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FAZ.NET-Anlagestrategie : Warten auf die Zinswende

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Schon zur Jahresmitte wurde über die Frage gestritten, ob der Anstieg der Renditen bei Staatspapieren auf eine Zinswende schließen lasse. Konjunkturhoffnungen lassen das Kurspotential von Anleihen klein erscheinen.

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          Die Unternehmen in Amerika hielten sich mit Investitionen noch zurück, und die Erholung der Konjunktur werde vom privaten Konsum getragen, dem ein Zinsanstieg ebenso schaden würde wie der Investitionsbereitschaft, gab der Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Stefan Schilbe, zu bedenken. Und meinte: „Von einer Trendwende auf dem Anleihemarkt kann also keine Rede sein.“ Markus Kohlenbach von DWS Investments meinte zur F.A.Z.: „Es ist verfrüht, die derzeitigen Korrekturen an den Anleihemärkten als Wende zu bezeichnen.“ Das war im Frühsommer.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seinerzeit gab es auch andere Stimmen von Volkswirten: Aussagen pro Zinswende. Der steigende Wachstum, anziehende Investitionen und vermehrter Konsum, all dies werde den Anstieg der Renditen auf dem Kapitalmarkt befördern sowie das Deflationsgespenst vertreiben - und die Notenbank Amerikas veranlassen, früher oder später die Leitzinsen heraufzusetzen. So lautete der Tenor. Bisher haben eher die Zweifler, die keine Zinswende gesehen haben, Recht behalten.

          Renditen so hoch wie vor Jahresfrist

          Die Renditen der zehnjährigen Staatspapiere in Deutschland und Amerika bewegen sich auf einem Niveau, das sie vor Jahresfrist innehatten. Eine entsprechende Bundesanleihe rentiert aktuell mit 4,35 Prozent und damit sogar ein paar Basispunkte schlechter als Mitte Dezember 2002. Und der jüngste Trend ging eher Richtung steigender Kurse, was fallende Renditen nach sich zieht. Gegenüber dem Tief im Juni bei 3,47 Prozent hat sich die Rendite aber um beachtliche 88 Basispunkte gesteigert.

          Bei den zehnjährigen amerikanischen Treasurys stellt sich die Entwicklung nur unwesentlich anders dar: Binnen Jahresfrist ist die Rendite um ein paar Basispunkte geklettert und lag zuletzt bei 4,23 Prozent. Der Renditeaufschlag zum Jahrestief bei 3,10 Prozent fällt mit 113 Basispunkten deutlich stärker aus als in Deutschland. Doch genau wie die zehnjährige Bundesanleihe konnte sich dieser Titel zuletzt wieder etwas berappeln. Seit Mitte Oktober bewegt er sich wie der Bundestitel seitwärts, bei einer Renditespanne von knapp vier bis gut 4,40 Prozent.

          Gleiches gilt für den Terminkontrakt Bund-Future, der für den deutschen Anleihemarkt wegweisend ist. In den vergangenen drei Monaten pendelte er zwischen 110,88 Prozent und rund 112,75 Prozent; aktuell steht er bei 112,51 Prozent. Zwar sprechen Analysten davon, daß das Unterschreiten der „magischen“ Marke von 112,30 Prozent ein mittel- und langfristiges Verkaufssignal sei. Doch im jüngsten Kursverlauf spiegelt sich dies nicht wider.

          Notenbank-Aussagen nützen Renten und Aktien

          Neue Aussagen der amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank, die Zinsen bis auf weiteres auf dem aktuellen, historisch niedrigen Niveau von einem Prozent in Amerika und zwei Prozent in Euroland zu halten, dürften dem Rentenmarkt tendenziell guttun und die Kurse stützen. Andererseits helfen sie auch dem Aktienmarkt, denn niedrige Zinsen bedeuten billiges Geld, was Investieren und Konsumieren erleichtert. Und Unternehmen natürlich bei der weiteren Verbesserung der Ertragslage. Denn umgekehrt würde eine Zinserhöhung die Kreditkosten erhöhen - mit möglichen nachteiligen Folgen für den wirtschaftlichen Aufschwung.

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