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Finanzmärkte in Unruhe : Währungen im freien Fall

Buenos Aires knickt nach und nach unter dem Druck der Finanzmärkte ein Bild: AP

Wachstumssorgen, politische Turbulenzen und Furcht vor weniger Billiggeld haben die Finanzmärkte nervös gemacht. Ganz oben auf den Verkaufslisten: Währungen von Schwellenländern wie Argentinien und Türkei.

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          Die Anleger stoßen Schwellenländerwährungen ab wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die höchsten Kursverluste erlitten in dieser Woche der argentinische Peso und die türkische Lira, die zum Euro 13 und 5 Prozent abwerteten, der südafrikanische Rand fiel auf den tiefsten Kurs seit Oktober 2008.

          Gerald Braunberger
          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktienmärkte in Europa reagierten am Freitag mit Kursverlusten. Der Dax lag mit 1,7 Prozent im Minus, der türkische Index ISE-100 verlor 2,8 Prozent. Der Sturzflug des Peso hat auch den spanischen Aktienindex Ibex mit 2,5 Prozent ins Minus gedrückt. Viele an der Madrider Börse gelistete Unternehmen sind stark in Lateinamerika engagiert.

          Und werden sich wahrscheinlich an Argentiniens Staatspleite im Jahr 2002 erinnern, der auch eine drastische Peso-Abwertung vorausging. Seit Jahresanfang hat der Peso um 21 Prozent abgewertet, deutlich mehr als andere Schwellenländer Lateinamerikas. Seit dem Staatsbankrott von 2002 hat Argentinien praktisch keinen Zugang zu ausländischen Krediten. Seine Devisenreserven sinken seit Jahren, während andere Länder Lateinamerikas hohe Bestände aufgehäuft haben. Argentiniens Peso galt seit langem als überbewertet. Schon am Mittwoch war der Pesokurs ins Rutschen geraten, nachdem die Zentralbank zunächst auf Interventionen verzichtete. Erst gegen Handelsschluss griff die Notenbank mit Dollarverkäufen ein. Offenbar wollen Regierung und Zentralbank jetzt versuchen, den Kurs auf dem Niveau von etwa 8 Pesos je Dollar zu stabilisieren.

          „Die Regierung ist der Meinung, dass der Dollarkurs ein akzeptables Niveau der Konvergenz für die Ziele der Wirtschaftspolitik erreicht hat“, sagte der argentinische Kabinettschef Jorge Capitanich am Freitag. Capitanich kündigte zudem eine teilweise Aufhebung von Beschränkungen für Dollarkäufe durch Privatleute an. Ab Montag dürften die Argentinier wieder Devisen für Sparzwecke erwerben. Das Verbot solcher Dollarkäufe hatte den Dollarkurs auf dem Schwarzmarkt zeitweise auf das Doppelte des offiziellen Kurses getrieben.

          Großes Angebot, keine Nachfrage

          Zahlreiche Ökonomen kritisierten unterdessen, dass die Behörden bisher neben der Abwertung keine begleitenden Maßnahmen wie eine Erhöhung der real negativen Zinssätze oder eine Eindämmung des Staatsdefizits ergriffen haben. Kern des Devisenproblems sei das auf etwa 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegene Staatsdefizit, das in den vergangenen Jahren zunehmend durch die Notenpresse der Zentralbank finanziert wurde, erklärte der ehemalige Notenbankchef Aldo Pignanelli. „Das schafft eine großes Angebot an Pesos, für das es keine Nachfrage gibt.“ Die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung des Defizits ist Argentinien seit der Staatspleite im Jahr 2002 praktisch verschlossen.

          Fällig werdende Anleiheschulden werden aus den Reserven der Notenbank bezahlt. Frische Devisen kommen fast ausschließlich durch den Außenhandel ins Land. Doch schon seit langem reichen die Erlöse aus dem Agrarexport zum Beispiel von Soja nicht mehr aus, um ein steigendes Defizit im Handel mit Industriewaren und Energie sowie bei Dienstleistungen auszugleichen. Regierung und Zentralbank stemmen sich seit 2011 mit Importbeschränkungen und strengen Devisenkontrollen gegen den rasanten Abfluss der Devisenreserven. Bisher mit wenig Erfolg. Allein 2013 hat Argentinien fast ein Drittel seiner Reserven verloren.

          Für die Besitzer von argentinischen Staatsanleihen sei die Abwertung eine positive Nachricht, schreiben Analysten der Deutschen Bank. „Die Regierung hat endlich eingesehen, dass sie einen schwächeren Peso akzeptieren muss, um die laufende Verschwendung von Devisenreserven zu stoppen.“ Die Regierung hat in jüngster Zeit verschiedene Schritte unternommen, um den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt zurückzuerlangen. So regelte sie Zahlungsrückstände aus Prozessen eines Weltbankschiedsgerichts. Dem spanischen Ölkonzern Repsol bot sie eine Entschädigung für die 2012 erfolgte Verstaatlichung der argentinischen Repsol-Tochter YPF an. Auch die Gespräche mit den Ländern des Pariser Clubs, bei denen Argentinien seit dem Jahr 2002 mit unbezahlten Schulden von inzwischen rund 10 Milliarden Dollar in der Kreide steht, sind wieder in Gang gekommen.

          Mehr Import als Export

          Das größte Damoklesschwert über Argentiniens in den Jahren 2005 und 2010 umgeschuldeten Staatsanleihen ist der in den Vereinigten Staaten anhängige Gerichtsstreit mit Altgläubigern wie Hedgefonds, welche die Umschuldungen mit einem Forderungsverzicht von mehr als zwei Dritteln abgelehnt hatten. Ein Gericht in New York hat Argentinien zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar an die Verweigerer verurteilt und die mit der Abwicklung von Argentiniens Schuldenzahlungen beauftragten Banken verpflichtet, zunächst die Ansprüche der Hedgefonds zu begleichen, bevor sie Zahlungen an andere Gläubiger leisten. Argentinien lehnt dies ab und will den Obersten Gerichtshof Amerikas anrufen.

          Die anderen von der Währungsschwäche betroffenen Schwellenländer haben ebenfalls hausgemachte Schwierigkeiten, etwa in der Türkei der Korruptionsskandal, der drei Minister der Regierung Erdogan zum Rücktritt gezwungen hat. Gemeinsam haben alle Schwellenländer, dass sie mehr importieren als exportieren. Ihr Defizit in der Leistungsbilanz müssen sie mit Auslandskapital decken. Weil die amerikanische Notenbank bald ihre lockere Geldpolitik drosseln will, könnte der Zustrom ausländischen Kapitals in Schwellenländer abebben, sorgen sich Anleger und ziehen Kapital ab.

          Die türkische Notenbank intervenierte am Donnerstag zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren am Devisenmarkt und verkaufte nach Schätzungen von Marktbeobachtern 2 bis 3 Milliarden Dollar, um die Lira zu stützen. Dennoch sank die türkische Währung am Freitag weiter, den dreizehnten Tag hintereinander. Analysten bezweifeln, dass die türkische Notenbank ohne Zinserhöhungen den Abzug von Kapital stoppen kann. Schließlich habe sie nur rund 40 Milliarden Dollar an Fremdwährungsreserven.

          Die Reduzierung der Anleihekäufe durch die amerikanische Fed, mit der die Abwertung der Schwellenländerwährungen im vergangenen Jahr begann, sei für andere Länder eine gute Nachricht, sagte nun der Gouverneur der brasilianischen Zentralbank, Alexandre Tomboni, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Abwertungen von Schwellenländerwährungen seien ein Teil eines notwendigen wirtschaftlichen Anpassungsprozesses. So habe der brasilianische Real in der Vergangenheit stark aufgewertet. Brasilien habe die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Dabei seien Erfolge zu verzeichnen. Die Lohnstückkosten gingen zurück, aber es seien noch Strukturreformen in Brasilien notwendig.

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