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Finanzprodukte für jedermann (5) : Die Renaissance des Sparschweins

Der Klassiker Bild: dpa

Die Spardose aus Kindertagen erfreut sich wieder steigender Beliebtheit. Doch Sparen in einer Gesellschaft, in der man Geld am liebsten sofort ausgibt, fällt vielen schwer.

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          Lange galt es als verschollen. Doch in wirtschaftlich bewegten Zeiten, in denen die Themen Geld und Sparen verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, erlebt das Sparschwein eine Renaissance. Denn auch die erwachsenen Generationen bleiben der sicheren Geldanlage aus Kindertagen treu: 61 Prozent der Deutschen legen ihr Geld bevorzugt in Form von Tages-, Festgeld und Sparbüchern an und sparen 11,4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Altersvorsorge.

          Die Spardose steht dabei oft am Anfang von so mancher Sparbiographie. Seit vielen Generationen laufen Kinder am 31. Oktober, dem offiziellen Weltspartag, mit ihren Sparschweinen im Arm in die Bankfilialen und warten gespannt, wie hoch die ersparte Summe sein wird. „Sparerziehung“ nennt sich das Prinzip und meint, auf ein bestimmtes Ziel hin sparen und es sich dann leisten können.

          Teddy oder Biene Maja?

          Doch neu daran sind die vielfältigen Anlagemöglichkeiten, für die sich Kinder heutzutage entscheiden können: Sollen sie in den „Biene Maja Junior Schutzbrief“ oder lieber in die „Teddy-Versicherung“ investieren? Sehr beliebt sind unterdessen sogenannte „wachsende Girokonten“, deren Funktionen mit steigendem Alter zunehmen. Bargeldlosen Zahlungsverkehr und die Kontokarte beispielsweise darf man erst als Jugendlicher nutzen.

          Und genau die haben immer mehr Geld zur Verfügung, denn der Betrag des Taschengeldes steigt seit Jahren. Gleichzeitig folgen viele der Mentalität, sich sofort alles leisten zu müssen. Das gefüllte Portemonnaie erfordert daher auch eine gestiegene Kompetenz im Umgang mit dem Zahlungsmittel.

          Dass hier dem Elternhaus eine große Bedeutung zukommt, bestätigte zuletzt die 2010 erschienene Studie „Finanzkompetenz“ der Sparkassen-Finanzgruppe. Jugendliche, die ihre Eltern als sparsam erlebten, bildeten demnach überdurchschnittlich häufig finanzielle Rücklagen. Durch das aktive elterliche Vorleben wird den Kindern ein Gefühl für den Umgang mit Geld vermittelt. Weniger als die Hälfte der Befragten gibt jedoch an, dass in ihrem Elternhaus offen über Finanzen gesprochen worden ist.

          Finanzerziehung in den Schulen

          In Schulen mehren sich aus diesem Grund Angebote, die sich die fehlende Finanzerziehung zur Aufgabe gemacht haben. So versucht auch die Initiative „Netzwerk Finanzkompetenz“ in Nordrhein-Westfalen mit Vorträgen wie „Führerschein und eigenes Auto“ oder „Online-Shopping“ den Schülern die Folgekosten einer Konsumentscheidung klarzumachen und so die allgemeine Finanzbildung zu fördern.

          Dass das Sparschwein auch am Anfang der Sparbiographie einer ganzen Gesellschaft stehen kann, zeigt der Blick zurück auf die Geschichte des Sparschweins. Die ist „fast so alt wie das Münzgeld selbst“, erklärt Gianluca Agosta von der Geldgeschichtlichen Sammlung der Kreissparkasse Köln. Als im 7. Jahrhundert v. Chr. das Münzgeld erfunden wurde, entdeckte man auch schon aus dieser Zeit Tongefäße, in deren Schlitz man Münzen einwerfen konnte.

          Kulturgut Sparschwein

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