https://www.faz.net/-gv6-qgta

Europa : Renditen griechischer Anleihen steigen weiter

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen griechischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen gleicher Laufzeit erreicht am Freitag ein Rekordhoch. Gefordert werde ein „großer Privatisierungswurf“ der Regierung in Athen, heißt es.

          2 Min.

          Die Stimmung der Märkte in Bezug auf die massive Staatsverschulung in den Industriestaaten ist wetterwendisch. Während die dramatische Entwicklung in den Vereinigten Staaten bisher weitgehend ignoriert wird, sorgt die Entwicklung in Europa immer wieder für Schlagzeilen. An einem Tag deuten sie eine kurzfristige Entspannung an.

          Am nächsten Tag dann schlägt wieder die Erkenntnis durch, dass Staaten wie Griechenland ihre Verbindlichkeiten selbst bei bestem Willen nicht voll werden bedienen können.

          Kreditgeber müssen mit Einbußen rechnen

          Früher oder später müssen die Kreditgeber, also unter anderem Anleger, die die Lage unter anderem auf Rat vieler „Konvergenzökonomen der Banken“ völlig falsch eingeschätzt hatten, Verluste in Form reduzierter oder zeitlich gestreckter Rückzahlungen hinnehmen. In diesem Rahmen steigen die Renditen griechischer Staatsanleihen immer weiter an, während jene scheinbar solider Staaten wie der Bundesrepublik Deutschland stabil bleiben oder gar leicht fallen.

          Diese Entwicklung hat am Freitag dazu geführt, dass die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen griechischen Anleihen und deutschen Bundesanleihen gleicher Laufzeit sich am Freitag auf ein Rekordhoch von 1.341 Basis- oder 13,41 Prozentpunkte ausgeweitet hat. Die Rendite der zehnjährigen griechischen Bonds stieg zuletzt um 20 Basispunkte auf 16,32 Prozent.

          Ökonomen rechnen weiterhin mit einer Umschuldung Griechenlands. So erklärte unter der Nouriel Roubini, Griechenland habe in den Jahren 2012 und 2013 jeweils eine Refinanzierungslücke von 30 Milliarden Euro. Es sei unwahrscheinlich, dass das Land in den nächsten fünf bis zehn Jahren wieder Zugang zum Markt erhalte. Griechenland könnte umschulden, indem es Anleihen mit niedrigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ausgebe, sagte Roubini. Der Ökonom hatte seinerzeit korrekt die weltweite Finanzkrise prognostiziert.

          Kurzfristig spitzt sich die Nachrichtenlage und damit die Finanzlage Griechenlands durch Kreise-Meldungen zu, wonach die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) die Auszahlung bereits bewilligter Kredite an Griechenland an die Bereitschaft zu umfangreichen Privatisierungen verknüpfe. Gefordert werde ein „großer Wurf“ der Regierung in Athen, sagte eine mit den Verhandlungen beider Seiten vertraute Person am Donnerstag. Griechenland habe sich in der Frage zwar schon bewegt, aber noch nicht weit genug. Die Regierung müsse einen glaubwürdigen und nachvollziehbaren Plan vorlegen.

          Bisher kein überzeugendes Konzept

          Darin müsse aufgezeigt werden, welche Firmen privatisiert und welche Liegenschaften verkauft oder vermietet werden könnten. „Bevor wir das nicht haben, wird die Prüfung nicht abgeschlossen.“ Ranghohe EU-Politiker haben Griechenland aufgefordert, zügig einen Plan für Privatisierungserlöse von 50 Milliarden Euro bis 2015 vorzulegen. Inspektoren von EU und Internationalem Währungsfonds sind seit einiger Zeit mit der Prüfung beschäftigt, die der Zahlung einer Kredit-Tranche von zwölf Milliarden Euro vorangeht. Die Prüfung ist bereits verlängert worden.

          Griechische Behörden hatten erklärt, das EU/IWF-Team prüfe in bislang nicht gekannter Schärfe die Fortschritt Athens bei seinen Sparbemühungen. Am Donnerstag Abend hatte das griechische Finanzministerium auf die aus seiner Sicht erfolgreich umgesetzten Schritte bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen hingewiesen. Allerdings reagiert der Markt am Freitag auch deswegen nicht sonderlich wohlwollen darauf, da sie im Verhältnis zu der absoluten Dimension der Probleme bisher nur an der Oberfläche kratzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.