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Finanzmarkt-Ausblick : Die Prominenz reist nach Jackson Hole

Bild: F.A.Z.

Am Wochenende treffen sich die führenden Geldpolitiker in den Rocky Mountains. Die Märkte sind derweil nervös, weil sie Unsicherheit hassen. Und von der gibt es derzeit viel. Vor allem die amerikanische Konjunktur besorgt.

          Das für die Finanzmärkte vielleicht wichtigste Ereignis in dieser Woche findet am kommenden Wochenende statt: Es handelt sich um die jährliche Konferenz der Federal Reserve Bank of Kansas in dem Bergort Jackson Hole in den Rocky Mountains.

          Dort treffen sich mehr als 100 Fachleute für Geldpolitik und Finanzmärkte, darunter die Präsidenten der wichtigsten Zentralbanken der Welt wie Ben Bernanke (Fed), Jean-Claude Trichet (EZB) und Axel Weber (Deutsche Bundesbank).

          Geldpolitik bliebt zentrales Thema

          Das Thema der Tagung heißt „Gesamtwirtschaftliche Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts“; wichtiger aber als das offizielle Programm sind nach aller Erfahrung die vertraulichen Gespräche der Mächtigen des Geldes. Denn die Geldpolitik wird auch weiter von größter Bedeutung für die Finanzmärkte bleiben, auch wenn ihre Durchschlagskraft immer noch beeinträchtigt scheint, wie zum Beispiel das Nullwachstum der Geldmenge M3 im Euro-Raum seit mehr als einem halben Jahr belegt - und das trotz Niedrigzinsen.

          Bernanke wird zu Beginn der Tagung eine Rede halten, in der er auch auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten eingehen dürfte. An den Finanzmärkten wird die amerikanische Konjunktur immer skeptischer eingeschätzt. Das zeigt sich unter anderem in einer starken Nachfrage für Staatsanleihen, die Ausdruck einer wachsenden Furcht vor Risiken ist und die Renditen weiter unter Druck setzt. Am vergangenen Freitag ging die zehnjährige amerikanische Staatsanleihe mit einer Rendite von nur noch 2,61 Prozent aus dem Handel.

          Übernahmephantasien stützen Aktienmarkt

          Während die Anleihemärkte schon länger von Sorgen um die Robustheit der amerikanischen Konjunktur getrieben werden, stehen sich an den Aktienmärkten Optimisten und Pessimisten noch etwa gleich stark gegenüber. Der Standard & Poor's-500-Index verlor im Wochenvergleich nur 0,7 Prozent auf 1071 Punkte.

          Zwar finden sich auch am Aktienmarkt Konjunkturpessimisten, doch sind die Kurse durch ordentliche Quartalsergebnisse der Unternehmen und durch Hoffnungen auf viele Fusionen und Übernahmen unterstützt worden. Das 39 Milliarden Dollar schwere Angebot des australischen Rohstoffriesen BHP Billiton für die kanadische Potash regt die Phantasie vieler Börsianer an.

          Besser auf die Anleihenmärkte hören

          Es ist nicht ungewöhnlich, dass Anleihe- und Aktienmärkte in ihrer Einschätzung der Konjunktur divergieren. In historischer Betrachtung haben meist die Anleihemärkte richtig gelegen, so wie, worauf kürzlich die Deutsche Bank hinwies, die Anleihemärkte in der Vergangenheit auch der beste Inflationsindikator waren - weitaus besser übrigens als der Goldmarkt. Sollten die Anleihemärkte auch dieses Mal wieder richtig liegen, bleibt die Inflation in den Vereinigten Staaten, dem Euro-Raum und Japan auf absehbare Zeit kein Thema, wohl aber droht eine Schwäche der Konjunktur.

          Außerordentlich interessant sind die vor wenigen Tagen vom amerikanischen Schatzamt veröffentlichten Zahlen über die Käufer amerikanischer Staatspapiere. So haben sich die offiziellen Bestände der Chinesen innerhalb von zwölf Monaten um 96 Milliarden Dollar auf 844 Milliarden Dollar reduziert. Umgekehrt hat Japan in den vergangenen zwölf Monaten seine Bestände an amerikanischen Staatspapieren um 95 Milliarden auf rund 800 Milliarden Dollar aufgestockt.

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