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Finanzmarkt : Anleger spüren die Währungsrisiken

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Bild: F.A.Z.

An den Finanzmärkten hat sich der Wind gedreht. Das haben in den vergangenen Tagen viele Anleger zu spüren bekommen, die ihr Geld in Hochzinswährungen angelegt haben. Einige dieser Währungen und entsprechende Anleihen sind abgesackt.

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          An den Finanzmärkten hat sich der Wind gedreht. Das haben in den vergangenen Tagen viele Anleger zu spüren bekommen, die ihr Geld in Hochzinswährungen angelegt haben. Einige dieser Währungen, die auch bei Privatanlegern beliebt sind, haben deutlich an Wert verloren, obendrein sind oft auch die Anleihekurse abgesackt.

          Besonders heftig hat es Anleger in den - zeitweise sehr populären - isländischen Papieren erwischt. Seit Jahresbeginn hat die isländische Krone zum Euro rund 15 Prozent an Wert verloren. Hinzu kommen noch Kursverluste der Anleihen, so daß in dieser kurzen Zeit für in Euro rechnende Anleger die Zinserträge von zwei bis drei Jahren aufgezehrt sind. Aber auch der neuseeländische Dollar, der australische Dollar und der ungarische Forint haben deftige Einbußen erlitten.

          Währungsschwankungen - Risiko der Fremdwährungsanleihen

          Einige der Währungen aus Schwellenländern haben deutsche Anleger erst im vergangenen Jahr für sich entdeckt. Die erste Modewelle begann im Juni mit Anleihen in mexikanischen Peso. Die staatliche KfW-Bankengruppe hat allein in dieser Währung Titel im Wert von 5 Milliarden Peso (rund 400 Millionen Euro) begeben. Später folgten Anleihen in türkischer Lira, brasilianischem Real und isländischer Krone. Selbst Titel in ägyptischen Pfund werden neuerdings angeboten.

          Das Muster bei diesen vor allem an Privatanleger adressierten Emissionen ist immer gleich. Emittent ist eine europäische oder amerikanische Adresse mit erstklassiger Bonität, zum Beispiel die KfW-Bankengruppe, die Europäische Investitionsbank oder General Electric. Die Anleger tragen also ein nur minimales Ausfallrisiko. Zugleich sind die Kupons mit je nach Land 6, 8, 10 oder sogar 12 Prozent verlockend hoch. Der Haken an solchen Papieren ist das Währungsrisiko. Das bekommen insbesondere Inhaber von Anleihen in isländischen Kronen derzeit zu spüren.

          Als wichtigsten Auslöser für die Währungsverluste nennen Fachleute, daß die großen Zentralbanken dazu übergegangen sind, ihre Geldpolitik zu straffen. So haben die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) in letzter Zeit ihre Leitzinsen heraufgesetzt. Die japanische Notenbank hat Anfang März angekündigt, ihre Politik einer überreichlichen Liquiditätsversorgung zurückzufahren. "Nun sind alle drei großen Notenbanken dazu übergegangen, die Liquidität teurer und knapper zu machen", sagt Martin Blum, der Chefstratege bei der Bank Austria in Wien. Das bekämen nun vor allem die Währungen derjenigen Länder zu spüren, deren Wirtschaft schwach sei. Ein Grund dafür ist, daß aggressive Investoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds nun manche ihrer "Carry Trades" auflösen: Bei diesen Geschäften hatten sie Kredite in Niedrigzinsländern wie Japan aufgenommen und das Geld in Hochzinsländern angelegt. "Solche Geschäfte verlieren an Attraktivität, wenn die Kredite teurer werden", erläutert Asoka Wöhrmann, Währungsmanager bei der Fondsgesellschaft DWS. Währungen, deren einziges Plus die attraktiven Zinsen seien, kämen als erste auf die Verkaufsliste. Der Fall Island zeigt, warum: Währungen können in kurzer Zeit sehr stark an Wert verlieren - und dann reichen selbst hohe Zinskupons nicht aus, Verluste zu vermeiden.

          Fundamentale Daten gewinnen wieder mehr Bedeutung als bisher

          Angesichts der steigenden Leitzinsen in den großen Industrienationen trenne sich an den Finanzmärkten die Spreu vom Weizen, sagt Wöhrmann. Privatanleger sollten sich nun nur noch in Hochzinsländern engagieren, deren Wirtschaft fundamental stark sei. Als Beispiel nennt er Brasilien. Dort liegt der Zins für Dreimonatsgeld bei rund 15 Prozent, bei einer Inflationsrate von 5,5 Prozent. Mit seinem Reichtum an Rohstoffen zählt das Land zu den Gewinnern der Globalisierung. Auch Blum hält Brasilien für attraktiv. Anleger sollten ihre Investments aber diversifizieren, betont er. Wegen der erhöhten Risiken gelte diese alte Börsenregel heute mehr denn je.

          Skeptisch sind beide Währungsfachleute gegenüber Engagements im neuseeländischen Dollar und dem ungarischen Forint. Für attraktiv halten sie asiatische Währungen wie den thailändischen Baht und die indonesische Rupiah. Für diese Währungen gebe es wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Asien Aufwertungsphantasie, meinen beide. Blum hält auch Anlagen in der türkischen Lira mittelfristig für attraktiv. Denn die Zentralbank sei erfolgreich dabei, die Inflation zu bekämpfen. Das dürfte den Anleihekursen und der Währung zugute kommen.

          Auch viele der Anleger, die nun Währungsverluste erlitten haben, werden im ganzen immer noch zufrieden sein mit ihren Kaufentscheidungen - sofern sie früh genug eingestiegen sind. Denn im vergangenen Jahr ließ sich mit den meisten Fremdwährungsanleihen viel Geld verdienen. Nach Daten der DZ Bank brachten zum Beispiel Titel in mexikanischen Peso im Jahr 2005 einen Gesamtertrag von 35 Prozent aus Wechselkursveränderung, Zins sowie Kursveränderung der Anleihen. Türkische Anleihen warfen rund 34 Prozent ab, neuseeländische 16, australische 14 und ungarische immerhin noch gut 6 Prozent.

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