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Europäische Schuldenkrise : Auch Zyperns Anleihen unter Druck

Auch für Zypern ist die Schuldenkrise nahe Bild: dpa

Die europäische Schuldenkrise breitet sich aus. die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Bonitätsnote Zyperns gesenkt. Zyprische Banken hielten zu viele griechische Staatsanleihen und seien zu sehr mit dem angeschlagenen Land verbunden.

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          Derweil das Bangen um die Zahlungsfähigkeit Irlands anhält, zieht die europäische Schuldenkrise weitere Kreise. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat am Dienstagabend die Note für die Kreditwürdigkeit Zypern von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Damit verfügt Zypern immer noch über ein mittleres Rating im Rahmen dessen, was als investmentwürdig eingestuft wird.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter den Euroländern hat das Land damit allerdings nunmehr die drittschlechteste Note, eine höher als Portugal (A-), aber noch fünf vor Griechenland (BB+). Indes ist die Verschiebung nicht groß: Zypern ist damit auf das Niveau Maltas und hinter Italien und die Slowakei zurück gefallen. Dennoch: „Es ist eine negative Entwicklung“, sagte der zyprische Finanzminister Harilaos Stavrakis der halbamtlichen zyprischen Nachrichtenagentur CNA.

          Gefährdung der Banken steigt

          Als Grund führte S&P die Belastung der zyprischen Banken mit griechischen Staatsanleihen und die erhöhte Aktivität dieser Banken im stark angeschlagenen Griechenland. „Wir haben vorgesorgt und ausreichende Kredite aufgenommen, damit der Steuerzahler nicht belastet wird,“ sagte Stavrakis.

          Bild: F.A.Z.

          Zypern war zunächst recht bis zur zweiten Jahreshälfte nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) gut durch die Finanzkrise gekommen. Dazu hätte neben dem Euro auch die konservative Haltung der einheimischen Banken und eine gute Aufsicht über die Branche beigetragen.

          Doch ganz konnte sich dem Zypern nicht entziehen. Zum einen spielt dazu der Tourismus eine zu große Rolle, in dem die meisten Zyprioten des griechisch-dominierten Teils der Insel Beschäftigung finden, und der alles in allem rund ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Dieser ist vor allem von britischen Reisenden abhängig, die 2008 mehr als die Hälfte der Besucher stellten. Nächstgrößere Gruppe sind Russen mit 7,5 Prozent, Deutsche stellten 5,5 Prozent.

          Problem Griechenland

          Die Krise der britischen Wirtschaft schlug sich im Gastgewerbe nieder, das 2009 um 7 Prozent schrumpfte. Zu leiden hatten aber auch Industrie und Bauwirtschaft, nicht zuletzt weil der Bedarf an Ferienwohnungen drastisch fiel, was sich auch auf den Binnenkonsum auswirkte. 2009 fiel daher das Bruttoinlandsprodukt um 1,7 Prozent, für dieses Jahr geht die Regierung von einem Wachstum von wenig unter 1 Prozent aus, dank einer Erholung des Touristenzustroms. Die hohen Wachstumsraten der Jahre 2004 bis 2008 um 4 Prozent dürfte Zypern erst nach 2011 wieder erreichen.

          Ein weiteres großes Problem ist der naturgemäß enge Kontakt zu Griechenland. Immerhin 22 Prozent der zyprischen Exporte gingen 2009 auf den Peleponnes, hauptsächlich Nahrungsmittel und Textilien.

          Jetzt zeigen sich zudem die Problem der Verflechtungen im Bankensystem. Dieses ist in Zypern hoch konzentriert und ist mit einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 8,6 Prozent immerhin die drittgrößte Branche, nicht zuletzt aufgrund attraktiver Steuergesetze. Andererseits haben die Banken auch von der griechischen Krise profitiert: Angeblich flossen allein zwischen Oktober 2009 und April 2010 zehn Milliarden Euro ins Ausland, der größte Teil nach Zypern. Dennoch warnte der IWF zuletzt vor steigenden Kreditausfällen und forderte das Land zu höchster Wachsamkeit auf.

          Mäßiger Schuldenstand

          Ein großes Problem ist allerdings das chronische Leistungsbilanzdefizit. Dieses hat sich 2009 zwar etwas verringert, was vor allem einer stärkeren Schrumpfung der Importe gegenüber den Exporten geschuldet war. Der IWF rechnet zwar mit einer Stabilisierung, doch hat Zypern wie alle kleinen Euro-Länder mit einem Außenhandelsdefizit das Problem, dass dieses den Wechselkurs nicht beeinflusst.

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