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Fremdwährungsanleihen : Hohe Kupons in fremden Währungen

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Bei Fremdwährungsanleihen lockt der hohe Kupon. Doch Währungsverluste können diesen zunichte machen: Der Kursverfall des südafrikanischen Rand etwa hat Anlegern hohe Verluste beschert. Strategen raten derzeit vor allem zu türkischen Anleihen.

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          Viele Fremdwährungsanleihen reizen mit hohen Kupons - aber Vorsicht, wenn sich der Wechselkurs in die falsche Richtung bewegt, kann solch ein Engagement auch Verlust bescheren. Anleger in südafrikanischen Staatsanleihen haben das in jüngster Zeit zu spüren bekommen: In den vergangenen zwölf Monaten hat solch ein Engagement einem Investor, der in Euro rechnet, rund 18 Prozent Verlust gebracht (siehe Tabelle).

          „Wer sich in Anleihen in lokaler Währung engagiert, spielt auf einer komplexen Klaviatur“, erläutert Oliver Stönner, ein Investmentstratege bei Cominvest, einer Tochtergesellschaft der Commerzbank. Die Wertentwicklung solch eines Engagements ergibt sich nämlich aus drei Faktoren: dem Kupon der Anleihe, einem etwaigen Kursgewinn oder -verlust dieses Papiers sowie aus der Entwicklung des Wechselkurses gegenüber dem Euro.

          „Die Währungsbewegung muss ständig im Auge behalten werden“, mahnt Stönner. Einen Beleg liefert der südafrikanische Rand: Er hat in den vergangenen zwölf Monaten zum Euro rund 22 Prozent an Wert verloren. Das hat den vergleichsweise hohen Ertrag aus dem Kupon von 9 Prozent für ein zweijähriges Staatspapier aufgezehrt und zum hohen Gesamtverlust beigetragen.

          „Die Türkei ist die neue Konvergenzspekulation“

          Angesichts der vielfältigen Risiken sollten Privatanleger nur in liquiden Märkten und liquiden Papieren anlegen, rät Harwig Wild, ein Investmentstratege bei der Frankfurter Privatbank Metzler. Für ihn bieten diese Voraussetzung neben den Industrieländern derzeit vor allem die Türkei, Südafrika, Brasilien und Ungarn. Anlagen in Ländern wie Rumänien, Island oder Indonesien locken zwar oft mit hohen Kupons. Doch sind diese Märkte wenig liquide und damit stark schwankungsanfällig. Das geht für die Anleger mit hohen Risiken einher. Abgesehen davon ist es in manchen Ländern aufgrund von Kapitalverkehrskontrollen für Ausländer ohnehin schwierig, sich in lokaler Währung zu engagieren.

          Sowohl Stönner als auch Wild empfehlen derzeit vor allem türkische Anleihen. Nicht von ungefähr: Der türkische Leitzins beträgt derzeit 17,5 Prozent, auch längerlaufende Rendite liegen auf diesem Niveau. Allerdings ist auch die Inflationsrate mit rund 11 Prozent hoch. Sie dürfte nach Einschätzung Stönners im Laufe des Jahres aber zurückgehen. Damit eröffne sich Spielraum für ein sinkendes Zinsniveau und für Kursgewinne am Anleihemarkt. Wild sieht das ähnlich: „Die Türkei ist die neue Konvergenzspekulation“, sagt er und spielt damit auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union an. Mittelfristig dürfte sich das hohe türkische Zinsniveau den Euro-Zinsen annähern, was langlaufenden Anleihen Kursgewinne bescheren dürfte.

          Auch Neuseeland ist einen Blick wert

          Allerdings warnen Fachleute, dass die türkische Lira zumindest vorübergehend unter Abwertungsdruck geraten könnte. Eine Eskalation der geopolitischen Spannungen könne die Türkei aufgrund ihrer Nähe zu den Krisenherden Irak und Iran in Mitleidenschaft ziehen, warnen die Analysten von BNP Paribas. Unsicherheit gehe zudem von der für Mitte Mai ausgesetzten Präsidentschaftswahl aus. Auch Stönner und Wild mahnen, das Wechselkursrisiko im Auge zu behalten. Wild glaubt allerdings, dass die Lira zum Euro mittelfristig noch Aufwertungspotential habe. Seine Begründung: Die Wirtschaft habe viel Nachholbedarf und dürfte deshalb kräftig wachsen. Das wiederum dürfte ausländisches Kapital anlocken und damit in der Tendenz die Währung stützen. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Lira zum Euro um rund 2 Prozent aufgewertet.

          Neben der Türkei hält Stönner auch Brasilien für attraktiv, ebenfalls wegen der Aussicht auf sinkende Zinsen. Allerdings gibt es nur wenige Papiere in der lokalen Währung Real, die auch für Ausländer ohne größere Probleme zu kaufen sind. Wild hält Engagements in Ungarn für interessant. Auch hier dürfte die Inflation abnehmen, argumentiert er.

          Bei der Suche nach lohnenden Auslandsengagements sollten Anleger aber auch Industrieländer wie Australien, Neuseeland und Großbritannien in Erwägung ziehen, rät Wild. So bieten fünfjährige neuseeländische Staatsanleihen derzeit rund 7,5 Prozent Rendite - bei einer Inflationsrate von nur 2,6 Prozent. Die Währungsseite hält Wild für gut abgesichert. Denn bei der Diversifizierung ihrer Währungsreserven dürften viele Zentralbanken an den Währungen dieser vergleichsweise großen Länder nicht vorbeikommen. Tatsächlich haben australischer und neuseeländischer Dollar in diesem Jahr zum Euro bereits um 3 und 2 Prozent aufgewertet - und den Anlegern, die in Euro rechnen, damit zu den hohen Kupons auch noch einen Währungsgewinn beschert.

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