https://www.faz.net/-gv6-8p6mx

„Weltsparen.de“ : Zins-Hopping leicht gemacht

Aber nicht um die Ecke, sondern in Italien? Oder lieber Bulgarien? Bild: dapd

Nicht über all in Europa sind die Zinsen auf Festgeld so winzig wie in Deutschland. Neue Internetplattformen machen die Einlagen mobil. Eines dieser Fintechs hat dabei besonders viel Erfolg, obwohl es durchaus Risiken gibt.

          Der Anfang wirkte wie so oft bei Unternehmensgründungen bescheiden, die Idee dagegen durchaus bestechend. Warum nicht Geld sparen bei Banken im europäischen Ausland? Schließlich bieten Banken im Ausland fast immer höhere Zinsen auf Tages- und Festgeld als deutsche Banken. Und sind nicht 100.000 Euro auf Bankkonten überall in der EU gleich sicher, da bis zu diesem Betrag je Anleger die gesetzliche europäische Einlagensicherung gilt? So jedenfalls denken die Gründer und Nutzer des Internetportals Weltsparen.de.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer sich dort einmal anmeldet und ein Konto bei der Frankfurter MHB-Bank eröffnet, erhält Angebote für Tages- und Festgeld von allerhand weitgehend unbekannten europäischen Partnerbanken, an die Weltsparen.de das Geld der Anleger gegen eine nur Insidern bekannte Gebühr vermittelt. Das haben nun, drei Jahre nach der Gründung, so viele Anleger, nämlich 60.000 Kunden getan, dass das junge Unternehmen („Fintech“) einen Erfolg vermelden kann.

          „Weltsparen ist das einzige europäische Fintech im Anlagebereich, das ein Volumen von zwei Milliarden Euro überschritten hat“, sagte Geschäftsführer Tamaz Georgadze am Montag der F.A.Z. Dies bedeute nicht nur eine Verdreifachung des vermittelten Volumens im vergangenen Jahr. 2016 seien 15 neue Partnerbanken auf Weltsparen.de hinzugekommen, freut sich der frühere McKinsey-Partner Georgadze, der die Marke Weltsparen.de als Kapitalsammelstelle für Privatanleger Ende 2012 mitgegründet hat.

          Hohe Zinsen aus Italien

          Anfangs machten nur zwei Banken mit, die bulgarische Fibank und die portugiesische Bank Espírito. Doch namhafte Geldgeber wie Index Ventures und Ribbit Capital, die inzwischen 30 Millionen Euro Eigenkapital in das Fintech gesteckt haben, deuteten schon früh darauf hin, dass Weltsapren.de trotz Konkurrenten und Nachahmern wie Savedo der Durchbruch gelingen könnte. Inzwischen vermittelt das von der Raisin GmbH (ehemals Saving Global GmbH) in Berlin unter der Marke Weltsparen.de betriebene Online-Zinsportal Angebote von 27 Partnerbanken.

          Die höchsten Zinsen bietet derzeit die italienische Partnerbank Banca Popolare Lecchese (key project) mit 1,6 Prozent für ein Jahr festgelegtes Geld und 1,2 Prozent für täglich verfügbares Geld. Dahinter könnte stehen, dass durch die staatliche Stützung der drittgrößten italienischen Bank Monte dei Paschi das Vertrauen in den italienischen Bankensektor derart gesunken ist, dass italienische Banken die höchsten Renditen in Europa bieten müssen.

          Schon ganz am Anfang mussten Kunden von Weltsparen zittern: Als die portugiesische Bank Espírito Santo 2014 unterging, hatten deutsche Sparer dort kurz zuvor via Weltsparen.de zu lukrativen 2 Prozent viel Festgeld angelegt. Weltsparen.de beruhigte, die Einlagen seien nie in Gefahr gewesen. Doch half dieser Fall nicht. Umso bemerkenswerter die seither offenbar nicht mehr gerissene Erfolgssträhne von Weltsparen.de.

          Fachleute empfehlen allerdings, nicht mehr als 100.000 Euro bei einer Bank im Ausland anzulegen. Denn dass das Risiko der Banken auf Weltsparen.de höher ist als andernorts, darauf weisen die höheren Zinsen hin, die Banken dort bieten (müssen). 100.000 Euro je Bank erscheinen allerdings sicher, weil die gesetzliche europäische Einlagensicherung als eine Art Versicherung die Entschädigung im Fall einer Bankenpleite bis zu 100.000 Euro je Sparer verspricht.

          Weitere Themen

          Deutsche Aktien im Aufwind

          Momentum : Deutsche Aktien im Aufwind

          Die deutschen Aktien zeigen sich am Dienstag erholt. Eine Reihe von Faktoren, vor allem aber ein positives Momentum gilt als Ursache.

          In Deutschland steigt die Energiearmut

          Hohe Energiepreise : In Deutschland steigt die Energiearmut

          Viele Verbrauchern sorgen sich, dass Energie stetig teurer wird. Derweil müssen sie einem Medienbericht zufolge auch in diesem Jahr hunderte Millionen Euro für ungenutzten Ökostrom bezahlen, der nicht in die Stromnetze eingespeist wurde.

          Topmeldungen

          Besuch eines Kanzlers: Johann Georg Reißmüller im Gespräch mit Helmut Kohl am 11. November 1997 auf dem Weg zur großen Redaktionskonferenz

          Johann Georg Reißmüller : Ein eiserner Zeuge des 20. Jahrhunderts

          Der frühere F.A.Z.-Herausgeber Johann Georg Reißmüller ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren in Frankfurt am Main. Sein journalistisches Lebensthema war das Schicksal Mittel-, Ost- und Südosteuropas.

          Brexit-Chaos : Was nun, Frau Premierministerin?

          Theresa May verschiebt die Abstimmung über den Brexit – und löst damit ein Chaos aus: Das Pfund stürzt ab, das Parlament rebelliert, die Bürger sind genervt. FAZ.NET stellt die vier wichtigsten Fragen zur Zukunft Großbritanniens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.