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Fremdwährungsanlagen : Starker Euro zehrt Erträge auf

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die auch bei Privatanlegern immer beliebter werdenden Geldanlagen in fremder Währung geraten immer mehr unter Druck. Da der Euro gegenüber dem Dollar deutlich an Wert gewonnen hat, zehren die Währungsverluste vor allem die Anleihezinsen auf.

          Geldanlagen in fremder Währung haben in den vergangenen Monaten nur wenig Freude bereitet. Zwar haben Pfund und Franken gegenüber dem Euro an Wert gewonnen. Der Dollar - die beliebteste Fremdwährung - hat aus Sicht von Euro-Anlegern aber kräftig verloren, mehr als 7 Prozent Wertverlust in den vergangenen sechs Monaten.

          Längst sind Spekulationen in fremder Währung nicht nur professionellen Devisenhändlern vorbehalten, auch Privatanleger mischen mit. Sie kaufen zum Beispiel Fremdwährungsanleihen, um das Risiko bei der Geldanlage zu streuen. Dadurch setzen sie nicht nur auf die Wertentwicklung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Doch der Vorteil der größeren Streuung wird mit einem Nachteil erkauft, den derzeit vor allem die Inhaber von Fremdwährungsanleihen zu spüren bekommen.

          Dollar- und Yen-Titel verlieren besonders stark

          Ihre Anleihen werfen zwar Zinsen ab und gewinnen sogar an Wert, aber zumindest bei Dollar- und Yen-Titeln sind die Währungsverluste größer als die Erträge aus Zins und Kursveränderung. Europäische Anleger tauschen bei solchen Anlagen ihre Euro in Dollar oder andere Währungen und kaufen dafür Anleihen. Wenn sie die Anleihe später wieder verkaufen oder bei der Tilgung ihr Geld zurückbekommen, müssen sie wieder in Euro zurücktauschen. Dies hat Währungsverluste zur Folge, wenn der Euro wie in den vergangenen Monaten stark aufwertet. Angetrieben von einer andauernden Konjunkturzuversicht war die europäische Gemeinschaftswährung vergangene Woche mit 1,47 Dollar so teuer wie seit einem Jahr nicht mehr.

          Wer vor sechs Monaten in amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren investierte, hat aus heutiger Sicht ein schlechtes Geschäft gemacht. Die Zinsen des halben Jahres werden von den rund 5 Prozent Kursverlusten mehr als aufgezehrt. Hinzu kommen Währungsverluste von rund 12 Prozent. Euro-Anleihen haben in diesem Zeitraum einen kleinen Ertrag von gut 1 Prozent aus Zins und Kursveränderung eingebracht - ohne jedes Währungsrisiko.

          Erhöhtes Risiko für Privatanleger

          Aktien-Anleger, die an fremden Börsen gehandelt haben, können sich hingegen freuen. Der Dow-Jones-Index gewann in Dollar gerechnet in den vergangenen sechs Monaten 33 Prozent. Nach Abzug der Währungsverluste bleibt ein Plus von immerhin 24 Prozent. Für den breiter gefassten Index S&P 500 ist es ein Zuwachs von 28 Prozent in Euro gerechnet. Dividenden sind dabei nicht mitgezählt.

          Für Privatanleger ist das Investieren in fremder Währung immer mit einem erhöhten Risiko verbunden. Das Geschäft mit Währungen ist selbst für Profis alles andere als leicht. Devisenkurse sind schwer zu prognostizieren. Konjunkturdaten, Inflationsraten und Zinsen, aber auch das Verhalten der Notenbanken wirken auf die Wechselkurse. Hohe Kursschwankungen sind üblich.

          Wer trotz der Nachteile Fremdwährungsanleihen kaufen mag, hat verschiedene Möglichkeiten: So werden Währungsanleihen von europäischen Emittenten im Ausland oder aber auch von ausländischen Emittenten in Europa begeben. Solche Emittenten können Industrieunternehmen, aber auch die Kfw-Bankengruppe, die Europäische Investitionsbank sowie andere Finanzinstitute sein.

          Dollar als Leitwährung in Bedrängnis

          Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland, die die Kreditaufnahme und das Schuldenmanagement des Bundes übernimmt, hatte in der vergangenen Woche erstmals seit vier Jahren wieder eine Dollar-Anleihe auf den Markt gebracht. Die Anleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren hat ein Volumen von vier Milliarden Dollar und ist erst die zweite deutsche Dollar-Anleihe.

          Für den Bund könnte es sich auszahlen, wenn der Dollar und damit die neuen Schuldtitel an Wert verlieren. „Der Dollar ist klar im Abwärtstrend“, sagt Lutz Karpowitz, Devisen-Experte der Commerzbank. Derzeit laste auf dem Dollar nicht nur die Furcht vor Inflation in Amerika - angetrieben durch die dortige starke expansive Geldpolitik. Zudem sorgen sich Anleger über das hohe Haushaltsdefizit in den Vereinigten Staaten. Hinzu kommt die Debatte, ob der Dollar weiterhin seine Bedeutung als Welt-Leitwährung halten kann. China hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, die Währungsreserven stärker zu diversifizieren.

          Ein weiterer Grund für die Abwertung des Dollar ist, dass er für die Finanzierung von Zinsdifferenzgeschäften sehr beliebt ist. Bei diesen Carry-Trades-Geschäften nehmen Anleger in einer Niedrigzinswährung (wie dem Dollar) Kredite auf und legen das Geld in einer Währung mit höheren Zinsen an, zum Beispiel Euro oder Neuseeland-Dollar.

          Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Karpowitz dürften sich die Carry-Trades-Investoren mittlerweile jedoch eingedeckt haben, so dass sie den Dollar mit ihren Geschäften nicht mehr übermäßig belasten sollten.

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