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Europa : Schuldenkrise zieht immer weitere Kreise

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Bild: F.A.Z.

Das Drama um schwache Wirtschaftsstrukturen und die daraus folgende Überschuldung in vielen Staaten der europäischen Peripherie scheint kein Ende zu nehmen. Europäische und amerikanische Banken verfolgen unterschiedliche Interessen.

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          Das Drama um schwache Wirtschaftsstrukturen und die daraus folgende Überschuldung in vielen Staaten nimmt vorerst kein Ende. Während sich die Anleger mit Blick auf die gigantischen Defizite der Vereinigten Staaten noch der üblich leichtsinnigen Gleichgültigkeit vor dem Sturm hingeben, steigen die Prämien für die Absicherung von Kreditrisiken einzelner europäischer Staaten von Tag zu Tag von Hoch zu Hoch.

          Wer griechische Staatsanleihen im Nominalwert von einer Million Euro gegen mögliche Kreditereignisse absichern will, muss am Pfingstmontag bei einer Laufzeit von fünf Jahren eine Versicherungsprämie von knapp 157.000 Euro oder von 15,7 Prozent des Nominalwertes berappen. Das ist nicht nur so viel wie nie zuvor, sondern diese Prämie ist in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

          Krisenzeichen verdichten sich

          Diese Entwicklung deutet entgegen aller Beteuerungen von politischer Seite auf die zunehmende Überzeugung des Marktes hin, dass eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden immer wahrscheinlicher wird. Auch aus Griechenland selbst kommen entsprechende Signale. Denn Daten zeigen, dass die Privathaushalte schon seit Monaten Einlagen von den inländischen Banken abziehen. Sollte sich die griechische Krise nicht in geordnetem Rahmen lösen lassen, wären die Banken des Landes kaum zu halten.

          Aber auch die europäischen und amerikanischen Banken müssten mit hohen Lasten rechnen. Viele europäische Häuser aufgrund des zum Teil beachtlichen direkten Engagements in Griechenland. Geleitet von falschen Analysen der eigenen Ökonomen hatten sie sich Zinspapiere europäischer Peripheriestaaten ungeachtet aller Risiken in ihre Depots gelegt. Nun allerdings versuchen sie die möglichen Schäden auf die Steuerzahler oder auf die Verkäufer von Kreditversicherungen abzuwälzen und arbeiten aus diesem Grund mit allen nur denkbaren Schreckenszenarien.

          Europäische und amerikanische Banken sind unterschiedlich positioniert

          Die amerikanischen Banken und Versicherungen dagegen sind gemäß der jüngst von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich vorgelegten Zahlen nur vergleichsweise geringe direkte Risiken in den europäischen Peripheriestaaten eingegangen. Dagegen tragen sie potenzielle Lasten im Gegenwert von knapp 200 Milliarden Euro, die sie sich mit dem Verkauf von Kreditrisikoderivaten eingehandelt haben. Sollten die europäischen Banken von einer Restrukturierung von Staatsschulden in Form eines Kreditereignisses betroffen werden, könnten sie zumindest auf aggregierter Ebene große Teile der entsprechenden Verluste an amerikanische Verkäufer von Kreditversicherungen weitergeben.

          Diese Konstellation führt dazu, dass europäische und amerikanische Banken und Finanzhäuser bei der Lösung der Krise unterschiedliche Interessen haben. Sie werden zu allerlei taktischen Verhaltensweisen führen, allerdings nicht am Kernpunkt vorbeiführen: Die Restrukturierung ist letztlich unvermeidlich.

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