https://www.faz.net/-gv6-8z4et

F.A.S. exklusiv : Wirtschaftsweise warnt vor Autoblase

  • -Aktualisiert am

Isabel Schnabel, Mitglied des Sachverständigenrates Bild: dpa

Vor zehn Jahren löste eine Immobilienblase in Amerika die Finanzkrise mit aus. Isabel Schnabel, Mitglied des Sachverständigenrats, sieht nun Gefahren durch Autokredite in den Vereinigten Staaten.

          2 Min.

          Die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel, 45, in Bonn lehrende Finanzökonomin, schlägt Alarm: In Amerika braut sich etwas zusammen, was gefährlich an die vor zehn Jahren aufziehende Finanzkrise erinnert, sagt die in Bankenpleiten und systemischen Risiken beschlagene Professorin: „Die Situation der Automobilkredite in den Vereinigten Staaten ist bedenklich und erinnert auf vielfache Weise an die Subprime-Immobilienkrise.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer genau welchen Teil der Schuld trägt an der Finanzkrise 2007/08, darüber gehen die Ansichten auch zehn Jahre nach dem Unfall auseinander. Aber dass die staatlich gewollten, billigen Kredite für Immobilien eine maßgebliche Rolle spielen, darin sind sich die Gelehrten einig. Unstrittig ist ferner, dass es nie zweimal hintereinander an der selben Stelle kracht, wenn die Börsen beben. Das lehrt die Geschichte.

          Markt ist kleiner als der Subprime-Immobilienmarkt

          Den nächsten Gefahrenherd macht die Sachverständige Schnabel nun auf dem amerikanischen Automarkt aus und bringt dazu die Zahlen aus Autohäusern mit denen aus den Kreditabteilungen der Banken zusammen. Die wenigsten Leute nämlich kaufen sich ihren Wagen aus dem Ersparten, hierzulande so wenig wie in Amerika. „Die Autokredite weisen in den Vereinigten Staaten seit Jahren ein rasantes Wachstum auf“, sagt Schnabel. Gleichzeitig sind die Kreditstandards immer mehr gesenkt worden, die Banken wurden dank der von der Notenbank organisierten Geldschwemme immer freizügiger. „So wurden Kredite gegeben, deren Betrag nahezu dem Wert des Neuwagens entsprach“, erläutert Ökonomin Schnabel.

          Da braucht es nicht viel, dass es während der Laufzeit des Kredites zu einer Unterdeckung kommt. Platzt aber das Darlehen, ist der Unfall passiert. Geschieht dies häufig, ist die Massenkarambolage komplett – mit unabsehbaren Folgen für den Bankensektor. „Inzwischen steigen die Kreditausfälle und die Preise für Gebrauchtwagen fallen“, warnt daher Isabel Schnabel. „Dies dürfte sich verschärfen, wenn immer mehr Schuldner ihre Autos verkaufen müssen. Die Verschuldung der amerikanischen Haushalte ist inzwischen höher als 2008.“

          Im Bereich der Automobilkredite hat sich nach ihren Worten ein „Subprime-Markt“ gebildet, wie seinerzeit für die Häuser, die im Nachhinein als „Schrott-Immobilien“ in die Geschichte eingegangen sind. Nun droht sich das Spiel auf dem Automarkt zu wiederholen. „Pikanterweise spielt darin eine Tochtergesellschaft der spanischen Banco Santander eine wichtige Rolle“, sagt Isabel Schnabel. „Santander Consumer USA“ heißt jene Bank, die an vorderster Front mitmischt. Dass der Markt für Autokredite viel kleiner ist als damals der Subprime-Immobilienmarkt, sei nur ein schwacher Trost, meint die Bonner Ökonomin: „Globale Ansteckungseffekte lassen sich nicht ausschließen, zumal Verbriefungen auch im Bereich der Autokredite eine große Rolle spielen.“ All das, was seinerzeit, nach dem Kollaps der Lehman Bank, als Teufelszeug verdammt wurde, taucht wieder auf – nur dieses Mal im Automobilgeschäft in Amerika.

          Weitere Themen

          P&R-Gläubiger dürfen hoffen

          Anlagebetrug : P&R-Gläubiger dürfen hoffen

          Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat aus der Containerverwertung 435 Millionen Euro gesichert. Die Anleger sollen im ersten Quartal 2021 erste Rückzahlungen erhalten.

          Schwacher Dollar verunsichert Dax-Anleger

          Die Börsenwoche : Schwacher Dollar verunsichert Dax-Anleger

          Aktien von Exportunternehmen können bei Wechselkursänderungen Probleme bekommen. Begehrte Marken zeigen in solchen Situationen ihre Stärke – denn deren internationale Kundschaft schaut weniger auf den Preis.

          Topmeldungen

          Wollen keine Spaltung: Biden und Harris am 1. Dezember in Wilmington

          Joe Biden gegen Spaltung : Die Botschaft lautet Zuversicht

          Biden glaubt, dass Kompromisse zwischen Demokraten und Republikanern möglich sind – trotz aller Polarisierung. Ein Einlenken beim Abzug der Soldaten aus Deutschland scheint ein erstes Zeichen dafür zu sein.
          Pfizer stellt den Impfstoff in Belgien und den Vereinigten Staaten her.

          Impfstoffherstellung : Qualitätsproblem bremst Biontech

          Pfizer und Biontech müssen ihrem hohen Tempo Tribut zollen und können nur halb so viele Impfstoffdosen liefern wie ursprünglich geplant. Wer macht das Rennen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.