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Geldpolitik : Janet Yellen schiebt den Euro und den Goldpreis an

Fed-Präsidentin Janet Yellen verkündet am 16.3.2016, die Zinsen derzeit nicht weiter anzuheben. Bild: Reuters

Die amerikanische Notenbank nimmt Tempo aus der Zinswende. Die EZB will die Zinsen nicht mehr weiter senken. Was bedeutet dieses neue Szenario für Anleger?

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          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) nimmt Tempo aus der Zinswende, belässt die Leitzinsen bei 0,5 Prozent und drosselt die Erwartungen für weitere Zinsanhebungen in diesem Jahr. Das hat am Donnerstag auf der ganzen Welt die Märkte bewegt und vor allem den Wechselkurs des Dollars geschwächt.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktienmärkte reagierten unterschiedlich: Während die Börsen in den Vereinigten Staaten den abwartenden Kurs der Notenbank offenbar als gutes Zeichen für Aktien interpretierten und zulegten, sanken die Kurse am deutschen Aktienmarkt. Der Dax verlor bis zum Nachmittag etwa 1,8 Prozent auf 9803 Punkte, nachdem er zum Handelsbeginn noch bei mehr als 10.000 Punkten gelegen hatte.

          Der Euro wertete gegenüber dem Dollar auf und stand am Nachmittag bei 1,132 Dollar – einen ganzen Cent mehr als am Morgen und zwei Cent mehr als noch am Vortag. Der Goldpreis legte auf 1266 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu, ein Plus von 0,6 Prozent. Und auch Öl konnte vom günstigeren Dollar profitieren: Der Preis der Nordseesorte Brent stieg um rund 2 Prozent auf 41,13 Dollar je Barrel (rund 159 Liter).

          Die amerikanische Notenbank hatte ihre zweitägige Sitzung am Mittwoch beendet, ohne an den Leitzinsen zu rühren, obwohl ökonomische Kennziffern vom Arbeitsmarkt oder von der Preisseite einen weiteren Zinsschritt möglich erscheinen ließen. Fed-Chefin Janet Yellen hatte vor Journalisten darauf verwiesen, dass die globale Wirtschaft und Entwicklungen an den Finanzmärkten Risiken für die amerikanische Volkswirtschaft darstellten.

          Augenmerk auf China

          Die Wortwahl der Fed lässt die Interpretation zu, dass sie die Gefahren als größer ansieht als noch vor wenigen Wochen. Yellen nannte zwar keine konkreten Namen. Doch es gilt als sicher, dass die Fed ihr Augenmerk auf China richtet, das eine Neuausrichtung der Volkswirtschaft versucht. Sorgen machen auch Japan, Brasilien und Großbritannien, das im Sommer über einen Austritt aus der Europäischen Union entscheidet mit unabsehbaren Folgen für die Finanzmärkte.

          Die Einschätzung der amerikanischen Notenbank befindet sich im Einklang mit Analysen des Internationalen Währungsfonds, der vor andauernder Stagnation und deflationären Tendenzen warnt, sollten die Regierungen und Zentralbanken nicht aktiv werden. Der Währungsfonds hatte schon im Januar die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 3,6 auf 3,4 Prozent herabgesetzt. Eine weitere Herabstufung wird für die Frühjahrstagung erwartet.

          Die abwartende Haltung der Fed müsse auch vor dem Hintergrund beurteilt werden, dass die Geldpolitik der anderen großen Zentralbanken derzeit sehr expansiv sei, schreibt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim. Wenn die Notenbanken in Europa und Asien ihre Geldpolitik extrem locker lassen, die Amerikaner aber die Zinsen anheben, wertet der Dollar tendenziell auf. Das macht amerikanische Exportprodukte teurer und könnte Amerikas Wirtschaft bremsen.

          Dollar geschwächt

          Was bedeutet dieses neue Szenario nun für Anleger hierzulande? Offenkundig ändern sich die geldpolitischen Rahmenbedingungen nach und nach. Nachdem viele lange Zeit von einem Szenario ausgegangen waren, in dem in Amerika die Zinsen steigen und in Europa weiter sinken, verschieben sich die Akzente nun.

          In Europa fand es in der vergangenen Woche trotz der neuen expansiven Maßnahmen viel Aufmerksamkeit an den Märkten, dass EZB-Präsident Mario Draghi andeutete, die Leitzinsen würden jetzt wohl nicht weiter gesenkt. In Amerika hingegen ließen die Stellungnahmen der Fed die Interpretation zu, dass es in diesem Jahr weniger Zinserhöhungen gibt, als bisher von vielen Investoren erwartet.

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