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Kehrtwende der Fed : Mit Zinsen gegen die Blase

Stanley Fischer Bild: Reuters

Der wichtige amerikanische Notenbanker Stanley Fischer findet Zinserhöhungen ein probates Mittel gegen Überhitzungen an Finanzmärkten.

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          Der Satz steht von nun an: „Wenn die Vermögenspreise in der Wirtschaft – das heißt, wenn man alle Finanzmärkte berücksichtigt – übertrieben hoch erscheinen, mag die Erhöhung des Leitzinses die angemessene Antwort sein.“ Dieser Satz klänge aus dem Munde von Bundesbankpräsident Jens Weidmann nicht spektakulär; ebenso wenig überraschte er in einer Veröffentlichung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Aber er fiel in einer Rede des Vizepräsidenten der amerikanischen Fed, Stanley Fischer, auf der Jahrestagung der Vereinigung amerikanischer Ökonomen. Und das ist zumindest bemerkenswert.

          Denn die Fed zählt bisher wie andere mächtige Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, die Bank of England oder die Bank of Japan, zu einer dominierenden Gruppe geldpolitischer Instanzen, die den Leitzins als Instrument zur Sicherung der Finanzstabilität ablehnen. Nach ihrer Auffassung sollen Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems durch sehr stark steigende Vermögenspreise durch die Regulierung von Finanzhäusern und Märkten – das schrecklich klingende Fachwort lautet makroprudentielle Politik – gewährleistet werden.

          Der Leitzins soll dagegen zur Sicherung der ursprünglichen Ziele der Geldpolitik, also der Stabilisierung des Güterpreisniveaus und eventuell der Förderung des Wirtschaftswachstums, eingesetzt werden. Viele, darunter auch sehr einflussreiche Ökonomen aus der englischsprachigen Welt teilen diese Ansicht.

          Reicht Regulierung alleine nicht aus?

          Dem steht die Auffassung entgegen, dass Regulierungen alleine nicht ausreichen, um Gefahren für die Finanzstabilität durch stark steigende Vermögenspreise zu bekämpfen. Daher müsse eine Notenbank auch den Leitzins als Instrument einsetzen, um gegen Spekulationsblasen an den Finanzmärkten vorzugehen. Diese Auffassung wird international vor allem von der BIZ wortmächtig vertreten; sie wird auch von der Deutschen Bundesbank und von Notenbanken und Ökonomen aus Schwellenländern unterstützt.

          In den vergangenen Jahren gab es zwischen den beiden Lagern harte verbale Auseinandersetzungen. So warf der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, den BIZ-Ökonomen vor, sie lebten in einem Vakuum. Aus der Fed kamen mehrfach kritische und herablassende Äußerungen an die Adresse ihrer Kritiker.

          Insofern ist Fischers Äußerung auf der Ökonomentagung in San Francisco bemerkenswert. Zwar betonte Fischer, er sehe weiterhin Regulierungen als erste Waffe gegen Gefahren für die Finanzstabilität. Aber er stellte gleichzeitig heraus, dass die Fed über weniger Kompetenzen bei Regulierungen der Finanzbranche verfüge. So ist es der Fed anders als manchen europäischen und asiatischen Notenbanken nicht möglich, die Vergabe von Immobilienkrediten durch Geschäftsbanken an das Einkommen des Kreditnehmers zu binden. Um solche Regulierungen in den Vereinigten Staaten zu etablieren, bedürfte es einer engen Zusammenarbeit der Fed mit anderen Aufsichtsbehörden. Diese Notwendigkeit könne jedoch zu einem schwerfälligen Einsatz von Regulierungen in einem Krisenfall führen, gab Fischer zu bedenken.

          Der Fed-Vize, der in seiner früheren Tätigkeit als Professor die Grundlagen der modernen Geldpolitik mitentwickelte, sagte zudem, der Einsatz des Leitzinses als Instrument zur Bekämpfung von Spekulationsblasen an Finanzmärkten erfordere noch viel Arbeit von Ökonomen.

          Ein Team um den deutschen Chefberater der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen, Thomas Laubach, hat auf der Tagung in San Francisco Simulationen vorgestellt, die Aufschluss über das Ausmaß von Zinserhöhungen zur rechtzeitigen Vermeidung von Finanzkrisen geben. Je nach Annahme über das Ausmaß einer Krise bewegt sich der Aufschlag auf den Leitzins zwischen 0,10 und 0,50 Prozentpunkten.

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