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Wandel in der Geldpolitik : Die Wende steht bevor

  • -Aktualisiert am

Bereits auf der kommenden EZB-Ratssitzung am 8. Juni könnten nun die Weichen für den Anfang des Ausstiegs gestellt werden. Die EZB wird neue Prognosen für Wachstum und Inflation vorlegen und ihren Ausblick wahrscheinlich anpassen. Bisher hieß es, dass bei den Aussichten rund um das Wachstum der Eurozone die Abwärtsrisiken noch dominieren. Diese Passage könnte sich mit Blick auf die jüngsten Aussagen ändern, indem der Verweis auf die Abwärtsrichtung gestrichen und das Risiko als ausgeglichen bezeichnet wird. In einer weiteren Passage seiner Forward Guidance verweist Draghi bisher stets darauf, dass die EZB die Zinsen notfalls weiter senken und die Anleihekäufe ausweiten werde, wenn nötig.

Auch diese Aussagen sorgte schon für Diskussionen, denn die Falken im EZB-Rat, die wie Bundesbankpräsident Weidmann lieber früher als später die ultralockere Geldpolitik beenden wollen, halten sie für ein falsches Signal. Hier könnte zumindest der Hinweis auf niedrigere Zinsen wegfallen, während die Bemerkung zu den Anleihekäufen wohl noch bis zum Herbst bestehen bleiben.

Schritt für Schritt

Da das Programm Ende des Jahres ausläuft, muss die EZB im Herbst verkünden, wie sie sich aus der expansiven Geldpolitik verabschieden will. Die Sitzung im September könnte diejenige sein, in der der langsame Ausstieg verkündet wird – und wie er vonstatten geht. Sicher ist, dass die EZB die Anleihekäufe schrittweise zurückfährt – also sogenanntes Tapering betreiben wird. So hat es auch die Fed vorgemacht. Allerdings muss die EZB um jeden Preis den Fehler der amerikanischen Kollegen vermeiden, die Märkte mit einer abrupten Ausstiegsankündigung zu überraschen. Nachdem dort der erste Schock verdaut war, funktionierte der Rückzug aus den Anleihekäufen allerdings ohne große Verwerfungen.

Wie hoch die einzelnen Schritte der EZB ausfallen werden, bleibt abzuwarten. Der Leitzins wird wohl allerdings erst deutlich später erhöht. Wenn es gut läuft und die Daten sehr positiv ausfallen, dann könnte es vielleicht im Herbst 2018 so weit sein. Allerdings könnte es angesichts der großen Angst von Draghi vor überzogenen Marktreaktionen und einem Abwürgen der Wirtschaft auch gut sein, dass die Zinsen erst 2019 wieder steigen. In Amerika ließ sich die Fed zwei Jahre Zeit, um den Nullzins nach dem Beginn des Tapering minimal zu erhöhen.

Es werden also keine einfachen Monate für die Draghi und die EZB. Vielleicht hilft dem EZB-Präsidenten aber das Geschenk der niederländischen Parlamentarier. Ausgerechnet der Sohn des ersten EZB-Präsidenten Wim Duisenberg überreichte ihm zum Abschied eine kleine Plastik-Tulpe. Die sollte Draghi daran erinnern, was im 17. Jahrhundert eine der ersten großen Finanzblasen anrichtete. Damals entwickelten sich die Tulpen in Holland zum beliebten Spekulationsobjekt, bis die Manie 1637 jäh endete und der Markt zusammenbrach. Draghi solle die Tulpe vor der nächsten und jeder weiteren Sitzung anschauen und an Holland denken, gab Pieter Duisenberg dem EZB-Präsidenten zum Abschied mit auf dem Weg.

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