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Anleihenkaufprogramm : EZB kauft auch in nicht-öffentlichen Verfahren

  • -Aktualisiert am

Die europäische Notenbankpolitik setzt auf Anleihenkäufe. Die Wirksamkeit ist nicht unumstritten. Bild: dpa

Das Anleihenkaufprogramm der EZB ist nicht unumstritten. Doch die Bank kauft nicht nur am Anleihenmarkt, sondern auch Privatplazierungen.

          Im Rahmen des Kaufprogramms für Unternehmensanleihen der Europäischen Zentralbank kaufen die Notenbanker nicht nur offen auf dem allgemeinen Markt. Wie jetzt bekannt wurde, hat die spanische Notenbank in zwei Fällen auch schon bei sogenannten Privatplazierungen Unternehmenspapiere erworben. Das machte das „Wall Street Journal“ publik.

          In diesem Verfahren werden die Anleihen nicht in einem öffentlichen Bieterverfahren begeben, sondern von den Konsortialbanken einem geschlossenen Investorenkreis angeboten. Die formalen Anforderungen der Wertpapierregulierung sind in diesem Verfahren wesentlich geringer. Beispielsweise braucht das Unternehmen keinen Anleiheprospekt für die Emission zu veröffentlichen.

          Es gibt keine Transparenz. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ hat die spanische Notenbank auf diesem diskreten Wege Papiere des Ölkonzerns Repsol und des Versorgers Iberdrola gekauft. Konsortialbank der Emissionen sei Morgan Stanley gewesen.

          Kein unübliches Vorgehen

          Die EZB wollte den Bericht nicht bestätigen, dementierte ihn aber auch nicht. Vergangene Woche hat sie auf ihrer Internetseite notiert, dass sie bei dem Kaufprogramm grundsätzlich auch Privatplazierungen kaufe. Details nannte sie nicht. Sechs Notenbanken kaufen im Auftrag der EZB: die Notenbanken von Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien und Finnland.

          Sie kaufen sowohl auf dem Sekundärmarkt als auch auf dem Primärmarkt, also direkt in der Auktion neuer Anleihen. Nach Angaben der EZB wurden bislang 6 Prozent der Anleihen auf dem Primärmarkt gekauft. Seit dem Start des Programms für Unternehmensanleihen vor zweieinhalb Monaten belief sich das Kaufvolumen auf 17,8 Milliarden Euro. Je Monat kauften die Notenbanker also für etwas mehr als 7 Milliarden Euro Unternehmenspapiere. Insgesamt kauft die EZB monatlich für 80 Milliarden Euro Wertpapiere, überwiegend Staatsanleihen.

          Ziel des Kaufprogramms ist nach Angaben der EZB, die Inflationsrate mittelfristig wieder in Richtung von knapp 2 Prozent anzuheben. Weil der Staatsanleihemarkt in Teilen schon als abgegrast gilt und die Renditen schon sehr tief gefallen sind, werden seit Juni auch Unternehmensanleihen gekauft. Dies treibt die Kurse in die Höhe und senkt die Renditen. Dadurch werden die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen günstiger.

          In Einzelfällen gab es sogar schon Unternehmensanleihen mit Negativrendite. Nach einer Aufstellung der Barclays-Bank lag die durchschnittliche Rendite von Investment-Grade-Anleihen vor Verkündung des EZB-Kaufprogramms bei knapp 1,3 Prozent, zu Beginn der Käufe war sie auf knapp 1 Prozent gesunken, und derzeit liegen sie nur noch bei 0,65 Prozent. Händler nannte die EZB einen „großen Fisch“, der als Käufer die Kurse bewege. Kritiker sagen, das Kaufprogramm könne den Markt verzerren. Die EZB hat geschrieben, dass sie entsprechend des Angebots in den verschiedenen Ländern kaufe.

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