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Europäische Anleihen : Schwellenländer beraten Käufe

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Chinas Auftritt in der Euro-Schuldenkrise ist womöglich nur der Auftakt zu einem gemeinsamen Vorgehen der Schwellenländer. Sie beraten über Käufe europäischer Staatsanleihen. Der Wunsch nach einer Alternative zum Dollar ist ein Motiv.

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          Die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics-Staaten) wollen ihre Anstrengungen gegen eine Abschwächung der Weltwirtschaft synchronisieren. Bei einem Treffen am 22. September in Washington könnten die Finanzminister der Länder beschließen, dass künftig ein höherer Anteil ihrer Devisenreserven in Euro gehalten wird. Dafür sollten verstärkt Staatsanleihen aus Ländern des Euroraums, vor allem solider Schuldner wie Deutschland, gekauft werden. Das berichtet das brasilianische Wirtschaftsmagazin „Económico Velor“.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das politische Interesse liege auf der Hand, kommentiert das Blatt: Einerseits wollten die Schwellenländer ihren Beitrag zur Stabilisierung der Finanzmärkte leisten. Andererseits zeigten sie, dass das ökonomische Gewicht der Schwellenländer zunehme. Das Thema der Anleihekäufe berge viel Konfliktstoff. Deswegen müssten die Finanzminister sehr vorsichtig vorgehen, wird eine mit den Plänen vertraute Person zitiert. Es sei schwierig, der Öffentlichkeit in den Schwellenländern zu erklären, warum man ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Euro-Krise Staatsanleihen aus der Region kaufen wolle.

          Unterdessen hat der russische Finanzminister Alexei Kudrin angekündigt, dass Russland seine Währungsreserven nutzen werde, um in sogenannte Eurobonds zu investieren, falls diese begeben werden sollten. Russland werde aber auch weiterhin in von einzelnen Euroländern begebene Staatsanleihen investieren, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit habe Zypern als einziges Euroland um finanzielle Unterstützung gebeten. Die Verhandlungen darüber könnten binnen eines Monats abgeschlossen sein.

          Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – im Fachjargon der Investmentbanken kurz Brics genannt – verfügen gemeinsam über rund 4500 Milliarden Dollar Währungsreserven, was beinahe der Hälfte aller Währungsreserven auf der Welt entspricht, die seit 2007 von 6,9 auf 10,1 Billionen Dollar angewachsen sind.

          Dabei werden die hohen Währungsreserven zusehends zu einer kostspieligen Angelegenheit für die Schwellenländer. Besonders teuer ist es nach Berechnungen des Hedgefondsmanagers Stephen Jen derzeit für China. In den vergangenen vier Jahren hat der Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan um 16 Prozent an Wert verloren. Hinzu kommen relative Einbußen, weil in den Industrienationen anders als noch vor vier Jahren die Zinsen niedriger sind als in den Schwellenländern. Würden die Fremdwährungskäufe durch den Verkauf von Anleihen in der Heimatwährung finanziert, wäre das mit Verlusten verbunden, ähnlich dem verlustreichen Zinstauschgeschäft („Carry Trade“) eines Hedgefonds. Allein durch diesen Effekt verliere China derzeit auf das Jahr hoch gerechnet rund 110 Milliarden Dollar.

          Eine bessere Streuung ihrer Anlagen

          Auch für andere Schwellenländer schätzt Jen, dass die negativen Zinseffekte empfindliche Einbußen bewirken. Für Brasilien betrage die Belastung knapp 40, für Indien mehr als 20 Milliarden Dollar jährlich und für die Schwellenländer insgesamt etwa 210 Milliarden Dollar. Vor vier Jahren sei der Zinseffekt aus Sicht der Schwellenländer dagegen mit rund 17 Milliarden Dollar noch leicht positiv gewesen. Da seitdem zugleich wegen der Schwäche der meisten Währungen der Industrieländer Wechselkursverluste auf die Reserven von insgesamt etwa 400 Milliarden Dollar angefallen seien, wachse der Druck, die Reservepolitik anzupassen.

          Jen rechnet damit, dass die Schwellenländer künftig weniger aggressiv auf dem Devisenmarkt intervenieren. Dort kauft insbesondere China Dollar und zunehmend auch Euro-Anlagen, um die Aufwertung seiner unterbewerteten Währung zu bremsen. Angesichts der beschriebenen Verluste mit den Reserven könnten die Eingriffe künftig weniger stark sein, was für eine zunehmende Stärke der Währungen aus den Schwellenländern spreche. Zudem sei damit zu rechnen, dass die Reserveländern eine bessere Streuung ihrer Anlagen anstreben.

          Von diesem Trend profitiert der Euro schon seit seiner Einführung. Seit 2001 ist laut Daten der Europäischen Zentralbank der Anteil an den offiziell gemeldeten Fremdwährungsreserven – die chinesischen Reserven gehören nicht zu dieser Kategorie – von 19 auf 26 Prozent gestiegen und stagnierte im vergangenen Jahr auf diesem Niveau.

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