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Finanzmärkte : Die Rückkehr der Risikoscheu

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Geldschwemme der Notenbanken hat die Lage auf den Märken beruhigt. Doch die Wirkung lässt nach. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

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          Für eine Rücknahme der lockeren Geldpolitik sei es viel zu früh, behauptet Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), und warnt vor den Folgen einer voreiligen Verschärfung. In Japan dürfte die Bank von Japan in dieser Woche sogar eine weitere Lockerung beschließen und auch in Amerika ist die Wahrscheinlichkeit für eine dritte Runde von Anleihekäufen gestiegen.

          Die Geldschwemme ist also in aller Welt en vogue. Sie hat in den vergangenen Monaten zur Stabilisierung der Banken beigetragen und so eine ansehnliche Kursrally befeuert. Doch die Wirkung lässt augenscheinlich nach, was zusammen mit der wieder zunehmenden Risikoscheu in der vergangenen Woche zu einer schwachen Tendenz der Aktienmärkte beigetragen hat. Der deutsche Leitindex Dax gab im Wochenvergleich um rund 2,5 Prozent auf 6775 Punkte nach. Ähnlich groß war die Einbuße für den breiter angelegten F.A.Z.-Index, der um 2,4 Prozent auf 1505 Punkte sank. Gleichwohl liegt der Index seit Jahresbeginn mit knapp 15 Prozent im Plus.

          Die Risikoprämien für finanzschwache Euroländer sind wieder gestiegen

          Obwohl die EZB die Rücknahme ihrer Krisenhilfen auf die lange Bank schieben will, haben sich zuletzt die Risikoprämien für finanzschwache Euroländer stark erhöht. Nachdem Spanien Ende vergangener Woche eine Anleiheauktion nur mit mäßigem Ergebnis gelungen ist, stehen die Finanzierungskosten für den spanischen Staat nun wieder auf einem derart hohen Niveau, wie es seit Dezember vergangenen Jahres nicht mehr gesehen worden war.

          Um Käufer für neue zehnjährige Titel zu finden, muss Spanien derzeit eine jährliche Rendite von 5,7 Prozent bieten. Für Italien liegt dieser Wert, der in der Spitze auf mehr als 7 Prozent gestiegen und zuletzt auf weniger als 5 Prozent gefallen war, nun bei 5,4 Prozent. Deutschland finanziert sich dagegen zu Zinsen von weniger als 1,8 Prozent für den selben Zeitraum. Im Dezember hatte die EZB den ersten ihrer beiden Langfristtender - von Draghi in Anlehnung an ein deutsches Kriegsgerät „Dicke Bertha“ genannt - aufgelegt. Über die beiden Geschäfte wurden den Banken insgesamt gut 1000 Milliarden Euro für drei Jahre zum Leitzins geliehen. Ein Teil des Geldes nutzten sie zum Kauf von Staatsanleihen, was die Finanzierungssorgen der Staaten verringerte. Doch nun kehrt die Unsicherheit zurück.

          Das Europa der zwei Geschwindigkeiten

          Zur nachlassenden Wirkung der lockeren Geldpolitik kommt die schwache Verfassung der europäischen Wirtschaft. Die jüngsten Konjunkturdaten bekräftigten die Erwartung einer milden Rezession bis zum dritten Quartal 2012, heißt es in einem Bericht der Ratingagentur Standard & Poor’s. Danach werde ein ebenso milder Aufschwung stattfinden. Der Impuls dafür werde von der Nachfrage aus den Schwellenländern ausgehen, die von der lockeren Geldpolitik gestärkt werde. Wachstum werde es vor allem in Deutschland, Frankreich und anderen nördlichen Ländern der Währungsunion geben. Geringe private Nachfrage und das Bemühen, den Staatshaushalt in den Griff zu bekommen, werde dagegen in Italien, Spanien und Portugal zu einer schärferen Rezession führen. In Spanien könne der Abschwung sogar bis in das nächste Jahr hinein andauern. Das Europa der zwei Geschwindigkeiten sei also wieder da, urteilen die Fachleute der Ratingagentur.

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