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Festgeldzinsen : Die IKB bietet Zinsen von 2 Prozent und mehr

EZB in Frankfurt: Trotz der Niedrigzinspolitik kam es bei den meisten Anlegern noch nicht zum Umdenken. Bild: dpa

In den Markt für Festzinsanleihen kommt Bewegung. Die IKB setzt ein kleines Ausrufezeichen und auch die Deutsche Bank kann wenigstens wieder eine Eins vor das Komma schreiben.

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          Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt die Erträge auf Sparkonten auf ein übersichtliches Niveau schrumpfen. Zu einem grundsätzlichen Umdenken in der Geldanlage kam es bei den meisten Anlegern dennoch nicht. Sie warten auf die Zinswende. Doch da deutlich höhere Zinsen in Europa noch in weiter Ferne liegen, lohnt es, die Augen für Alternativen offenzuhalten. So wird ein Tagesgeldkonto nach Angaben der FMH-Finanzberatung zwar durchschnittlich nur noch mit 0,4 Prozent verzinst, einzelne Anbieter liegen aber deutlich darüber.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So wirbt die Volkswagen Bank ebenso wie die Audi Bank derzeit mit 1,25 Prozent um Neukunden. Der Marktführer ING-Diba zahlt für neue Kunden auf dem Extra-Konto immerhin 1 Prozent. Insbesondere einige ausländische Banken werben auch mit Zinsen von 1,5 oder gar 2 Prozent um das Festgeld von Anlegern. Der von FMH ermittelte Durchschnitt beträgt bei der Anlage für 12 Monate nur 0,4 Prozent, für fünf Jahre sind es immerhin 0,7 Prozent. Der Zins auf dem Sparbuch wird mit nur durchschnittlich 0,1 Prozent angegeben.

          Bild: F.A.Z.

          Für Aufmerksamkeit sorgt in diesem Zinsumfeld verstärkt die IKB. Sie hat nicht nur im Festgeldbereich mit derzeit 80.000 Privatkunden Fuß gefasst, sondern bietet auch bei Festzins- und Stufenzinsanleihen jährliche Zahlungen von 2 Prozent und mehr. Diese Papiere sind als Inhaberschuldverschreibung zum Zertifikatemarkt zu zählen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, droht dem Anleger der Totalverlust. Die in der Finanzkrise in eine existenzbedrohende Krise geratene Bank zahlt daher wie auch sonst niemand an den Finanzmärkten aus Mitleid mit den Anlegern höhere Zinsen, sondern weil der Bank ohne eine Bewertung durch eine Ratingagentur nichts anderes übrigbleibt, wenn sie Geld einwerben möchte.

          „Wir haben die Staatshilfe aus dem Soffin vorzeitig vollständig bis Ende 2012 zurückgezahlt, alle EU-Auflagen erfüllt und auch den EZB-Stresstest ohne Probleme bestanden“, sagt Jörn Schiemann, Leiter des Privatkundengeschäfts der IKB. Die in der Regulierung viel beachtete Mindestliquiditätsquote, also das Verhältnis aus Liquidität und dem Mittelabfluss der nächsten 30 Tage, betrage 273 Prozent. „Gefordert sind derzeit mindestens 60 Prozent“, sagt Schiemann. Die Bank hat zwei Jahre in Folge Gewinne ausgewiesen und wird es wohl auch im aktuellen Geschäftsjahr wieder schaffen.

          Vor diesem Hintergrund wirbt die zu 91 Prozent dem Finanzinvestor Lone Star gehörende IKB AG verstärkt um das Geld der Privatanleger. „Die Wahrnehmung hat sich geändert, mittlerweile gehören unsere Stände auf Anlegermessen zu den meistbesuchten“, sagt Schiemann. „Wir wollen bei den Festgeldzinsen immer im Durchschnitt der besten 15 Banken in Deutschland liegen.“ Die Zeichnungsprodukte seien eine logische Ergänzung. „Wir werden hier immer Kauf- und Verkaufkurse zu günstigen Bedingungen stellen.“ Die Einlagen sollen der Finanzierung des traditionsreichen Kreditgeschäfts mit mittelständischen Unternehmen der IKB dienen.

          Derzeit ist eine Festzinsanleihe mit einer Verzinsung von 2 Prozent im Jahr unter der Kennnummer A161VH in Zeichnung. Sie läuft bis zum Jahr 2021. Der Ausgabeaufschlag beträgt 0,5 Prozent. Das Papier wird börsentäglich in Frankfurt und Düsseldorf gehandelt werden. Dort finden Anleger auch schon zahlreiche andere ähnliche Anleihen, die dort ohne Ausgabeaufschlag erworben werden können. Neben Festzinsanleihen (die es auch in Dollar unter der WKN A161VL mit 2,5 Prozent Zinsen ohne Ausgabeaufschlag gibt) sind derzeit auch wieder Stufenzinsanleihen in der Zeichnung. Hier beträgt der Zins bei der WKN A161VJ in den ersten beiden Jahren 2 Prozent und steigt dann bis auf 3 Prozent im neunten und zehnten Jahr der Laufzeit. Die IKB übertrifft mit ihren Konditionen derzeit die Konkurrenz im Zertifikatemarkt. Angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus bieten Banken wie die Commerzbank oder die Hypo Vereinsbank seit geraumer Zeit keine neuen Zinspapiere an.

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          Sie seien den Kunden in dem Zinsumfeld kaum zumutbar, heißt es von der HVB. Die Sparkassen sind da schmerzfreier. Die Helaba bringt zum Beispiel regelmäßig erfolgreich neue Festzins- und Zuwachsanleihen an den Kunden, auch wenn der Zins anfangs oft nur 0,5 Prozent beträgt. Gleichwohl sank der Marktanteil der Helaba nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) in diesem Bereich zuletzt deutlich. Viele höher verzinste Papiere laufen derzeit aus, und an Produkte mit einer Null vor dem Komma mögen sich nicht alle Kunden gewöhnen. Das setzt auch dem gesamten Zertifikatemarkt zu. Lagen vor drei Jahren noch rund 50 Milliarden Euro in der „Strukturierte Anleihen“ genannten wichtigsten Zertifikatekategorie, sind es derzeit nur noch 22 Milliarden Euro bei den 16 DDV-Mitgliedern.

          Marktführer ist noch immer die Deutsche Bank, die derzeit auch mit neuen Produkten auf den Markt kommt. Mittlerweile kann sie wenigstens wieder einen Kupon von 1,0 bei einer Laufzeit von sechs Jahren bieten (WKN DB2G1X). Höhere Zinsen gibt es bei Produkten in Fremdwährungen wie Dollar oder Norwegischer Krone. Höhere Renditen sind ebenfalls möglich, wenn der Anleger bereit ist, irgendeine Form von Marktrisiko auf sich zu nehmen. Im einfachsten Fall ist dies eine Kopplung an den Euribor oder die Inflation, kann aber auch mit Aktienkomponenten verknüpft werden. Unter der WKN DB2G1S ist eine Anleihe im Börsenhandel, deren Kupon von 2,7 Prozent vom Stand des Euro Stoxx 50 abhängt. Hält er zu den Zinskuponterminen wenigstens sein heutiges Niveau, kommt es zu der Zinszahlung, ansonsten fällt sie aus. Auch die anderen Banken bieten derzeit viele Produkte mit zumindest einem geringen Aktienmarktrisiko als Zinsersatz an. Doch die meisten Anleger wollen selbst von einem minimalen Aktienkursrisiko nichts wissen.

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