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Finanzmärkte : Banken erwarten leicht steigende Zinsen

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Bild: @unit

Der Tenor ist eindeutig: Über kräftig steigende Zinsen müssen sich Anleger und Kreditnehmer vorerst keine Sorgen machen. Zumindest legt diesen Schluss eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei zwanzig Frankfurter Banken nahe.

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          Der Tenor ist eindeutig: Über kräftig steigende Zinsen müssen sich Anleger und Kreditnehmer vorerst keine Sorgen machen. Zumindest legt diesen Schluss eine Umfrage dieser Zeitung bei zwanzig Frankfurter Banken nahe. Im Durchschnitt sagen sie für zehnjährige Bundesanleihen zum Jahresende einen Anlagezins von 4,34 Prozent voraus. Mitte des Jahres sollen es 4,2 Prozent sein, und das wäre der gleich Wert wie heute.

          Die Zinsentwicklung ist für Anleiheanleger wichtig, weil bei steigenden Anlagerenditen die Kurse schon gekaufter Anleihen fallen. Schon eine Renditesteigerung um einen halben Prozentpunkt führt bei zehnjähriger Restlaufzeit zu Kursverlusten von etwa 3,5 Prozent. Auch für Bauherren, die einen Kredit aufnehmen wollen, und für Hausbesitzer, die wegen eines auslaufenden Kredits einen neuen brauchen, ist die Entwicklung der Anleiherenditen wichtig.

          Höhe der Kreditzinsen hängt vom Zinsniveau auf den Anleihemärkten ab

          Denn die Höhe der Kreditzinsen hängt vom Zinsniveau auf den Anleihemärkten ab. Die günstigsten Hypothekenkredite werden bei zehnjähriger Bindung derzeit mit Zinsen von rund 4,7 Prozent angeboten. Im Sommer, als Bundesanleihen deutlich höher als heute rentierten, waren die günstigsten Baukredite nur zu Zinsen jenseits von 5 Prozent zu haben.

          Eine Rückkehr auf ein solches Niveau ist nach Einschätzung der Banken vorerst nicht zu erwarten. Allerdings dürfte die Prognose derzeit besonders schwierig sein. Denn für höhere Zinsen spricht die stark gestiegene Inflationsrate, die im Dezember erstmals seit 14 Jahren 3 Prozent erreicht hat. Das hat viele Sparer verunsichert und auch die Inflationssorgen in der Europäischen Zentralbank geschürt. Doch ist auch absehbar, dass die Inflationsrate in den nächsten Monaten fällt - schon deshalb, weil die jüngste Mehrwertsteuererhöhung bald keinen Effekt mehr auf die Berechnung der Teuerungsrate hat. Außerdem schwäche sich die Wachstumsdynamik in den Industrieländern ab, schreiben Analysten der Privatbank M.M. Warburg. Für die Vereinigten Staaten lasse sich in diesem Jahr eine Rezession nicht mehr ausschließen, also der Rückgang der Wirtschaftstätigkeit über zwei Quartale.

          Gegenläufige Tendenzen, streuende Zinsprognosen

          Die Vorhersagen der Banken sind demnach von zwei gegenläufigen Tendenzen bestimmt. Einerseits ist die europäische Wirtschaft in den vergangenen beiden Jahren kräftig gewachsen, was auch zu einer zunehmenden Teuerung geführt hat. Andererseits bremsen die Ausläufer der Finanzkrise. Der weitere Verlauf der Krise und Auswirkungen auf die Wirtschaft sind nicht verlässlich vorherzusagen.

          Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass einige Banken deutlich von der Mehrheitsmeinung abweichen. Besonders hohe Zinsen sagen zum Beispiel BHF-Bank, DZ Bank, Landesbank Baden-Württemberg und Postbank voraus. Sie erwarten die Anlagerendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Jahresende 2008 bei 4,7 Prozent, gut einen halben Prozentpunkt höher als heute. Weberbank und M.M. Warburg sagen dagegen einen Rückgang auf rund 3,8 Prozent voraus. Auch UBS und SEB rechnen damit, dass die langfristigen Euro-Zinsen unter 4 Prozent fallen werden.

          Auch für Amerika erwarten die meisten Banken steigende Zinsen trotz aller Rezessionssorgen. Im Schnitt prognostizieren sie, dass die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in zwölf Monaten bei 4,6 Prozent liegen wird. Heute liegen die langfristigen Dollar-Zinsen bei knapp 4 Prozent.

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