste Staatsanleihe begab, die Anleger mehr kostete, als sie ihnen einbrachte. Fünf Jahre, in denen sich gut Schulden machen ließen. Jetzt aber ist es vorbei.

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          An das Szenario geringer, gar keiner oder gar negativer Zinsen haben sich die Deutschen wohl mittlerweile nolens volens gewöhnt. Dabei entgeht ihnen, dass diese jetzt ihr fünfjähriges Jubiläum feiern. Es war Anfang Januar 2012, als die Deutsche Finanzagentur einmal mehr die Emission einer sechsmonatigen unverzinslichen Schatzanweisung („Bubill“) ankündigte, auf die es noch nie Zinsen gab. Das Besondere war aber, dass erstmals der Preis des Papieres höher war als sein Wert.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          100,00616 Prozent der Nominale bezahlten die Anleger, 100 Prozent bekamen sie am 11. Juli 2012 zurück. Auf das Jahr gerechnet ergab dies eine Rendite von minus 0,0149 Prozent. Der Bund nahm erstmals brutto Geld mit dem Schuldenmachen ein: 246.400 Euro nahm er für die vier Milliarden ein, die er sich lieh.

          Eine intuitiv verdrehte Welt, aber irgendwohin musste das Geld, sollte es nicht auf zinslosen Konten herumliegen. Ein Problem war, dass so mancher Verwalter eines Geldmarktfonds investiert bleiben musste, um die Prospektvorgaben zu erfüllen.

          Und je weiter die Zinsen fielen, desto weniger Rendite bringende Anlagemöglichkeiten gab es. Im Juli 2012, sechs Monate nach dem sechsmonatigen, kostete mit einer Rendite von minus 0,06 Prozent auch erstmals die zwölfmonatige Bundesschatzanweisung Geld. Dem Bund brachte dies Brutto-Einnahmen von 164 Millionen Euro. Nur vier Monate später waren dann die zweijährigen Schatzanweisungen dran – Bruttoeinnahmen 67 Millionen Euro. So möchte sich jeder gern verschulden.

          Das Ende ist schon da

          Mag das manchem Anleger noch entgangen sein, so gab es vor einem Jahr eine richtig markante Neuerung. Ende Januar 2016 kündigte der Bund eine neue fünfjährige Obligation an. Der sogenannte „Bobl“ brachte keinen Zins mehr, kostete dafür aber 1,24 Prozent Aufschlag. Die Emissionsrendite von minus 0,25 Prozent brachte dem Bund Mehreinnahmen von brutto 264 Millionen Euro.

          Jetzt hat der Bund eine neue zehnjährige Anleihe angekündigt, deren Zinslauf am Montag der kommenden Woche beginnen soll. Die Konditionen stehen noch nicht fest. Wird es die erste zehnjährige mit Negativzinsen? Die Antwort ist nein. Denn als die Rendite der Bundesanleihe im Juni in den negativen Bereich fiel, konnte sie sich nicht lange dort halten. Schon im Oktober stieg sie wieder über die Nulllinie und befindet sich mit 0,276 Prozent derzeit deutlich darüber.

          BUNDANL.V.19/29

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          Am Dienstag soll der Zinskupon festgelegt werden. Erwartet wird, dass nach einem Jahr unverzinslicher Staatsanleihen diese wieder zinsbringend sein sollen. 0,25 Prozent werden es wohl sein – nicht viel, aber ein Anfang. Damit dürfte auch das Kapitel Negativ-, Null- und Niedrigstzinsen langsam zu Ende gehen. Es ist wie immer an den Finanzmärkten: Sobald sich überall herumgesprochen hat, dass etwas so ist, ist es auch schon vorbei.

          Das haben auch die Hausbauer offenbar schon erkannt. Sie zeigen ein mittlerweile steigendes Interesse an Darlehen, mit denen sie sich den Zins von heute für später sichern (Forward-Darlehen). Sie spekulieren dabei darauf, dass sich Hypothekendarlehen bis zum Bauzeitpunkt stärker verteuert haben als die Kosten des Forward-Darlehens. Das ist damit nichts weiter als ein Termingeschäft: Als wenn man heute Öl kauft, das erst im April geliefert wird. Ein Roulettespiel also? Bauherren, die zocken? Nun, das tun wir alle, wenn man genau darüber nachdenkt.

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