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Finanzmarktkrise : Banken zahlen höhere Risikoprämien

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Misstrauen der Anleger gegenüber den Banken wächst. Das kommt sie bei der Refinanzierung teuer zu stehen - die Risikoprämien sind stark gestiegen. Das Schlimmste in der Finanzkrise ist noch nicht überstanden.

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          Wie viel Vertrauen die Investmentbanken seit Beginn der Finanzkrise verloren haben, lässt sich derzeit auf dem Anleihemarkt besichtigen. Die Citigroup hat am Donnerstag eine Anleihe über 4 Milliarden Dollar (2,74 Milliarden Euro) begeben. Genügend Käufer konnte sie trotz ihrer immer noch guten Bonitätsnote nur mit einer erstaunlich hohen Risikoprämie gegenüber sicheren Anlagen gewinnen. Verzinst ist die zehnjährige Anleihe mit 6,125 Prozent. Dies sind 1,9 Prozentpunkte mehr, als von amerikanischen Staatsanleihen zu erwarten ist. Die Citigroup kommt nicht wesentlich günstiger weg als durchschnittliche Schwellenländer. Sie müssen ihren Investoren im Durchschnitt derzeit rund 2,2 Prozent Risikoprämie bieten, wenn sie an Dollar kommen wollen.

          Der Vergleich ist etwas unfair, weil es sehr wackelige Schwellenländer und sehr zuverlässige gibt. Zudem sind die Laufzeiten meist kürzer als bei der Anleihe der Citigroup. Gleichwohl zeigen die Größenordnungen, wie sehr die Märkte durch die nur zögerlich veröffentlichten riesigen Verluste der Banken verunsichert sind. Allein die Citigroup muss bis zu 17,5 Milliarden abschreiben, weil sie sich mit Verbriefungen bonitätsschwacher Hypothekenkredite und mit Krediten zur Übernahmefinanzierung verspekuliert hatte.

          Die Wurzel des Übels

          Gemessen an der geringeren Größe der Bank, hat es Merrill Lynch noch härter getroffen. Deshalb sind für diese Bank die Preise für handelbare Kreditabsicherungen besonders stark gestiegen. Vor Beginn der Krise kostete es einen Gläubiger von Merrill Lynch 15.000 Dollar im Jahr, eine Forderung von 10 Millionen Euro gegen einen Ausfall zu versichern. Heute würde dieselbe Absicherung für eine Laufzeit von fünf Jahren rund 120.000 Euro im Jahr kosten. Zum Vergleich: Die Absicherung einer Forderung von 10 Millionen Euro an die Deutsche Bank kostet derzeit gut 50.000 Euro im Jahr.

          Die Wurzel des Übels ist die Krise auf dem amerikanischen Markt für wenig besicherte Hypotheken (“Subprime“). Nach neuen Schätzungen der Kreditanalystin Laurie Goodman von der UBS wird die Subprime-Krise zu Gesamtverlusten in Höhe von 380 bis 480 Milliarden Dollar führen. Analysten wie Mike Mayo von der Deutschen Bank schätzen, dass ein Drittel der gesamten Verluste auf die großen Banken und Brokerhäuser zurückfallen wird - also im schlimmsten Fall bis zu 160 Milliarden Dollar. Bislang haben die großen Banken erst Wertberichtigungen von 50 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

          Schlüsselspieler sind eine Handvoll Banken

          Als große Unbekannte gelten weiterhin die von Banken aufgelegten außerbilanziellen Spezialgesellschaften, die in strukturierte Produkte investiert und diese durch kurzfristige Papiere refinanziert haben. In diesem 320 Milliarden Dollar schweren Markt für strukturierte Investmentvehikel (SIV) sind eine Handvoll Banken die Schlüsselspieler, namentlich die Citigroup, Dresdner Bank, West LB und HSBC. Die Ratingagentur Fitch hält die Refinanzierungsprobleme der SIV für die meisten dieser Banken für beherrschbar. Im von Fitch als unwahrscheinlich eingestuften schlimmsten Fall könnte aber eine Aufnahme des SIV auf die Bankbilanz zur Ratingherabstufung führen.

          Viele befürchten, dass in der Finanzkrise das Schlimmste nicht überstanden ist. Es sei kaum zu glauben, dass das Engagement auf dem amerikanischen Subprime-Markt für bonitätsschwache Immobilienkredite abgebaut worden sei, ohne größere Spuren in den Bankbilanzen zu hinterlassen, schreibt Unicredit-Analyst Philip Gisdakis in einer Studie. Es möge zutreffen, dass die Banken sich abgesichert haben. Aber sofern die Absicherungen nicht mit außerirdischen Gegenparteien vereinbart worden seien, müssten die Risiken irgendwo auf dem Globus in irgendwelchen Anlagebüchern liegen. Ähnliche Fragen haben sich offenbar viele Aktionäre gestellt und Bankaktien verkauft. Dies triff auch europäische Werte. Der Stoxx-Branchenindex hat seit Beginn der Finanzkrise im Juli 15 Prozent verloren, doppelt so viel wie der Gesamtmarkt.

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