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Europäischer Krisenmechanismus : Hoffen auf einen Erhalt der Renditeunterschiede

Bild: F.A.Z.

Der Maastricht-Vertrag hat die übermäßige Angleichung der Anleiherenditen im Euroraum nicht verhindern können. Wird die neue Sicherungseinrichtung nach Expertenvorschlägen gestaltet, könnte es diesmal glücken.

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          Die Sorgen um die Schuldenkrise des Euroraumes flauen derzeit wieder etwas ab, nachdem Irland nun offenbar in irgendeiner Form Finanzhilfen bekommen und dafür voraussichtlich den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen wird. Dieser besteht aus Garantien im Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Gültigkeit der Garantien läuft im Jahr 2013 aus. Nicht zuletzt diese Begrenzung führt dazu, dass die Schuldenkrise weiter schwelt. So gehen die Analysten der Citigroup und von Nomura davon aus, dass jegliche Entlastung nur von kurzfristiger Dauer sein kann, da Investoren den dann schwächsten Randstaat der Eurozone ins Visier nehmen würden. Die Märkte signalisierten, dass dies Portugal sein werde, das in der ersten Jahreshälfte 2011 fällige Anleihen im Volumen von rund 10 Milliarden Euro ablösen muss. „Portugal benötigt mehr Geld als Irland, weil sie regelmäßig den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen“, sagt Nick Firoozye, Leiter Zinsstrategie bei Nomura in London. „Der Markt dürfte sich an einem bestimmten Punkt gegen Portugal wenden, weil es eindeutig gefährdet ist.“

          Alte Euro-Verträge konnten Renditeangleichung nicht verhindern

          Ein Ende könnte diesen Spekulationen nur eine dauerhafte Sicherungseinrichtung bereiten, wie sie nach dem Beschluss der EU-Staats- und Regierungschefs von Ende Oktober eingerichtet werden soll. Die genaue Ausgestaltung ist noch umstritten. Erst im Dezember soll die Kommission „allgemeine Merkmale“ vorstellen. Die Vorgaben deuten eine Beteiligung des Internationalen Währungsfonds sowie strikte Auflagen für einen Schuldnerstaat vor, ähnlich wie beim Rettungsschirm und der Griechenland-Hilfe. Anders ist, dass auch eine Beteiligung der Privatwirtschaft geprüft werden soll.

          Ohne letztere bestünde die Gefahr, dass ohne Ansehen der individuellen Umstände die Renditen für Anleihen aus dem Euroraum wieder unverhältnismäßig stark konvergieren. Dies war auch schon mit der Euro-Einführung geschehen. 1998 lag die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe noch viereinhalb Prozentpunkte über der vergleichbaren Bundesanleihe. Im Zuge der Vorbereitungen der Euro-Einführung und danach fiel sie beständig bis zum Mai 2005 auf nur noch 0,09 Prozentpunkte. Erst in diesem Frühjahr wurden die Höchststände des Jahres 1998 wieder erreicht.

          Dieser Prozess vollzog sich, obwohl das Bonitätsrating des Landes selbst in seiner besten Phase zwischen Juni 2003 und November 2004 vier Stufen unter dem der Bundesrepublik lag und die Klauseln der EU-Verträge, wonach das Land keine Hilfe zu erwarten hätte, zumindest formal Gültigkeit besaßen. Im Grunde hatten die Anleihemärkte den Schritt zur Transferunion stets vorweg genommen. Die exorbitante Ausweitung der Renditeaufschläge in den vergangenen Monaten ist daher sogar eher als Besorgnis zu verstehen, dass im Zuge der Finanzkrise diese Spekulation nicht aufgehen könnte.

          Ohne private Risiken kein funktionierender Kapitalmarkt

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