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Finanzmärkte : Verschärfung der Krise am Anleihenmarkt lässt Zinssenkung verpuffen

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Die Krise der Anleihenversicherer bedroht auch den Wert amerikanischer Kommunalobligationen Bild: AP

Amerikas Währungshüter überfluten ihr Land mit billigem Geld. Die Aktienmärkte lässt das kalt. Denn die Folgen der Milliardenverluste der Anleihenversicherer und massive Senkungen der Bonität von verbrieften Anleihen dominieren das Denken und Handeln der Marktteilnehmer.

          Dass Zinssenkungen im derzeitigen Umfeld nicht mehr nachhaltige Kurstreiber sind, sondern bestenfalls Schlimmeres verhüten können, hat sich bereits am Mittwochabend abermals erwiesen. Obwohl die amerikanische Notenbank den Leitzins für die Vereinigten Staaten wie erwartet um weitere 50 Basispunkte auf drei Prozent senkte und zudem die Tür für weitere Zinsschritte nach unten offen ließ, atmeten die Börsen nur kurzzeitig auf.

          An der New Yorker Wall Street drehten die wichtigsten Indizes zunächst ins Plus, schlossen dann aber doch im Minus. Einen herben Dämpfer musste der Dollar hinnehmen, der zum Euro um rund einen Cent fiel, da aufgrund des Zinsgefälles von einem Prozentpunkt gegenüber der Euro-Zone Finanzanlagen im Dollar-Raum noch unattraktiver geworden sind als bisher.

          S&P kündigt Herabstufungen auf breiter Front an

          Die eingeschränkte Bedeutung des Zinsschrittes, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, macht aber die Reaktion der deutschen Aktien am Donnerstagmorgen deutlich. Schon der Handelsstart war wenig inspirierend. Der Leitindex Dax startete kaum verändert.

          Doch es kam noch schlimmer: Kurz nach Eröffnung sackten die Kurse weiter ab. Das Minus erreichte mehr als zwei Prozent, bevor sich der Index wieder leicht erholen konnte und nunmehr mit 1,1 bei 6800 Punkten im Minus liegt.

          Ungemach kommt einmal mehr vom Markt für Anleihen und vor allem von den strukturierten Papieren. Am Vorabend hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Absicht bekannt gegeben, mit amerikanischen Wohnimmobilienkrediten Wertpapiere mit einem Nominalwert von 534 Milliarden Dollar herabzustufen. Dabei handele es sich um mehr als 8.000 Papiere, deren Ratings entweder gesenkt werden oder bei denen die Agentur dies prüft. Die Kurse an der Wall Street beeinflusste dies nicht, da die Ankündigung nach Handelsschluss erfolgte.

          265 Milliarden Dollar Verlust erwartet

          Von diesem Schritt werden Banken und Finanzdienstleister weltweit betroffen sein. Sie müssen weitere oder neue Wertberichtigungen vornehmen. Fonds, die auf bestimmte Mindestbonitäten bei ihren Investments festgelegt sind, dürften zudem gezwungen sein, Wertpapiere zu verkaufen.

          Nach Einschätzung von S&P führt die Herabstufung bei Finanzinstitutionen weltweit zu Verlusten von insgesamt 265 Milliarden Dollar. Die Agentur schätzt, dass sich die bislang ausgewiesenen Verluste verdoppeln werden und viele Gesellschaften betroffen sein werden, die bislang noch keine Probleme ausgewiesen hätten.

          Bedrohte kleine Banken

          Möglicherweise seien einige der größeren Banken an der Wall Street nicht betroffen, die ihre Bilanz bereits bereinigt haben. Dafür könnte sich die Krise auf Regionalbanken und die zwölf genossenschaftlichen Hypothekenbanken in den Vereinigten Staaten ausweiten, die sich zum System der Federal Home Loan Banks zusammengeschlossen haben. Auch einige Banken in Asien und Europa, die bislang noch keine Abschreibungen vorgenommen hätten, könnten jetzt betroffen sein.

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