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Europas Schuldenkrise : Der Spuk an den Märkten geht weiter

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Griechenland hat die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds angeblich um eine Umschuldung gebeten. Nicht nur das treibt die Märkte um, sondern bei Wahlen in Finnland gab es starke Stimmengewinne der Europagegner.

          Mit leichten Kursverlusten reagieren sowohl die Aktienkurse Europas als auch der Euro auf die andauernde Schuldenkrise in Europa. Die Kurimpulse gehen einerseits von den nicht enden wollenden Diskussionen um mögliche Schuldenschnitte in Griechenland, Irland, Portugal und möglicherweise auch in anderen Staaten aus. Aufgrund strukturschwacher Volkswirtschaften sind zu hohe Finanzlasten langfristig nicht tragbar.

          Griechenland hat einem Medienbericht zufolge Europäische Union und Internationalen Währungsfonds um eine Umschuldung gebeten. Die Gespräche dürften im Juni beginnen, schrieb die griechische Zeitung „Eleftherotypia“ am Montag unter Berufung auf einen hochrangigen IWF-Vertreter. Der Inhalt des Berichts wird zwar bisher dementiert.

          Starke Stimmengewinne der Europagegner bei finnischen Wahlen

          Allerdings haben solche Diskussionen über das Wochenende eine neue Dimension erhalten. Denn mit Anti-EU-Parolen haben finnische Rechtspopulisten bei der Reichstagswahl noch klarer gewonnen als erwartet. Die Partei Wahre Finnen bekam 19 Prozent und kann mit Ministerposten rechnen. Regierungschef wird voraussichtlich der Konservative Jyrki Katainen.

          Es ist zwar noch offen, welche der im neuen Reichstag vertretenen acht Parteien unter Führung Katainens in einer Koalition zusammenarbeiten könnten. Angesichts der starken Zustimmung der finnischen Wähler zu Argumenten wie „es sollten keine Steuergelder verwendet werden, um Staaten wie Griechenland oder Irland zu retten“ scheint jedoch eine Beteiligung der Partei an der Regierung unvermeidlich zu werden, heißt es am Montag.

          Schwierigstes Problem für die als sicher erwarteten Verhandlungen mit den Wahren Finnen ist die noch ausstehende Ratifizierung des EU-Stabilitätspaktes. Katainen ist dafür, Timo Soini von der Partei Wahre Finnen ist jedoch strikt dagegen. Soini wollte sich in der Wahlnacht zwar nicht festlegen, ob er an seiner Forderung aus dem Wahlkampf festhält. Alleine jedoch die Möglichkeit, dass Finnland europäische Entscheidungen blockieren könnte, sorgt für eine gewisse Verunsicherung.

          Der Helsinki Stock Exchange General Index verliert am Montag bis zu 0,91 Prozent seines Wertes auf bis zu 7.317 Zähler. Auch der Kurs des Euro gibt im Tagesverlauf gegen den amerikanischen Dollar um zu ein Prozent nach, liegt nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen aber nur knapp unter dem in der vergangenen Woche erreichten 15-Monatshoch. Beide Kursbewegungen sind bisher nicht sonderlich dramatisch, auch wenn Marktteilnehmer erklären „wir sehen Anzeichen dafür, dass die Schuldenkrise in Europa wieder auflebt. Sie zeigen sich auch an den Rentenmärkten. Dort müssen die Staatspapiere Griechenlands, Portugals, Irlands vor allem aber die Spaniens und Italiens weitere Kursverluste hinnehmen, während die Anleihen Frankreichs, Deutschlands, Dänemarks, Osterreichs und Finnlands Kursgewinne verzeichnen können.

          Kursturbulenzen vor allem an den Rentenmärkten

          Auf diese Weise bestätigt und verdichtet sich die Skepsis bezüglich der Refinanzierungsmodalitäten der europäischen Peripheriestaaten primär an den Märkten für Zinspapiere. Die Prämien, die für die Versicherung griechischer Papiere gegen Zahlungsschwierigkeiten verlangt werden, erreichen mit 1.273 Basis- oder 12,73 Prozentpunkten ein neues Hoch. Sie nehmen auch in Bezug auf portugiesische, irische, spanische und italienische Anleihen weiter zu, wenn auch auf tieferen Niveaus.

          Auf der anderen Seite gerät der Kurs des Euro am Devisenmarkt nur bedingt unter Druck, da er von Zinserhöhungserwartungen als auch davon profitiert, dass Staaten mit hohen Dollareinnahmen angesichts der Geld- und Fiskalpolitik in den Vereinigten Staaten einen Teil davon in andere Währungen umtauschen wollen. Aufgrund der tiefe des Marktes kommt dafür in erster Linie der Euro in Frage.

          Die Entwicklung an den Börsen wird davon ohnehin nur bedingt beeinflusst, indem Finanzwerte in der Defensive bleiben. Die Aktien anderer Branchen dagegen werden angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung positiver betrachtet. Das gilt auch für die in Finnland heimischen Unternehmen. So konnten die Papiere des Elektronikspezialisten Okmetic, des Reifenherstellers Nokian Renkaat, von Nordic Aluminium, der Softwareschmiede Basware oder auch der Papierhersteller Stora Enso, Ahlstrom oder UPM-Kymmene in den vergangenen Monaten starke Kursgewinne verzeichnen.

          Gerade die Papiere von Maschinenbauern wie Cargotech, Fiskars, Ponsse oder auch Kone Cranes sehen angesichts der Gewinnerwartungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr für Anleger noch reizvoll aus. Dagegen muss Nokia noch weiter an der operativen Besserung arbeiten. Die Aktien waren in den vergangenen Monaten die schwächsten des finnischen Marktes.

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