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Finanzmärkte in Unruhe : Währungen im freien Fall

Für die Besitzer von argentinischen Staatsanleihen sei die Abwertung eine positive Nachricht, schreiben Analysten der Deutschen Bank. „Die Regierung hat endlich eingesehen, dass sie einen schwächeren Peso akzeptieren muss, um die laufende Verschwendung von Devisenreserven zu stoppen.“ Die Regierung hat in jüngster Zeit verschiedene Schritte unternommen, um den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt zurückzuerlangen. So regelte sie Zahlungsrückstände aus Prozessen eines Weltbankschiedsgerichts. Dem spanischen Ölkonzern Repsol bot sie eine Entschädigung für die 2012 erfolgte Verstaatlichung der argentinischen Repsol-Tochter YPF an. Auch die Gespräche mit den Ländern des Pariser Clubs, bei denen Argentinien seit dem Jahr 2002 mit unbezahlten Schulden von inzwischen rund 10 Milliarden Dollar in der Kreide steht, sind wieder in Gang gekommen.

Mehr Import als Export

Das größte Damoklesschwert über Argentiniens in den Jahren 2005 und 2010 umgeschuldeten Staatsanleihen ist der in den Vereinigten Staaten anhängige Gerichtsstreit mit Altgläubigern wie Hedgefonds, welche die Umschuldungen mit einem Forderungsverzicht von mehr als zwei Dritteln abgelehnt hatten. Ein Gericht in New York hat Argentinien zur Zahlung von 1,3 Milliarden Dollar an die Verweigerer verurteilt und die mit der Abwicklung von Argentiniens Schuldenzahlungen beauftragten Banken verpflichtet, zunächst die Ansprüche der Hedgefonds zu begleichen, bevor sie Zahlungen an andere Gläubiger leisten. Argentinien lehnt dies ab und will den Obersten Gerichtshof Amerikas anrufen.

Die anderen von der Währungsschwäche betroffenen Schwellenländer haben ebenfalls hausgemachte Schwierigkeiten, etwa in der Türkei der Korruptionsskandal, der drei Minister der Regierung Erdogan zum Rücktritt gezwungen hat. Gemeinsam haben alle Schwellenländer, dass sie mehr importieren als exportieren. Ihr Defizit in der Leistungsbilanz müssen sie mit Auslandskapital decken. Weil die amerikanische Notenbank bald ihre lockere Geldpolitik drosseln will, könnte der Zustrom ausländischen Kapitals in Schwellenländer abebben, sorgen sich Anleger und ziehen Kapital ab.

Die türkische Notenbank intervenierte am Donnerstag zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren am Devisenmarkt und verkaufte nach Schätzungen von Marktbeobachtern 2 bis 3 Milliarden Dollar, um die Lira zu stützen. Dennoch sank die türkische Währung am Freitag weiter, den dreizehnten Tag hintereinander. Analysten bezweifeln, dass die türkische Notenbank ohne Zinserhöhungen den Abzug von Kapital stoppen kann. Schließlich habe sie nur rund 40 Milliarden Dollar an Fremdwährungsreserven.

Die Reduzierung der Anleihekäufe durch die amerikanische Fed, mit der die Abwertung der Schwellenländerwährungen im vergangenen Jahr begann, sei für andere Länder eine gute Nachricht, sagte nun der Gouverneur der brasilianischen Zentralbank, Alexandre Tomboni, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Abwertungen von Schwellenländerwährungen seien ein Teil eines notwendigen wirtschaftlichen Anpassungsprozesses. So habe der brasilianische Real in der Vergangenheit stark aufgewertet. Brasilien habe die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Dabei seien Erfolge zu verzeichnen. Die Lohnstückkosten gingen zurück, aber es seien noch Strukturreformen in Brasilien notwendig.

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